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Die Newsletter-Ausgaben der letzten Monate und die aktuelle Forsetzungsgeschichte „Kur mit Schatten“ der Wetterauer Autorin Luise Link finden Sie auch auf dieser Seite. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Schmökern!


Unsere Newsletter-Geschichte

Die Kurzgeschichte „Kur mit Schatten“ der Wetterauer Autorin Luise Link erzählt von einem Kuraufenthalt in Bad Nauheim. Mit jeder Newsletter-Ausgabe können Sie einen Teil der Geschichte lesen und zusammen mit der Hauptfigur die Stadt entdecken.

Kur mit Schatten – Teil 5

Beim Badearzt

 

Lis war für acht Uhr bei dem Bad Nauheimer Badearzt einbestellt. Sie hatte den Bericht von Dr. Schmidt dabei, ebenso die Zusage der Krankenversicherung. Auf ein Frühstück hatte sie vorsichtshalber verzichtet, vielleicht wollte der Arzt Laborwerte erheben. Um acht Uhr fünfzehn saß sie im Sprechzimmer.

 

„ Dr. Steinberg“, stellte er sich vor.
„ Elisabeth Danski.“
„Was führt Sie zu mir, Frau Danski?“
„Ich habe hier den Bericht meines Hausarztes und die Zusage der Krankenversicherung, für eine ambulante Kur. Mein Arzt hielt bei meinen Beschwerden einen Aufenthalt in einem Kneipp-Kurort für eine sinnvolle Lösung.“
Dr. Steinberg überflog den Bericht, blickte sie an. „Welche Beschwerden haben Sie im Einzelnen?“
„In der letzten Zeit schlafe ich oft schlecht. Ich fühle mich etwas müde, nicht mehr so leistungsfähig. Und in letzter Zeit lastet so ein Druck auf meinem Herz. Meine Großmutter ist Anfang sechzig am plötzlichen Herztod verstorben, und ich bin ihr, zumindest was das Äußere anbetrifft, sehr ähnlich.“
„Für solche Herzprobleme sind Sie ja eigentlich noch ein bisschen jung. Sie sind, ach doch schon fünfundvierzig, das sieht man Ihnen ja wirklich nicht an.“ Der Doktor lächelte.
In Lis stieg Hitze auf, sie war sicher errötet, so freute sie sich über das Kompliment. Der Doktor sah sehr gut aus, so um die vierzig, fünfzig. Dunkle Haare, leicht gebräunt, schöne Hände. Und keinen Ring.
„Vielleicht liegen meine Probleme auch im emotionalen Bereich. Ich trage mich mit Trennungsgedanken.“
„Dann wollen wir versuchen, der Sache noch ein bisschen mehr auf den Grund zu gehen. Wir machen vorsichtshalber ein EKG, Sie wissen ja bestimmt, was das ist. Vorher macht meine Mitarbeiterin noch einen kleinen Pieks bei Ihnen, fürs Labor. Machen Sie sich keine Sorgen, das können auch die Wechseljahre sein. Das ist in Ihrem Alter nicht ausgeschlossen. In der Umstellungsphase des Körpers sind solche Symptome nicht selten.“ Er stand auf, wohl um ins nächste Sprechzimmer zu wechseln.

 

Lis blieb sitzen, um auf den nächsten – Pieks – zu warten. Links an der Wand neben dem Schreibtisch des Doktors hing eine Auswahl privater Fotos. Zwei kleine Kinder am Strand, der Doktor mit seiner hübschen, jungen Frau bei der Taufe eines der Kinder und einige andere Schnappschüsse. Was war sie für ein Schaf!
„Frau Danski“, der Doktor blickte auf die EKG-Kurve, „ich kann Sie absolut beruhigen. Ihr EKG weist keine gravierenden Veränderungen auf. Die Laborwerte kommen morgen, wir rufen Sie an, falls sich dabei etwas ergeben sollte, wovon ich bislang nicht ausgehe. Am Ende Ihrer Kur machen wir zur Sicherheit ohnehin noch einmal ein Belastungs-EKG. Und denken Sie daran – Stress ist für gar nichts gut, auch nicht fürs Herz. Entspannen Sie sich!“
Lis nickte. Sie hatte sich jedes Wort gemerkt.
„Und nun zu Ihrer Kur. Was hatten Sie sich denn so vorgestellt?“
„Anwendungen, die bei meinem Zustand angezeigt sind.“
„Ich schlage vor Massagen, Gymnastik, Angstgruppe, Belastungsgruppe und Fangopackungen. Was halten Sie davon?“
„Es klingt für mich sinnvoll, ohne dass ich es natürlich beurteilen kann.“
„Fürs Beurteilen haben Sie ja Ihren Arzt, Frau Danski“, entgegnete er etwas schärfer als nötig. Er füllte die Rezepte aus. „Ich habe Ihnen den Namen der geeigneten Klinik aufgeschrieben, bei der Sie sich für die Anwendungen vorstellen können. Das wäre für Sie am einfachsten zu organisieren, und die Klinik ist für die Therapie psychosomatischer Störungen zertifiziert.“ Er stand auf, wandte sich zur Tür des anderen Sprechzimmers. „Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Aufenthalt. Wir sehen uns in drei Wochen. Sie finden ja allein hinaus. Auf Wiedersehen.“

 

Lis hatte bis jetzt nichts gegessen, sie war nüchtern. Und sehr ernüchtert. Zu Fuß ging sie über die Parkstraße in Richtung des kleinen Flüsschens, das Bad Nauheim durchfließt. Ein lustiger Name, nur in Kleinbuchstaben, dachte Lis. Usa. Sie schlenderte den breiten Fuß- und Fahrradweg entlang, auf der linken Straßenseite reihte sich Klinik an Klinik, Rheumatologie, Herz-Kreislauf, Rehabilitation und so fort, bis sie an der Parkklinik angelangt war. Sah groß und freundlich aus, vor allem die Lage gegenüber vom Ludwigsbrunnen gefiel Lis. Die Johannisbeercremetorte würde sie sich ab und zu gönnen. Ihr war ganz flau im Magen. Sie kaufte sich in der Cafeteria der Klinik ein Teilchen und einen Becher Kaffee. Die vielen Patienten in Rollstühlen, an Krücken, die vielen alten Patienten, aber vor allem die jungen, die auch vertreten waren – ein bisschen bedrückend war das schon. Besser, dass sie nur ambulant kuren würde.

 

In der Anmeldung zeigte Lis ihre Rezepte, man trug die Termine ein und sie erhielt einen Drei-Wochen-Plan. Alles ging äußerst zügig vonstatten. „Der nächste bitte“, rief die Sekretärin. Lis war sehr zufrieden. Alles hatte hervorragend geklappt, sie hatte für die nächsten drei Wochen eine Struktur, man würde sich um ihre Gesundheit kümmern, und sie selbst würde dies auch tun. Das Postamt hatte sie auf dem Hinweg schon gesehen. Sie prägte sich den Platz ein.

 

Fortzetzung folgt...

 

Über die Autorin

Luise Link lebt in Rockenberg/Hessen. Die ehemalige Lehrerin der Henry Benrath-Schule in Friedberg hat bisher acht Bücher veröffentlicht – vier Erzählbände (Erzähl Dir Zeit; Erzähl Dir ZeitGeschichten), einen Kurzroman (Die Farm der Hühner. Fabelhaftes aus Hessen), zwei Satiren (Self-Publisher-Blues; Werden Sie wichtig! Ein satirischer Ratgeber) und ein Sachbuch (Sie wollen ein Buch schreiben? Literarische Technik für Einsteiger).

Außerdem war sie jeweils mit mehreren Beiträgen an den lokalen Anthologien Unterwegs in Bad Nauheim, Unterwegs in der Wetterau, Fantastische Landschaften. Die Wetterau beteiligt.

Die Geschichte als Download

Kur mit Schatten Teil 1 bis 5
Kur mit Schatten - Teil 5
538.13 KB
Kur mit Schatten - Teil 4
766.68 KB
Kur mit Schatten - Teil 3
1.02 MB
Kur mit Schatten - Teil 2
336.01 KB
Kur mit Schatten - Teil 1
597.59 KB