Liedermacherin Pauli

Liedermacherin Pauli

In ihren Texten jongliert sie mit Worten, die berühren, und gleichzeitig lädt der Rhythmus zum Tanzen ein: Poetgrunge heißt das von ihr eigens benannte Musikgenre.


„Wenn ich dir jetzt Gesangsunterricht gebe, dann beraube ich dich der Besonderheit deiner Stimme“, hat ein Gesangslehrer zu Paulina Conrad gesagt, als sie eine Stunde nehmen wollte. Also hat sie es gelassen. Auch Gitarre spielen hat sie sich selbst beigebracht.

Ihr Stil ist schwer zu beschreiben: Er hat etwas von Nina Hagen und Nirvana und eben ganz viel von Pauli. In dieser von ihr neu geschaffenen Musikrichtung Poetgrunge finden tiefgründige und anspruchsvolle deutschsprachige Lyrik, Punk und Pop zusammen und wie sie ihre Stimme einsetzt, ist besonders. Ihren eigenen Stil unterstreicht auch der grüne, koboldartige Hut, den ihr vor Jahren ein guter Freund, ihr „Meister Eder“, geschenkt hatte und den sie bei Auftritten fast immer trägt. Laut Definition ist der Kobold ein lebhafter, gutartiger, zu neckischen Streichen aufgelegter Zwerg, ein Haus- und Naturgeist mit gutem und frechem Wesen. Darin findet sie sich wieder.

— Eine ausgezeichnete Wortkünstlerin

Paulina Conrad zog im Alter von sechs Jahren mit ihrer Mutter aus Polen nach Mittelhessen. Seit rund 15 Jahren wohnt sie in Bad Nauheim. Hier ist sie angekommen, fühlt sich heimisch, liebt den Hochwald, das viele Grün, vor allem den Südpark und das Jugendcafé Alte Feuerwache, den Sprudelhof und die Trinkkuranlage, in der sie selbst gerne mal auftreten würde. Im Alter von 13 Jahren wusste sie schon, dass sie eine Band gründen und eigene Lieder schreiben „muss“ – Sie wollte so gut werden wie ihre Lieblingsband Nirvana.

Dann blieb es aber erst einmal leise: Nach der Schule, während der Ausbildung und in ihrem Arbeitsalltag in der Gastronomie fand sie keine Zeit dafür, seit 2015 verwirklicht Paulina Conrad ihren Jugendtraum. Manchmal tritt sie alleine, aber seit fünf Jahren meistens mit Band als Pauli auf. „Dunkelbunt“ heißt das Album, das sie 2018 in Eigenregie produziert hat, ein weiteres soll folgen – Ideen für Lieder hat sie viele. 2017 hat Paulina Conrad den Singer-Songwriter-Contest des Bad Nauheimer Freiraum-Festivals gewonnen. Musik zu machen, macht sie „unbeschreiblich glücklich“, ist ihre Berufung.

Pauli mit ihrer Band (von links): Stefan Platen (Gitarre), Ben Böttcher (Drums & Gesang) und Jörg Karl (Bass & Gesang).

Der grüne Hut ist das Markenzeichen von Pauli.

Pauli in ihrem Lied „Einfach so“
„Was kommt, das weiß ich nicht - es gibt da die Zuversicht!“

— Volle Konzentration auf die Musik

Vor gut einem Jahr hat die 37-Jährige ihren Beruf in der Gastronomie freiwillig aufgegeben und kümmert sich seitdem ausschließlich um ihre Musik. Ein wohlüberlegter Schritt der gelernten Hotelfachfrau, die in namhaften Betrieben in Bad Nauheim und Frankfurt als Restaurantleiterin und zuletzt als Chef de Rang gearbeitet hat. Ihr Job war gut bezahlt, aber eben nicht gut fürs Seelenheil – daher die Entscheidung, ihr Leben zu ändern. Eine mutige Entscheidung – und für Paulina Conrad die absolut richtige.

Live-Konzerte zu geben, das liebt sie: 2019 hatte sie gut 30 Auftritte, und sogar 2020 konnte sie – trotz Corona – auf der Bühne stehen. Gespielt hat Pauli z. B. im Sprudelhof vor dem Pop-up-Café von Star Waffles, in Wölfersheim im Rahmen der Musikreihe Sommer am See oder im Szene-Club Goldene Krone in Darmstadt. Die restliche Zeit, die durch Corona frei blieb, investierte sie in Live-Stream-Konzerte, in ein Seminar zum Thema Musik-Business und Marketing oder in Proben und Fotoshootings mit ihrer Band.

— Anregung zur Selbstreflexion

Es steckt viel Biografisches in ihren Texten. Anfangs hat sie die Lieder nur für ihr eigenes Seelenheil verfasst. Beim Schreiben ist sie gnadenlos ehrlich zu sich und setzt sich mit ihren eigenen „Schattenseiten“ auseinander, aber auch mit gesellschaftlichen Themen: In „Besser werden“ geht es um Konsum-Kritik und den „alltäglichen Wahnsinn, dem sich der Mensch hingibt“, so heißt es beispielsweise: „Das arme Tier tut dir zwar leid, könnt nichts dafür, es schmeckt euch halt.“ Sie selbst ist seit vier Jahren Veganerin. Es geht ihr nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen, sie möchte mit ihren Liedern die Menschen zur Selbstreflexion bewegen. Tierliebe, die Freuden und Leiden des Lebens, Authentizität, Oberflächlichkeiten, Ehrlichkeit, Depressionen, Selbstbewusstsein, Abhängigkeiten, Achtsamkeit und Mut – darüber schreibt und singt sie.

„Von alleine wird’s nicht besser werden“ – dieser Satz kommt gleich in zwei Liedern („Entschuldige“ und „Mensch sein“) vor. Neuanfang ist für Paulina Conrad ein wichtiges Thema, da sie ihn selbst gewagt hat. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, irgendwann von ihrer Musik leben zu können. Der Wille, Musikerin zu sein, ist bei ihr größer als die Angst vor dem finanziellen Absturz. Mit Blick auf das Jahr 2021 antwortet sie mit einem Zitat aus ihrem Lied „Einfach so“: „Was kommt, das weiß ich nicht - es gibt da die Zuversicht!“

Mehr Infos

Mehr über Pauli und ihre aktuellen Projekte gibt es auf www.facebook.com/Paulipoetgrungewww.instagram.com/paulipoetgrunge oder www.youtube.com.

Autor / Autorin
Katharina Wagner
Katharina Wagner
Die Bad Nauheimerin lernt durch das Schreiben für den Blog ihre Heimatstadt noch einmal neu kennen: „Ich treffe interessante Menschen, die Interessantes machen oder zu erzählen haben, und ich bekomme spannende Einblicke in Unternehmen und Einrichtungen, die ich vorher so nicht hatte. Das macht Spaß.“ Katharina Wagner ist freiberufliche Redakteurin (Online, Print, Social Media und TV), seit ihrer Kindheit großer Elvis-Fan und sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und den zwei gemeinsamen Kindern in Nieder-Mörlen.