Nachrichten aus Bad Nauheim

Auf Baustellenklänge folgen klassische Töne

Umbau- und Sanierungsarbeiten derzeit in Abbruch- und Rohbauphase – Musikschule kann 2019 einziehen

Auf Baustellenklänge folgen klassische Töne | Die Gesundheitsstadt

Wie sieht es derzeit im ehemaligen Balneologischen Institut aus? Wie weit ist die Sanierung vorangeschritten? Bürgermeister Klaus Kreß überzeugte sich gemeinsam mit Landrat Jan Weckler, städtischem Fachbereichsleiter Jürgen Patscha und dem für das Projekt verantwortlichen Architekten Christian Mölller vor wenigen Tagen vom Fortschritt der Bauarbeiten in den zukünftigen Räumlichkeiten der Musikschule Bad Nauheim am Rand des Sprudelhofs. Die Bildungseinrichtung muss ihre aktuelle Unterkunft in der Rotdornstraße verlassen, um für die Erweiterung der dort ansässigen Außenstelle der Stadtschule an der Wilhelmskirche Platz zu schaffen. Steigende Schülerzahlen in Bad Nauheim sind der Grund dafür.

Begrüßt wurde die Gruppe beim Betreten des Gebäudes von Presslufthammergeräuschen und einem regen Treiben durch die Mitarbeiter des Abbruchunternehmens. Die Räume der ehemaligen Balneologie, die 1929 als wissenschaftliches Institut der Universität Gießen erbaut wurde, sind über drei Geschosse in zwei Flügeln L-förmig angeordnet. 1989 wurde der Komplex in ein Institutsgebäude für klinische Forschungen der Max-Planck-Gesellschaft umgestaltet, bevor es unter anderem von der damaligen Landesgartenschau 2010 GmbH und von privaten Mietern genutzt wurde.

Das denkmalgeschützte Gebäude mit einer Nutzfläche von rund 1.100 Quadratmetern befindet sich derzeit von innen im Rohbauzustand. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden Abbruch-, Entsorgungs- und Schadstoffsanierungsarbeiten durchgeführt. Das ehemalige Institut wurde und wird komplett entkernt, Wände wurden abgebrochen, um genug Platz für die Übungsräume zu schaffen und andere hochgezogen, um nicht benötigte Öffnungen zu verschließen. Durch die vorgesehene Nutzung des Untergeschosses für Proberäume wird eine Trockenlegung und Abdichtung der durchfeuchteten Böden und Wände notwendig.

Die historischen Fenster werden nach ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild aufgearbeitet oder ausgetauscht und das Dach neu gedämmt. Parallel zu den Abbruch- und Rohbauarbeiten werden gerade die Installationsarbeiten für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro vorbereitet. Der letzte Schritt, der Innenausbau, umfasst unter anderem umfangreiche Maßnahmen zu Schallschutz und Akustik.

„Eine von vielen Herausforderungen stellte die erforderliche Ertüchtigung der Geschossdecken über dem Erdgeschoss dar, die aufgrund der statischen Anforderungen nötig wurde. Die neuen, massiven Stahlträger mussten dabei sehr vorsichtig in die vorhandene historische Bausubstanz und zwischen den erhaltenswerten Fenstern eingezogen werden. Kein einfaches Unterfangen, wenn keine Beschädigungen auftreten dürfen“, erklärt Fachbereichsleiter Jürgen Patscha beim Rundgang durch das Haus.

Neben 22 Proberäumen werden auch so genannte Elementarräume geschaffen, die für die frühkindliche Musikerziehung gedacht sind. Die Räume für lautere Instrumente wie Schlagzeuge oder für die Blechbläser werden im Untergeschoss angeordnet, die für die leiseren wie Streicher oder Blockflöten im Obergeschoss. Drei Klavierräume werden im Erdgeschoss Platz finden, zwischen den Verwaltungs- und Elementarräumen. Ein repräsentativer Ensemble- und Konzertsaal mit Bühne und Platz für rund 140 Personen im Obergeschoss ergänzt das Raumprogramm. „Hier war der ehemalige Hörsaal zu finden, das Schmuckstück des repräsentativen Hauses. Er wird nach historischem Vorbild mit seiner edlen Holzvertäfelung rekonstruiert. Bei allen Schritten stehen wir immer in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde“, erklärt Bürgermeister Klaus Kreß.

Die Gesamtkosten für den Umbau und die Sanierung betragen 3,15 Millionen Euro. Die Stadt investiert in das Projekt 2,15 Millionen Euro, der Wetteraukreis als Schulträger leistet - vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kreistag im Oktober - einen Zuschuss von 1 Million Euro im Zusammenhang mit den frei werdenden Räumlichkeiten am Schulstandort in der Rotdornstraße.

Landrat Jan Weckler ist vom Projekt überzeugt: „Hier profitieren Stadt und Kreis gleichermaßen. Die steigenden Schülerzahlen in Bad Nauheim werden über die Erweiterung der Räumlichkeiten in der Außenstelle „Rotdornstraße“ der Stadtschule gut aufgefangen. Eltern und Kinder haben Verlässlichkeit über den Schulstandort, längere Übergangszeiten mit Auslagerungen von Bad Nauheimer Schülerinnen und Schülern an andere Standorte können vermieden werden. Und schließlich gewinnt auch die Bad Nauheimer Musikschule durch künftig sehr repräsentative Räumlichkeiten in historischem Ambiente.“

„Bei der Begehung des Rohbaus kann man bereits jetzt die Strukturen der späteren Übungsräume erkennen und sich vorstellen, wie hier einmal wunderbare Melodien erklingen werden. Der erforderliche Umbau des Balneologischen Instituts bringt mehrere Vorteile mit sich: Wir schaffen nicht nur die benötigte neue Unterkunft für die Musikschule, wir erhalten gleichzeitig das denkmalgeschützte Gebäude nachhaltig und bringen dort eine dem ursprünglichen Zweck des Instituts entsprechende Bildungseinrichtung unter. Es ist mir ein besonderes Anliegen, dieses Kulturgut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt der Bad Nauheimer Rathauschef.