Nachrichten aus Bad Nauheim

Letzter Teil der Usa wird renaturiert

300 Meter langer Usaabschnitt ab Brücke an der Schwalheimer Straße wird in ursprünglichen Zustand versetzt

Letzter Teil der Usa wird renaturiert | Die Gesundheitsstadt

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Usa von Menschenhand verändert. Auch im Flussabschnitt in Bad Nauheim wurde sie begradigt und befestigt, um eine schnellere Ableitung des Wassers zu erreichen. Oft mit gegenteiliger Wirkung und einer darunter leidenden Gewässerstruktur. Die Böschungen wurden kanalartig vertieft eingegraben und mauerartig befestigt. Fische und Tiere haben sich von dem Gewässer abgewandt, da es an Struktur- und Strömungsvielfalt und damit an einem natürlichen Lebensraum mangelte.

Um den ursprünglichen, naturnahen Zustand wieder annähernd zu erreichen, hat die Stadt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten von der Gemarkungsgrenze Ober-Mörlen bis nach Friedberg an vielen Stellen der Usa kleinere und größere Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt: So wurden die Wehre in der Stiftstraße oder auf Höhe der Commerzbank und der Usaabschnitt in der Zanderstraße auf Höhe des Südparks umgestaltet und auch Retentionsräume geschaffen. 2013 wurde der 1.400 Meter lange Abschnitt ab der Brücke „Am Haingraben“ in Nieder-Mörlen bis zum Steg am Golfplatz umfangreich renaturiert.

„Nun folgt das letzte größere Stück, das damals befestigt wurde. Ab der Brücke auf der Schwalheimer Straße (Gradierbau III) wird ein 300 Meter langes Teilstück in Richtung der Kleingartenanlage am Promenadenweg naturnah umgestaltet. Dabei werden die vorhandenen betonierten Ufersicherungen und Böschungsbereiche aus gemörtelten und naturfernen Wasserbausteinen entfernt und aus regionaltypischem Naturgestein neu gestaltet. Dabei werden wechselnde Böschungsneigungen erzeugt“, erläutert Bürgermeister Klaus Kreß.

Darüber hinaus soll im Rahmen der Möglichkeiten das Gewässer aufgeweitet werden, um einen zusätzlichen Retentionsraum zu schaffen. Fachbereichsleiter Stadtentwicklung Jürgen Patscha dazu: „Dafür wird ein Bodenabtrag durchgeführt, um das Gewässerprofil zu verbreitern. Der auf der rechten Seite der Usa befindliche Fuß- und Radweg (Promenadenweg) bleibt aber in seiner jetzigen Form erhalten. Strukturelemente wie befestigtes Totholz oder Störsteine werden bewusst in die Usa eingebracht, um für Fische wie die Meeresforelle oder die Bachmuschel Nischen zu schaffen.“

Die vorhandene Baumreihe seitlich des Promenadenweges, die Bestandteil der Regionalparkroute ist, wird nach Abschluss der Erdarbeiten ergänzt und gewässerbegleitende Gehölze wie die Weide in Strauchform gepflanzt.

In die Aufwertung der Usa werden 120.000 Euro investiert. Das Hessische Landesprogramm „Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz“ übernimmt 90 Prozent der förderfähigen Kosten.

„Durch die naturnahe Umgestaltung - ganz im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie - können wir die Usa strukturell und damit den ökologischen Zustand verbessern. Der Kanalcharakter wird verschwinden, und wir erhalten ein strukturreiches Gewässerbett mit eigendynamischer Entwicklung. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die fließgewässertypischen Pflanzen- und Tierarten aus“, erklärt der Rathauschef.