Nachrichten aus Bad Nauheim

Vom Einkauf der Rohware bis zum Verkauf

Menschen mit Behinderung organisieren Brezelverkauf – Projekt der Behindertenhilfe Wetteraukreis

Vom Einkauf der Rohware bis zum Verkauf | Die Gesundheitsstadt

Brezeln für die Stadtverwaltung: Die Bad Nauheimer Rathausmitarbeiter konnten sich am Mittwochmorgen über das frische, knusprige Gebäck freuen. Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderungen aus der Tagesförderstätte Ockstadt der Behindertenhilfe Wetteraukreis hatten diese hergestellt und im Rathaus zum Verkauf angeboten.

„Um die jeweiligen individuellen Fähigkeiten der dort betreuten Menschen mit geistigen Behinderungen zu fördern und zu stärken, werden regelmäßig Projekte im Sozialraum geplant. Damit ermöglichen wir die Teilhabe am alltäglichen Leben und den sozialen Kontakt außerhalb der Tagesförderstätte. Ein Teil unseres Sozialraum-Projektes ist der Verkauf von Brezeln, für den die beiden Betreuer Melanie Schneider und Andreas Wilhelm verantwortlich sind. Die Idee dafür entstand, als beide Ende 2017 während einer Hospitation bei einem Träger der Lebenshilfe Erfahrungen sammelten“, erklärt die Geschäftsführerin der Behindertenhilfe Wetteraukreis gGmbH Eva Reichert.

Beim Brezelverkaufs-Projekt erlernen die Teilnehmer alle Abläufe: vom Einkaufen der Rohware, das bereits das Bewältigen des Wegs zum Supermarkt und die Auswahl der Produkte einbezieht, über Hygienevorschriften in der Küche, das Bedienen des Backofens, das Verpacken der Ware bis zum Verkauf, der die Fahrt zum Kunden, soziale Gepflogenheiten und das Kassieren einschließt. Alle Schritte, sowohl im Bereich der sozialen Kompetenz als auch im handwerklichen Bereich, wurden umfassend geübt. Die Menschen mit Behinderung sollen dabei aus ihrem geschützten „Raum“ hinaus kommen und auf andere, fremde Personen und ungewohnte Situationen treffen, was für viele eine besondere Herausforderung darstellt.

„Wir freuen uns, dass die Behindertenhilfe Wetteraukreis mit ihrer Idee des Brezelverkaufs direkt an uns herangetreten ist. Eine Aktion, die wir selbstverständlich gerne unterstützen - unsere Mitarbeiter haben sich sehr über den »Frühstücksservice« gefreut. Durch diese sinnvolle Aufgabe erhalten die betreuten Menschen mit Unterstützungsbedarf nicht nur mehr Lebensqualität, sondern auch Abwechslung im Alltag und die Möglichkeit, beim Verkauf zu erleben, wie und wo andere Menschen arbeiten“, betonen Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank.