Mark Twain

(1835-1910, eigentlich Samuel Langhorne Clemens)

Der U.S.- amerikanische Schriftsteller besuchte während eines längeren Aufenthaltes in Europa mit Frau und Tochter auch Bad Nauheim. Vermutlich unterzogen sich beide Damen einer Badekur im heilenden Solewasser.

Die Kurliste des Jahres 1892 vermerkt am 9. Juni die Ankunft von Mr. und Mrs. Clemens nebst Töchterchen und Bedienung (Gouvernante) aus Hartford, Connecticut, U.S.A.
Wohnung: Villa Albion, Burgallee 6

25. Juni Wohnungswechsel nach Villa Augusta Viktoria, Ludwigstraße 7

Am 16. Juli erfolgt ein weiterer Wohnungswechsel in das Hotel Kaiserhof, Bahnhofsallee 2-4
Ab diesem Datum ist in den wöchentlich erscheinenden Ausgaben der Kurliste nur noch Mrs. Clemens mit Familie und Gouvernante vermerkt. Der Schriftsteller, der sich auf Vortragsreise durch Europa befand, ist zu diesem Zeitpunkt schon weiter gereist.

Er verbrachte insgesamt etwa 6 Wochen in Bad Nauheim und soll in diesem Zeitraum mit dem Schreiben des Buches „Knallkopf Wilson“ („Pudd'nhead Wilson“) begonnen haben.*

*Nach einem Zitat des Literaturwissenschaftlers Manfred Pfister, 2010: “Angefangen hat er dieses Buch in einem deutschen Bad, Bad Nauheim, dann hat er es weitergeschrieben auf einem Hügel über Florenz, und er hat es fertiggemacht in Amerika.“

Die Abreise von Frau und Tochter ist auf die Zeit nach dem 10. September 1892 zu datieren.


© Brigitte Faatz
Stadtarchiv Bad Nauheim, 2010

Spätes Lob für die Nauheimer Bäder und einen jungen Kurarzt

Mark Twain in Bad Nauheim

Der U.S.- amerikanische Schriftsteller Mark Twain (mit bürgerlichem Namen Samuel Langhorne Clemens) besuchte während eines längeren Aufenthaltes in Europa mit Frau und Tochter auch Bad Nauheim. Seine gesundheitlich stark angegriffene Gattin unterzog sich einer Badekur im heilenden Solewasser.

Die Kurfremdenliste des Jahres 1892 vermerkt am 9. Juni die Ankunft von Mr. und Mrs. Clemens nebst Töchterchen und Bedienung (Gouvernante) aus Hartford, Connecticut, U.S.A. Ihr Quartier bezog die Familie zunächst in der Villa Albion, Burgallee 6, wechselte dann am 25. Juni in die Villa Augusta Viktoria, Ludwigstraße 7 und mietete sich schließlich am 16. Juli in das luxuriöse Hotel Kaiserhof, Bahnhofsallee 2-4, ein. Dort ist fortwährend nur noch Mrs. Clemens und Familie vermerkt. Der Schriftsteller, der sich auf einer Vortragsreise durch Europa befand, war zu diesem Zeitpunkt schon weiter gereist. Er verbrachte insgesamt etwa 6 Wochen in Bad Nauheim und soll in diesem Zeitraum mit dem Schreiben des Buches „Knallkopf Wilson“ („Pudd'nhead Wilson“) begonnen haben. 
Die Abreise von Frau und Tochter ist nach den Eintragungen der Kurfremdenlisten auf die Zeit nach dem 10. September 1892 zu datieren.

Spätes Lob

Mark Twain starb 1910. Testamentarisch verfügte er, dass nach seinem Tod erst hundert Jahre vergehen müssten, ehe der kauzig-humorvolle Schriftsteller neue Geheimnisse aus seiner Autobiographie veröffentlicht sehen wollte. Der Aufbau-Verlag in Berlin packte die Erinnerungen des eigenwilligen Literaten unter dem selbstironischen Titel: „Ich bin der eselhafteste Mensch, den ich je gekannt habe“ in ein zweibändiges Werk und brachte 2014 eine deutschsprachige Ausgabe auf den Markt.

Wie erst kürzlich bekannt wurde berichtet Mark Twain darin auch von seiner mehrjährigen Vortagsreise die ihn zwischen 1891 und 1895 durch Europa und in Deutschland auch nach Bad Nauheim geführt hatte. Er findet, wenn auch verspätet, lobende Worte für die Heilkräfte der Nauheimer Bäder und die diagnostischen Fähigkeiten eines jungen Kurarztes.

„...Olivia hielt sich von Juni bis Juli 1891 in Aix-les-Bains in Frankreich und von Juni bis Mitte September 1892 in Bad Nauheim auf. Am 10. Juni 1892 schrieb Twain an Clara: „Die beste Nachricht von allen ist, dass zwei Ärzte Mama für heilbar erklärt haben, & zwar für ohne weiteres heilbar. Sie sagen, mit diesen Bädern wird es gelingen & dass diese Bäder die einzigen auf der Welt sind, die das können.“

„...Angesehene Ärzte in Rom, Florenz und Berlin hatten ihr die üblichen zwei Jahre gegeben – und in Bad Nauheim (Deutschland) hatte der Arzt, der im offiziellen Verzeichnis der hier zugelassenen Ärzte an letzter Stelle rangierte, Mrs. Clemens untersucht und mir gesagt, dass Ihr nichts Ernsthaftes fehle und sie noch viele Jahre zu leben habe. Ich war erzürnt. Ich war empört, dass dieser ignorante Lehrling mit Menschenleben spielen durfte, beglich die Rechnung und entließ ihn auf der Stelle ohne Weiterempfehlung. Dabei war er der einzige, Arzt unter diesem Dutzend, dessen Prognose etwas taugte....“

„Der Arzt an letzter Stelle...“

Das hierarchische Ärzteverzeichnis der Kurfremdenliste 1892 führt als letztes den Namen von Dr. Emanuel Hirsch auf. Der junge Mediziner, 28 Jahre alt und gebürtiger Friedberger, hatte sich gerade in Bad Nauheim niedergelassen und bestritt seine erste Kursaison. 

Dass der amerikanische Kurgast nicht so recht mit seiner Diagnose einverstanden war, hatte auf den weiteren Berufsweg des Mediziners keinen negativen Einfluss. Ab 1894 übernahm er neben seiner Praxis noch die Stelle des Leitenden Arztes in der Israelitischen Kinderheilstätte, Frankfurter Straße 103. Diese Einrichtung ermöglichte durch Spenden unterernährten, herzkranken Kindern einen vierwöchigen Kuraufenthalt. 

Dr. Hirsch galt als großer Verfechter der Sport- und Leibesübungen. Er übte bereits die Tätigkeit eines Sportarztes aus, ehe es diesen Begriff gab. Die neu erbaute Kinderheilstätte galt als modernes Musterbeispiel und verfügte im eigenen Garten über ausreichend Platz für Turn- und Sportgeräte die einen Schwerpunkt seiner Kurtherapie ausmachten. Als Anstaltsarzt blieb er der Einrichtung rund 35 Jahre lang verbunden, einschließlich der Zeit als Lazarettarzt im ersten Weltkrieg.
Dr. Hirsch avancierte zum gefragten und geschätzten Sanitätsrat, trat mit zahlreichen Schriften hervor, in denen er die reichen Erfahrungen seiner ärztlichen Tätigkeit zum Nutzen der nachfolgenden Arztgeneration niederschrieb und so überregional in Fachkreisen Werbung für die Bad Nauheimer Bäder betrieb. 
Er starb 1929 plötzlich, mit 65 Jahren, hoch geehrt nach 37 Jahren erfolgreichen Wirkens nicht zuletzt für den Ruf Bad Nauheims, den er auf diese Weise in die Welt hinaus getragen hatte. Die Notizen von Mark Twain setzen Dr. Hirsch nochmals ein spätes Denkmal, denn er sollte mit seiner Diagnose recht behalten. Olivia Clemens lebte noch bis 1904.

 

© Brigitte Faatz
Stadtarchiv Bad Nauheim, 2015