Nachrichten aus Bad Nauheim

Professionell bleiben in jeder Situation

Tamara Höpp arbeitet im Bad Nauheimer Bürgerbüro und lernt dabei täglich die unterschiedlichsten Menschen und ihre Geschichten kennen

Professionell bleiben in jeder Situation | Die Gesundheitsstadt

„Der nächste bitte“, schallt es fröhlich durch das Erdgeschoss des Bad Nauheimer Rathauses. Mitarbeiterin Tamara Höpp bittet den nächsten Bürger, vor ihrem Schreibtisch Platz zu nehmen und ihr zu schildern, wie sie ihm weiterhelfen kann. Die 24-Jährige ist eine von insgesamt acht Mitarbeiterinnen im Bürgerbüro der Stadtverwaltung.

Die Nachwuchskraft ist trotz ihres jungen Alters eine erfahrene Mitarbeiterin im Bereich Bürgerservice. Bevor sie im Dezember 2017 die Stelle in der Gesundheitsstadt annahm, war sie im Stadtladen in Bad Homburg im gleichen Aufgabengebiet tätig. „Die Gesetze und Vorschriften im Pass- und Meldewesen sind ja bundesweit gleich, daher profitiert man, wenn man die Materie bereits kennt. Ganz im Gegensatz zu den Menschen - jeder hat seine eigene Geschichte, die manchmal schön und manchmal traurig ist. Oft erfahren wir sie durch den Sachverhalt, manchmal erzählen sie uns die Leute auch einfach so“, erklärt sie. Höpp ist allerdings kein Neuling in der Bad Nauheimer Stadtverwaltung. Sie ist hier sozusagen beruflich „groß geworden“. 2011 begann sie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, die sie 2014 abschloss.

Der Blick hinter die Kulissen…

Wenn sich die Schiebetüren des transparent gestalteten Bürgerbüros um 8 Uhr öffnen - meist warten schon eine Hand voll Bürger -, haben Tamara Höpp und ihre Kolleginnen schon einige Hintergrundarbeiten erledigt. „Ermittlungs- und Pflegearbeiten können wir während des Kundenverkehrs nur teilweise erledigen, da sie oft umfangreicher sind. Dafür nutzen wir die Zeit vor und nach den offiziellen Öffnungszeiten“, sagt Höpp.

Beispielsweise für schriftliche Melderegisteranfragen von Unternehmen, anderen Behörden oder Privatpersonen oder Datenübermittlungen zu Umzug, Geburt, Heirat, Namensänderung und Sterbefall, die abgeglichen werde müssen. „Es gibt neben den klassischen Arbeiten rund um Passangelegenheiten sowie An- und Ummeldungen viele für den Bürger nicht sichtbare Aufgaben. Auch ist bei uns die Infotheke mit Telefonzentrale und Fundbüro angesiedelt und hier gibt es von Busfahrplänen, über Kerbtaler, Müllsäcken oder Sperrmüllformulare die verschiedensten Infos zu städtischen Themen“, so die 24-Jährige.

Zwischen Skurrilität und Anteilnahme

Die Kunden von Tamara Höpp und ihren Kolleginnen könnten unterschiedlicher nicht sein. „Meine jüngste Bürgerin war damals 20 Tage alt und mein ältester Bürger sogar 102 Jahre. Jeder ist anders und ab und zu gibt es die eine oder andere kuriose Geschichte. So musste ich mir beispielsweise einstmals bei einem Bürger wirklich das Lachen verkneifen. Er betrat das Bürgerbüro und steuerte direkt auf meinen Arbeitsplatz zu. Als ich - noch vertieft in meine Arbeit am PC - hochschaute, dachte ich, ich sehe nicht richtig. Der Mann hatte ein Nudelsieb auf dem Kopf. Er erklärte mir, dass er gerne einen neuen Personalausweis beantragen möchte und reichte mir ein Passbild. Er war eindeutig darauf zu erkennen. Genauso wie das Nudelsieb. Ich erklärte ihm sachlich und nüchtern, dass Passbilder mit Hutbedeckungen nicht erlaubt seien. Innerlich musste ich an mich halten, denn auch seine nachfolgende Erläuterung machte es mir nicht leichter: Er gehöre zur Glaubensrichtung des Pastafarianismus mit der Gottheit „Fliegendes Spaghettimonster“. Das Nudelsieb sei dabei für den Strahlenschutz wichtig. Wieder betonte ich, dass ich trotz alledem das Passbild nicht verwenden dürfte. Daraufhin machte er auf dem Absatz kehrt und verließ das Rathaus. Seitdem haben wir ihn nicht wiedergesehen…“, erzählt sie.

Und fährt fort: „Leider erfahren wir auch von sehr traurigen Schicksalen, die nachdenklich machen. Gerade wenn wir Auskunftssperren für Adressen einrichten, sitzen oft Frauen vor uns, die wegen häuslicher Gewalt Schutzmaßnahmen ergreifen müssen. Natürlich fühlt man hier mit.“

Was gefällt?

Auf die Frage, was ihr an ihrer Arbeit besonders gefalle, nennt die Schwalheimerin, die vor einigen Jahren aus Nidda in die Gesundheitsstadt gezogen ist, die Mischung aus direktem Kundenverkehr im Frontoffice, Recherche- und Gesetzesarbeit im Backoffice und den Kontakt zu anderen Behörden, Unternehmen und Institutionen.

Und die Herausforderung?

„Das Bürgerbüro ist Aushängeschild der Verwaltung. Hier bekommt der Bürger einen ersten Eindruck, und der soll gut sein. Können wir einem Anliegen nicht entsprechen, müssen wir umso mehr mit Sympathie punkten“, betont Höpp abschließend.