Die Museumsmacher - „Faszination Bernsteinwald“

Ein Besuch beim Hausarzt änderte alles – die Leidenschaft für Bernsteine wurde bei Brigitte Fleissner bereits im Kindesalter entfacht. Ab diesem Zeitpunkt gab sie ihr liebstes Stück, ein Bernstein mit Insekteneinschluss, den sie von ihrem Arzt geschenkt bekam, nicht mehr aus den Händen.

Mit dem goldfarbenen Stein ging eine gewisse Faszination einher. Die glatte Oberfläche fühlte sich schön und geschmeidig an und doch war sie nicht perfekt. Je nachdem, wie man den Stein drehte oder wendete, entdeckte man immer wieder neue Details – Zeugen einer Millionen von Jahren alten Geschichte. Der Bernstein wurde ihr ständiger Begleiter und Glücksbringer. Als sie allerdings ihren jetzigen Ehemann kennenlernte, schenkte sie ihm das Lieblingsstück.

Der Ingenieur war damals ein begeisterter Hobbytaucher. Dass seine Frau ihn mit ihrer Leidenschaft infizieren konnte und er vom Taucher zum Bernsteinsammler wurde, findet Helmut Fleissner naheliegend. Die Harze seien damit vergleichbar, weil man auch hier in eine längst vergangene Zeit eintauchen kann. Einzigartige Tier- und Pflanzenarten auf so faszinierende Weise im Inneren der Steine eingeschlossen zu sehen und die Feinheiten betrachten zu können, das sei etwas ganz Besonderes.

Die besonderen Steine sind weltweit zu finden, was auf unterschiedliche Entstehungsräume und Zeitalter hinweist. Bernsteine aus dem Baltikum entstanden zum Beispiel vor ca. 40 bis 50 Millionen Jahren aus dem Harz von Nadelbäumen der damaligen nördlichen Ostseeregion. Die ca. 25 Millionen Jahre alten Bernsteine aus der Dominikanischen Republik wiederum stammen aus dem Harz von Plattbäumen, den sogenannten Heuschreckenbäumen aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Besonderen Wert haben die Fundstücke, die Insekten oder auch Pflanzen im Inneren eingeschlossen haben.

Über die Jahre vergrößerte sich die Sammlung des Ehepaars stetig. Sie suchten im Urlaub nach den interessanten Steinen, tauschten und kauften besondere Stücke. Von einzigartigen Einschlüssen fertigte Helmut Fleissner dreidimensionale Stereobilder unter dem Mikroskop an. Um ihre Leidenschaft mit anderen teilen zu können und die Sammlung auch für Freunde, Bekannte, Verwandte und Interessierte zugänglich zu machen, bauten Fleissners in den letzten zehn Jahren ihr Schwimmbad zu einem Museum um. Dieses Schwimmbad dient heute als Schatzkammer für die umfangreiche Sammlung.

Durch das Museum führt der Hausherr selbst. Die Faszination Bernstein springt über, wenn man den vielen kleinen Geschichten hinter und zu den Ausstellungsstücken lauscht. Jeder Stein verbirgt etwas Besonderes. Während Brigitte Fleissner die Schönheit der Steine an der Form und Farbe festmacht, achtet Helmut Fleissner auf die Details der Inklusen. Manche sind mit bloßem Auge auszumachen, andere werden erst beim Blick durch eines der Mikroskope sichtbar: da sind komplett erhaltene Spinnweben erkennbar, in welchen sich Mücken verfangen haben, gebärende Blattläuse oder auch Mini-Echsen. Die Natur hat Momente von vor Millionen Jahren quasi eingefroren und so für uns konserviert.

„Faszination Bernsteinwald“ ist ein echtes Erlebnis. Die Liebe steckt im Detail. Dort erfährt man nicht nur Wissenswertes über die Urgesteine, sondern kann auch mithilfe von Mikroskopen besondere Fundstücke genauer betrachten. Ein Besuch ist nach Absprache mit Brigitte und Helmut Fleissner unter
bernstein-museum-fleissner@web.de möglich.

Bad Nauheim Blog: StadtGeschichten


0 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Keine Kommentare gefunden!