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Die Newsletter-Ausgaben der letzten Monate und die aktuelle Forsetzungsgeschichte „Kur mit Schatten“ der Wetterauer Autorin Luise Link finden Sie auch auf dieser Seite. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Schmökern!

Newsletter-Ausgaben


Unsere Newsletter-Geschichte

Die Kurzgeschichte „Kur mit Schatten“ der Wetterauer Autorin Luise Link erzählt von einem Kuraufenthalt in Bad Nauheim. Mit jeder Newsletter-Ausgabe können Sie einen Teil der Geschichte lesen und zusammen mit der Hauptfigur die Stadt entdecken.

Kur mit Schatten – Teil 9

Das dritte Wochenende in Bad Nauheim

 

Aller guten Dinge sind drei

 

„Aller guten Dinge sind drei“, hatte Mama immer gesagt. Damit hatte sie dafür gesorgt, dass Lis jedes Mal gespannt die dritte Sache in einer Reihe erwartete. Zu Weihnachten das dritte Geschenk, das sie bekam. Immer am größten und schönsten. Oder beim Essen, nach Vorsuppe und Hauptgang, der Nachtisch, der alles toppte. Allerdings, dachte Lis, die ersten beiden Wochenenden in Bad Nauheim sind nicht gerade großartig gewesen, nicht wirklich gut. Schlimm, schlimmer, am schlimmsten? Lis ging mit unheilvollen Vorahnungen zum Frühstück. An der Tür zum Frühstücksraum empfing sie Kaffeeduft. Die Tische waren blütenweiß eingedeckt, auf jedem Tisch eine kurze Vase mit einer duftenden Rose, in kleine Schleierkrautblüten gesteckt. Lis aß zwei Brötchen, eine Schale Müsli, geräucherten Lachs und Rührei mit ausgelassenem Speck. Vor Mittag dann ein ausgiebiges Vollbad. Ihr Handy lag auf dem Frottéevorleger vor der Badewanne, beim Ausruhen danach, im Bett, auf der Bettdecke. Bis vierzehn Uhr nichts, kein Anruf, kein Gerrit. Lis stand auf und begann sich anzukleiden. Um halb drei surrte das Handy. Gerrits mobile Nummer.

„Ich steh‘ hier unten vor dem Hotel. Kann ich raufkommen?“

„Ich bin verabredet, Gerrit. Das kann ich jetzt nicht mehr absagen. Wir wollten uns um drei treffen.“

Gerrit schwieg. „Wenn du willst, könntest du mitkommen. Ich treffe mich mit einer älteren Dame zu einer Führung in der Stadt.“

Gerrit antwortete schnell, es klang erleichtert. „Ich warte dann unten, in der Lounge.“ Und kurz darauf: „Lis.“ Nur dieses eine Wort. 

 

Er stand von dem Sessel in der Lounge auf, ging auf sie zu, blickte sie an und deutete eine Umarmung an. Was war mit ihm los? War es Berechnung oder hatte er ernste Probleme? Sie würde es am Ende des Tages wissen. „Lass uns mit dem Auto fahren“, sagte er. „Ich bin momentan nicht so gut zu Fuß.“ Sie parkten im Parkhaus und gingen hinauf zur Touristeninformation in den Kolonnaden. Einige Leute warteten schon, unter ihnen die Dame vom Ludwigsbrunnen. Sie kam sofort auf Lis zu.

 

Jugendstilrundgang

 

„Hallo, Lis. Schön, dass Sie heute Ihren Mann mitgebracht haben. Da kann ich ihn doch mal kennenlernen.“

„Herr Hansen“, stellte Lis Gerrit vor.

„Hansen? Ich dachte, Sie heißen Danski, Lis. Haben Sie Ihren Mädchennamen behalten?“

„Herr Hansen und ich sind nicht verheiratet.“

„Na ja, das ist ja heute schon fast normal. Wissen Sie, zu meiner Zeit, Herr Hansen, da ging gar nichts ohne Ring am Finger. Hatte auch seine Vorteile, nicht wahr?“

Gerrit lächelte gequält.

„Aber es ist ja besser, dass man wenigstens zusammenlebt, wenn man auch nicht verheiratet ist. Wissen Sie, meine Ehe war nicht besonders beglückend, aber seit mein Mann tot ist, denke ich, eine schlechte Ehe ist immer noch besser als gar keine.“

Recht host, aber schweige hätt‘st solle, dachte Lis. Sie waren am Sprudelhof angekommen.

„Ich hab‘ diese Führung schon drei Mal gemacht, und heute wollte ich sie mir auch nicht entgehen lassen“, flüsterte die alte Dame.

„Der Führer erklärt gerade etwas zur Symbolik, ist sicher interessant“, unterbrach Lis.

„Ach, die kann ich Ihnen erklären, wenn wir auf dem Weg zur Trinkkuranlage sind. Ich weiß das alles inzwischen absolut genau. Wissen Sie, warum ich die Führung schon so oft gemacht habe?“ Sie schürzte die Lippen und lächelte.

„Nein, das wissen wir nicht“, warf Gerrit ein.

„Also“, die alte Dame ließ sich nicht beirren, „ich finde den Führer so toll. Er hat zwar schon lichtes Haupthaar, was ich bei Männern nicht schätze, aber, Sie müssen zugeben, er ist für sein Alter noch so schlank, so drahtig, und mit der Brille wirkt er doch echt intellektuell. Das ist nämlich ein pensionierter Lehrer, wissen Sie.“ Sie schwieg einen Augenblick, einen kurzen. „Aber, ich hab’s letzte Woche herausgefunden. Da war ich auf dem „Rundgang mit berühmten Kurgästen“, und was denken Sie, er ist verheiratet! Seine Frau war als Schauspielerin mit dabei.“

„Mmh“, drückte Lis Anteilnahme aus.

„Ich hätte ja wahrscheinlich sowieso keine Chancen bei ihm gehabt.“

„Ach, so eine IWA wie Sie schon“, murmelte Gerrit.

„Wie galant von Ihnen, Herr Hansen. Was denken Sie, wie lange man mich nicht mehr eine Eva genannt hat. So viele Jahre ist das her.“ Sie überlegte einen Moment. „Als ich noch im Jugendstil war“, versuchte sie ein Wortspiel.

Lis verbiss sich jede weitere Lautäußerung. Bis jetzt hatte sie durch das wasserfallartige Geplapper der alten Dame von der Führung kaum etwas mitbekommen.

„Wie ich schon andeutete, Lis“, die alte Frau sprach etwas leiser, „ich hätte auch, wenn er nun nicht verheiratet wäre, kaum eine Chance bei ihm gehabt. Ich bin doch zu alt. Wenn die Männer alt sind, dann suchen sie was Jüngeres, das hilft ihrem schwachen Ego auf. Und deshalb haben wir Frauen eigentlich schon ab vierzig, fünfzig keine Chance mehr, so ist das.“

Mittlerweile war die Gruppe bis zur Trinkkuranlage gelangt. Der Führer teilte gerade Trinkbecher für die Karlsquelle aus.

„Ich trinke mal was“, sagte Lis und flüchtete ein Stückchen davon. Als sie sich wieder neben Gerrit und der alten Frau eingereiht hatte, schwieg diese. Genauso plötzlich wie im Café am Ludwigsbrunnen.

 

Die Führung endete nach einer Stunde an den Kolonnaden.

„Ich wünsche Ihnen beiden noch einen schönen Sonntag. Genießen Sie die gemeinsame Zeit, sie ist so kurz.“ Die alte Dame schüttelte Lis und Gerrit die Hand. „Und wenn ich am Anfang mit dem Reden ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen bin, sehen Sie es bitte einer alten Frau nach. Es wird zuhause wieder so still sein. Da habe ich Ihre Gesellschaft besonders genossen. Ich danke Ihnen, und ade.“

Sie schauten der Frau noch einen Moment nach.

„Was meintest du mit IWA, Gerrit?“

„Ist meine Abkürzung für ‚Ich weiß alles‘.“

„Wer Recht hat, macht sich meistens unbeliebt“, antwortete Lis.

„Kann ich wieder mit ins Hotel kommen“, fragte Gerrit, als sie im Auto saßen.

„Zum Reden, ja“, erwiderte Lis.

 

Im Doppelzimmer

 

Ein Hotel. Ein Doppelzimmer. Ein Mann. Eine Frau, mit Gefühlen – Lis hätte wissen müssen, dass das nicht platonisch endet. ‚Ein Tor ist immer willig, wenn eine Törin will‘. Heinrich Heine.

„Lis“, hatte Gerrit gesagt, als sie oben im Zimmer waren. Nur das eine Wort. Dann hatte er ihre Hände genommen, über ihre Wange gestrichen, und dann waren alle Dämme gebrochen. Den BUKo hatte er vergessen. Jetzt lagen sie nebeneinander, nackt.

„Wir wollten reden, Gerrit. Deshalb bist du hergekommen“, begann Lis.

„Dann zieh‘ dir erst mal etwas an, sonst dauert das Gespräch nicht lang“, lachte er. Sie blieb liegen und zog die Bettdecke etwas höher. „Wenn du hier mit allem fertig bist, musst du wieder nachhause kommen.“

„Und was ist mit Martina?“

„Martina war ein kindisches Intermezzo.“

„Hast du dich von ihr getrennt?“

„Um ehrlich zu sein, sie hat mich verlassen.“

Das gab einen Stich. „

War sie sauer, dass du – dass wir miteinander geschlafen hatten?“

„Das war ihr völlig egal.“

Der nächste Stich. „Warum dann?“

„Sie hat das Testament gelesen.“

„Das von dir und deiner Frau?“

„Woher weißt du, dass das Testament existiert?“

„Ich war drei Jahre deine Sekretärin, hast du das vergessen? Ich hätte mich unmenschlich anstrengen müssen, das Testament nicht zu lesen. Lag ja buchstäblich vor meiner Nase.“ „Du wusstest, dass ich nur Nutznießer von der Firma und dem Haus bin und den Kindern alles gehört?“

„Ja.“

„Du erstaunst mich. Ich dachte, du bist auf mein Vermögen scharf, so wie Martina auch. Die hat nämlich gleich am Montag die Katze aus dem Sack gelassen. Als ich hier war, hat sie alle Papiere durchstöbert und das Testament gefunden. Ich fasse bis jetzt noch nicht, wie sie’s so schnell gefunden hat. “

„Und wie geht’s jetzt weiter, mit Martina?“

„Sie hat am Montag sofort gekündigt. An sich müsste sie ja noch kommen, bis ihre Kündigungsfrist abgelaufen ist, aber sie hat mir gedroht, sie würde überall verbreiten, dass ich sie sexuell belästigt habe. Und selbst, wenn sie mit einer Klage nicht durchkäme, es würde was an mir hängenbleiben. Und klar, das kann ich mir nicht leisten und dass es einvernehmlich war, das wusstest ja nur du.“

Lis griff nach der Unterwäsche, die vor ihrem Bett lag und zog sich an.

„Das ist aber noch nicht alles, Lis. Birte ist schwanger, mit Zwillingen, wie es scheint, und sie will nach der Hochzeit mit ihrem Mann Ben zu mir ziehen. Ben will in die Firma einsteigen. Ich kann dagegen gar nichts machen, aber mir graut’s vor der Unruhe im Haus. Ich bin das einfach nicht mehr gewöhnt.“

„Du kannst ja zu mir ziehen.“

„Was meinst du damit? Du hast doch gar keine eigene Wohnung.“

„Werde ich aber haben. Hab‘ sie schon ausgesucht. 95 Quadratmeter, erster Stock, Blick in einen Obstgarten, zwanzig Minuten ins Geschäft.“

„Woher hast du so viel Geld?“

„Hab‘ ich noch nicht. Aber du wirst es mir ja überweisen.“

„Lis, ich hab‘ so viel Geld nicht. Und wenn Ben erst mal im Geschäft ist, kann ich sowieso nicht mehr schalten und walten, wie ich will.“

„Deshalb sollte es schnell gehen. Ben kann aber gar nichts dagegen machen. Das sind Forderungen aus der Vergangenheit, die müssen beglichen werden, hat Dr. Lohmann gesagt.“ „Ich hab’s nun mal nicht.“

„Du hast nicht alles. Du musst zusätzlich eben deinen Porsche verkaufen. Das bringt mindestens fünfzigtausend Euro, er ist ja nur ein Jahr alt. Und er hat keine Sitze hinten, so ein Auto ist für einen Opa nicht geeignet.“

Jetzt stand Gerrit auf. Er zog sich an, setzte sich auf den Stuhl vor der Kommode. Er stützte seinen Kopf in die Hände, schwieg.

„Ist dir dein Porsche so wichtig?“

„Ich hab‘ dir noch nicht alles gesagt. Was du vom Opa gesagt hast; ich könnte wirklich bald ein alter, gebrechlicher Opa sein.“

„Ich hab das doch nur so dahin gesagt. Ich finde dich doch gar nicht alt, das musst du doch gemerkt haben, oder nicht?“ Lis schaute ihn an.

„Ich war beim Arzt. Ich habe schon die ganzen letzten Wochen so schlecht geschlafen, hatte Stimmungsschwankungen, und manchmal so komische Muskelkrämpfe und Schmerzen. Der Arzt hat gesagt, es könnte sich irgendwann erweisen, dass das die Anfänge von Parkinson sind.“

Lis stand aus dem Bett auf, setzte sich vor Gerrits Stuhl auf die Bettkante hin und legte ihre Hände auf seine Knie.

„Gerrit, mein Vater hatte Parkinson. Das kann man sicher erst diagnostizieren, wenn die Symptome eindeutig sind. Und bis zur vollen Ausbildung der Krankheit dauert es viele Jahre, oft Jahrzehnte. Du brauchst dir keine Sorgen machen, glaub mir. Beschwerden hatte ich auch. So einen Druck, auf der Brust. Als ich bei meinem Badearzt nachgefragt habe, sagte er, mein Herz wäre zu faul. Wenn man ein gutes und starkes Herz habe, müsse man es fordern, anstrengen und Stress vermeiden. Das war bei uns beiden bestimmt eher psychisch.“ Sie strich über sein Haar.

„Komm kuscheln“, sagte er. Da fehlt aber noch was, dachte Lis.

Über die Autorin

Luise Link lebt in Rockenberg/Hessen. Die ehemalige Lehrerin der Henry Benrath-Schule in Friedberg hat bisher acht Bücher veröffentlicht – vier Erzählbände (Erzähl Dir Zeit; Erzähl Dir ZeitGeschichten), einen Kurzroman (Die Farm der Hühner. Fabelhaftes aus Hessen), zwei Satiren (Self-Publisher-Blues; Werden Sie wichtig! Ein satirischer Ratgeber) und ein Sachbuch (Sie wollen ein Buch schreiben? Literarische Technik für Einsteiger).

Außerdem war sie jeweils mit mehreren Beiträgen an den lokalen Anthologien Unterwegs in Bad Nauheim, Unterwegs in der Wetterau, Fantastische Landschaften. Die Wetterau beteiligt.

Die Geschichte als Download

Kur mit Schatten Teil 1 bis 9
Kur mit Schatten - Teil 9
984.31 KB
Kur mit Schatten - Teil 8
438.78 KB
Kur mit Schatten - Teil 7
844.05 KB
Kur mit Schatten - Teil 6
53.79 KB
Kur mit Schatten - Teil 5
538.13 KB
Kur mit Schatten - Teil 4
766.68 KB
Kur mit Schatten - Teil 3
1.02 MB
Kur mit Schatten - Teil 2
336.01 KB
Kur mit Schatten - Teil 1
597.59 KB