Nachrichten aus Bad Nauheim

Ein Garten für alle

Hessische Staatsministerin Lucia Puttrich und Erster Kreisbeigeordneter Jan Weckler informieren sich über inklusives „Dreigenerationenprojekt“ in Bad Nauheim

Der erste Bauabschnitt ist mittlerweile abgeschlossen, das inklusive „Dreigenerationenprojekt-…ein Viertel für uns“ ist damit mitten in der Umsetzung. Davon konnten sich kürzlich die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Lucia Puttrich und Erster Kreisbeigeordneter des Wetteraukreises Jan Weckler zusammen mit Bürgermeister Armin Häuser auf dem Areal des Mütter- und Familienzentrums und Mehrgenerationenhauses Bad Nauheim (Müfaz) in der Friedberger Straße ein Bild machen. Ute Latzel, Geschäftsführerin des Müfaz, und Cihad Taskin, Geschäftsführer der DIL Konzepte gGmbH, stellten den Gästen das Vorhaben der Projektpartner Müfaz, Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft (WoBau) und Stadt vor.

„Das inklusive »Dreigenerationenprojekt« möchte das Zusammenleben der Bewohner im Quartier zwischen Friedberger Straße, Blücherstraße, Kurstraße und Schwalheimer Straße – junge und alte Menschen, Menschen mit und ohne Behinderung, Familien, Alleinerziehende oder Alleinstehende – durch inklusive inhaltliche und bauliche Maßnahmen sichtbar und gestaltbar machen. Das Viertel soll «geöffnet» werden, damit sich alle Menschen auf Augenhöhe begegnen können und Anschluss in dem Umfang finden, den sie ganz individuell benötigen“, erklärt Ute Latzel.

Bürgermeister Armin Häuser dazu: „Das Quartier, das neben der bestehenden Seniorenwohnanlage und dem Müfaz auch die Erika-Pitzer-Begegnungsstätte, die Kinderkrippe «Am Südpark» und die Wohnhäuser der Wohnungsbaugesellschaft in der Kurstraße einschließt, eignet sich hervorragend für dieses Vorhaben, da die WoBau Eigentümer fast aller Grundstücke ist. Somit bestehen hier beste Voraussetzungen, um das Projekt auch baulich umzusetzen.“

Konkret soll neben dem barrierefreien Ausbau des Geländes und der Wohnraumanpassung auch ein Mehrgenerationengarten entstehen, der eine räumliche und inhaltliche Verbindung zwischen den Generationen schafft. Hierbei sind auch die Bewohner gefragt, sich mit Wünschen, Ideen und Vorschlägen einzubringen. Diese werden ganz bewusst bei allen Entscheidungen mitgenommen und dort abgeholt, wo sie stehen. Im späteren „Nachbarschaftsgarten“ finden sich neben Freizeitangeboten, die individuell auf die jeweilige Generation zugeschnitten sind, wie Spielbereiche oder Ruheräume, auch so genannte Begegnungsorte. So laden etwa Pflanzbeete Klein und Groß zum gemeinsamen Gärtnern ein.

Im Juni wurde mit dem ersten Bauabschnitt begonnen: der barrierefreien Umgestaltung des Haupteingangs an der Friedberger Straße, damit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Rollatoren problemlos das Areal über den Aufgang erreichen können. Gleichzeitig wurde ein Zaun entfernt, der die Grundstücke von Müfaz und Seniorenwohnanlage trennte und eine ansprechende Pflaster- und Beetflächen hergestellt.

Im nächsten Schritt soll Ende dieses Jahres der Eingang an der Kurstraße barrierefrei umgebaut werden. Der dritte Bauabschnitt im kommenden Jahr wird den Spielbereich, das Herzstück, aufgreifen und diesen so umgestalten, dass er Spielgeräte und -angebote für Kinder aller Altersstufen bereithält. Im Anschluss werden einige Maßnahmen zur barrierefreien Wohnraumanpassung folgen.

„Bad Nauheim bietet jungen Familien, aber auch älteren Generationen eine ausgezeichnete Infrastruktur. Hier leben viele ältere Menschen, dass beweist die hohe Lebensqualität in der Gesundheitsstadt. Mit Entstehen des Mehrgenerationengartens wird diese noch weiter gesteigert. Anhand der Planentwürfe sieht man sehr gut, wie sich über die Jahre hinweg nach und nach die Puzzleteile zu einem inklusiven Gesamtbild zusammenfügen“, lobte die Hessische Staatsministerin Lucia Puttrich.

„Die Projektpartner möchten den inklusiven Quartiersgedanken auch im Rahmen der »Modellregion Inklusion Wetteraukreis« in den kommenden Jahren in und für Bad Nauheim als Pilotprojekt realisieren. Dieser geht dabei weiter als die reine Umsetzung von Baumaßnahmen. Im Hinblick auf den demografischen Wandel und die Veränderung von Familienstrukturen muss ein Umdenken stattfinden. Mit diesem inklusiven Vorhaben bekommen die Bewohner die Möglichkeit, Kontakte zu anderen Generationen auf ganz einfachem Wege zu knüpfen, können dabei aber ihr Umfeld und Gewohntes beibehalten. Es entsteht ein gegenseitiges Geben und Nehmen, aber auf freiwilliger Basis“, betont Erster Kreisbeigeordneter Jan Weckler.

Das Projekt wird dank der großzügigen Unterstützung der Unternehmerin und Bad Nauheimerin Dr. Dr. h.c. Manuela Schmid möglich, die es mit einem Zuschuss von 1 Million Euro fördert. Außerdem wird es finanziell durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und die Willy-Robert-Pitzer Stiftung unterstützt.