Sprudelhof

Die ehemalige Kuranlage zählt zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des deutschen Jugendstils.

Das Wahrzeichen der Gesundheitsstadt

Es ist das größte geschlossene Jugendstilensemble Europas und der Bezug zum Wasser als Gesundheit spendende Kraft ist hier allgegenwärtig. Die ehemalige Kuranlage ist ein Gesamtkunstwerk und zeigt eindrucksvoll die Verbindung von Architektur, freier und angewandter Kunst sowie Garten- und Platzgestaltung.

Beim Betreten des Sprudelhofs ist der Besucher fasziniert. Von den oberen Stufen der großen Freitreppe zwischen zwei Torhäusern öffnet sich der Blick auf Bad Nauheims Wahrzeichen. Leuchtend weiße Wände mit in Muschelkalkstein gehauenen Ornamenten laden zu einem Streifzug durch die Badeanlage der Jahrhundertwende ein. Über den Gebäuden ragen große Uhrentürme empor. Im Zentrum befindet sich eine monumentale Beckenfassung mit sprudelnden Fontänen, die von klar gestalteten Arkaden umschlossen ist.

 

Im Sprudelhof spürt der Besucher sogleich die Geschichte Bad Nauheims als Weltbad. Die Kuranlage wurde zwischen 1905 und 1911 im Jugendstil erbaut. Sie beinhaltete sechs Badehäuser mit Wartesälen und insgesamt 265 Badezellen, zwei Verwaltungsgebäude, die eine zum Kurpark offene, hofähnliche Anlage bilden und in deren Zentrum sich noch heute zwei charakteristische Sprudel befinden. Das Besondere am Bad Nauheimer Jugendstil ist, dass alles noch im Original erhalten ist – Wartesäle, Innenhöfe und die Wannen im Badehaus 3 versetzen Besucher in die Zeit um 1900.

 

Auch bei Besichtigung der Innenräume findet sich der in Bad Nauheim besondere Jugendstil wieder, bei dem stets der Bezug zum Wasser als Gesundheit spendende Kraft zu sehen ist. So offenbaren die Badehäuser und Schmuckhöfe ein Kleinod nach dem anderen: Masken aus Keramik, Brunnen aus honigfarbenen Terrakotta, Kohlensäurebläschen, Nixen, Wellenornamente und Seepferdchen.

 

Bedeutende Vertreter der Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe, die sich dem Jugendstil verschrieben haben, übernahmen Anfang des 20. Jahrhunderts den Neubau der Bad Nauheimer Badeanlagen. Der Architekt Wilhelm Jost verlieh dem Sprudelhof seine Gestalt. Viele namhafte Künstler wirkten bei der künstlerischen Ausgestaltung mit – darunter Jakob Julius Scharvogel, Wilhelm Kleukens, Albin Müller und Heinrich Jobst. Dabei schufen sie ein Gesamtkunstwerk, das heute das größte geschlossene Jugendstilensemble Europas darstellt. 

Zahlen & Fakten

0 Jahre


Sechs Jahre dauerte der Bau des Sprudelhofs, von 1905 bis 1911.

 

0 Goldmark


Soviel kostete der Bau, was heute umgerechnet ca. 54 Millionen Euro sind.

0 Heilquellen


Das Heilwasser am Quellenausschank des Sprudelhofs stammt aus einer von neun Heilquellen.

Die Badehäuser im Sprudelhof

Badehaus 2 Die Schwarzlotmalerei der Fenster mit ihren symmetrisch angeordneten Vogelpaaren zieht den Besucher magisch an. Honigfarbene Terrakottareliefs, eingelassen in blau glasierte Keramikklinker, verströmen den Charme einer Märchenwelt. Auf den längsseitigen Frieszonen im Schmuckhof tummeln sich Gestalten aus der Mythologie. Eine bekrönte Meerjungfrau auf der Brunnensäule reitet kokett auf einem Delphin.
Badehaus 3 Blaue und rotbraune Mosaikmuster zaubern in der Wartehalle eine feierliche und zeremonielle Stimmung. Der Schmuckhof mit seinem rechteckigen Wasserbecken erinnert an ein römisches Atriumhaus. Rosenbewachsene Säulen und Pergolen verleihen dem Hof klassizistische Züge. Aus dem Wasserbecken erhebt sich das aus Muschelkalk gefertigte Brünnchen, auf dem ein rundlicher Putto dem Besucher Trauben anbietet.
Badehaus 4 & 5 Die Wände der Wartesäle beider Badehäuser sind mit violett-braunem Lahnmarmor verkleidet, den im Badehaus 5 ein umlaufendes Goldmosaik ziert. Farbige ovale Fenster aus Opaleszenzglas setzen kräftige Akzente. Die abstrakten Ornamente lassen einen Frosch und eine Libelle erahnen. In den Schmuckhöfen vereinen sich Erinnerungen an barocke Grotten und Wassergetier des Jugendstils im Schmuck der Brunnen.
Badehaus 7 Der „Keramische Schmuckhof“ mit umlaufendem Arkadengang erinnert an klösterliche Kreuzgänge. Wassertiere tummeln sich auf Sockeln, Kapitellen, Pflanzkübeln und Bänken. Die Brunnenanlage mit ihrer erotischen Ausstrahlung und mediterranen Leichtigkeit erinnert an die Zeit der Renaissance. Blumenkinder tanzen einen Frühlingsreigen, die Brüste der Nixen versprühen Wasser als Allegorie der Leben spendenden Natur. Die Wartehalle ist ausgekleidet mit Scharffeuerkeramik in den Farbtönen Grau, Braun, Grün und Weiß.
Fürstenbad Das Fürstenbad war aufgrund seiner kostbaren Ausstattung nur dem Hochadel vorbehalten. Zu den prominenten Gästen zählte die russische Zarin Alexandra. Der Heilung Suchende begab sich in das Marmorbad zu Füßen der Göttin Aphrodite, die „Schaumgeborene“ oder auch „Anadyomene“, „die aus dem Wasser Emporsteigende“. Die über ihrem Haupte schwebenden Schlangen sind Hinweis auf Asklepios, Gott der Heilkunst.
Technische Bauten Technik der Jugendstilepoche: Hiervon zeugt die Maschinenzentrale der alten Wäscherei mit Fernheizwerk, Elektrizitätswerk, Eisfabrik und Dampfwaschanstalt.