Nachrichten aus Bad Nauheim

Gemeinsam kochen, arbeiten, leben und lachen

Bürgermeister Klaus Kreß informiert sich über Wohnkonzept der „Tenne Steinfurth“ im alten Ortskern des Rosendorfes

Gemeinsam kochen, arbeiten, leben und lachen | Die Gesundheitsstadt

Gemeinschaftlich wohnen, zusammen den Haushalt und die Gartenarbeit erledigen, sich gegenseitig helfen oder bei der Kindererziehung unterstützen, dabei gemeinsam die kleinen und großen Freuden des Alltags genießen und einen Lebensstil pflegen, der von einem Bewusstsein für begrenzte Ressourcen getragen wird. So lässt sich in wenigen Worten das alternative Wohnkonzept des Vereins denkmalmit e.V. in der Steinfurther Hauptstraße 18-20 beschreiben. Kürzlich überzeugte sich Bürgermeister Klaus Kreß von der Idee des Mehrgenerationenwohnens bei einem Besuch.

Zwölf Menschen leben derzeit in der „Tenne Steinfurth“. Zwei große Grundstücke mit drei teilweise in Eigenleistung sanierten und vormals baufälligen, historischen Häusern, einer umgebauten Wohnscheune und einem riesigen Garten bieten für jede Bewohnerin und jeden Bewohner einen eigenen Rückzugsort und gleichzeitig viel Platz für gemeinsame Aktivitäten.

„Wir sind eine bunt gemischte Gruppe mit unterschiedlichen Wünschen, Herkünften und Erfahrungen. Gemeinsam gestalten wir unseren Alltag vertrauensvoll und miteinander. Dabei möchten wir gleichzeitig Denkmalpflege und -schutz im alten Ortskern von Steinfurth betreiben“, sagt die Initiatorin des Wohnprojekts Marianne Hofmann, die den Bürgermeister über das Gelände führt.

Hofmann hatte 2003 mit ihren Kindern das sanierungsbedürftige Wohnhaus Steinfurther Hauptstraße 20 bezogen. Nach und nach renovierte sie dieses, und es entstand die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens, für die sie weitere Mitstreiter begeistern konnte.

Gemeinsam mit den neuen Bewohnern wurde das angrenzende, über 300 Jahre alte Haus - wohl eines der ältesten in Steinfurth - vor dem Zerfall bewahrt und als Wohnstätte hergerichtet. Der Verein vergrößerte sich, so dass 2010 mit dem Erhalt und dem Umbau der Scheune begonnen wurde, deren Steine aufgrund des schlechten Zustandes mit bloßen Händen aus den Wänden gedrückt werden konnten. In der vormals in Teilen einsturzgefährdeten Tenne entstanden unterschiedlich große Einzelzimmer, ganze Wohneinheiten und Gemeinschaftsräume. Der dahinter liegende Naturgarten mit Obstbäumen, Gemüse, Wildkräutern und Blumen beherbergt auch Hühner, deren Eier zur Selbstversorgung genutzt werden. Das grüne Refugium, das auch für die Kinder ein kleines Paradies ist, zieht sich bis zur Wetter.

„Es ist das erste Mal, dass ich ein solches Wohnprojekt in »natura« sehe. Ich bin beeindruckt vom Charme dieses Ensembles und wie harmonisch die Bewohner zusammenleben. Hier werden die Herausforderungen des täglichen Lebens gemeinsam bestritten, dabei viel gelacht und sinnvoll Zeit miteinander verbracht. Und dennoch kann sich jeder zurückziehen, wenn er für sich sein möchte. Zudem ein schöner Beitrag, um dem Gebäudeleerstand zu begegnen“, so Kreß.

Hofmann und ihr Verein finanzieren seither die Restaurierung des Gebäudekomplexes selbst und sind daher auf Spenden angewiesen. Dabei wird äußerst ökonomisch vorgegangen: So werden auch Baumaterialien verwendet, die an anderer Stellen nicht mehr benötigt werden oder ausgedient haben. „Derzeit wird neuer Wohnraum im dritten Gebäude, der Steinfurther Hauptstraße 18a, geschaffen, das kürzlich von uns erworben wurde und ebenso marode war. In der unteren Etage entstehen gerade Gästezimmer und in den beiden oberen Stockwerken wird eine vierköpfige Familie einziehen. Auch dieses Haus ist weit über 100 Jahre alt und ein kleines Schmuckstück“, sagt Hofmann.

Der Verein denkmalmit e.V. lädt alle Interessierten ein, das Wohnprojekt im alten Ortskern persönlich kennenzulernen. Weiterhin werden Kooperationspartner gesucht, die mit Spenden oder Baumaterial die Wohnidee unterstützen möchten.

Die Vereinsmitglieder beteiligen sich auch an der Regionalgruppe „Gemeinwohl-Ökonomie Rhein Main“, die für ein neues Wirtschaftsmodell steht, das auf den Werten Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Mitentscheidung aufbaut. Am Steinfurther Rosenfest, das vom 13. bis 15. Juli stattfindet, wird die Regionalgruppe mit einem Stand vertreten sein und freut sich über viele Besucher.