Gustav Oberlaender (1867-1936)

Der Deutsch-Amerikaner Gustav Oberlaender zählte zwischen 1920 und 1936 regelmäßig zu den Kurgästen Bad Nauheims. Der „Strumpfkönig“ und Multimillionär legte die Sorge um seine Gesundheit in die Hände des einheimischen Arztes Prof. Dr. Franz M. Groedel. Der international bekannte Herzspezialist und Balneologe führte eine Winterpraxis in New York, warb dort für die Heilquellen und brachte so viele namhafte amerikanische Patienten nach Bad Nauheim.

Gustav Oberlaender hatte den klassischen Weg des „American way of Live“ eingeschlagen und war als 20jähriger aus seiner rheinischen Heimat nach Amerika ausgewandert. Über zahlreiche Aushilfsberufe brachte er es schließlich bis zum Großunternehmer. Der „Strumpfkönig“ aus Reading (Pennsylvania) galt zeitweise als der weltgrößte Hersteller für seidene Damenstrümpfe. Oberlaender konnte die Zeit des Booms für diesen Artikel perfekt nutzen und verdiente Millionen. Nach eigenen Worten holte er „den Damen das Geld aus der Tasche“ und entwickelte neben einer genialen Geschäftsstrategie eine schier unzerreißbare Seidenfaser, die ihn zum Marktführer machte. Sein Erfolgsrezept begründete sich auf Fleiß, tüchtige Arbeitsleistung, Offenheit und Ausdauer, Intelligenz... und ein bisschen Glück! Mitte der zwanziger Jahre verkaufte er jedoch die gesamte Produktion um sich von da an nur noch seinen Hobbys zu widmen.
Neben ausgedehnten Reisen, darunter drei Weltreisen, war es die Vergangenheit seiner deutschen Heimat der sein vorrangiges Interesse galt. Auf die Ausgrabung und Erforschung römischer Bauwerke, sowie die Pflege des Deutschtums im Ausland legte Oberlaender sein besonderes Augenmerk. An die Universität in Heidelberg und das Archäologische Institut in Berlin flossen Dollarmillionen. Der alten Reichsstadt Frankfurt am Main und der hessischen Gemütlichkeit brachte der rührige Mäzen große Sympathie entgegen. Das Goethehaus unterstützte er durch Bilderschenkungen und namhafte Zuwendungen. Ebenso das Frobenius-Institut bei seinen Forschungen zur Völkerkunde und die Carl-Schurz-Gesellschaft.

Die alte Liebe und Verbundenheit zu seiner Heimat führte 1931 zur Gründung des „Oberlaender-Trusts“ einer Treuhandgesellschaft zur Pflege und Herstellung besserer deutsch-amerikanischer Beziehungen. Das Grundkapital betrug 1 Million Dollar und musste im Verlauf von 25 Jahren aufgebraucht sein. Dem Wunsch des Stifters folgend, sollte das Projekt junge gebildete Amerikaner nach Deutschland bringen, damit sie alles kennen lernen, worin die alte Welt noch einen Vorsprung vor der Neuen hatte.
Zum Programm gehörten vor allem Besuche in alten Kulturstädten darunter auch das von Oberlaender sehr geschätzte Frankfurt, um drüben von der Macht der alten Kultur berichten zu können. Für sein Engagement erhielt der Kunstfreund und Gönner zahlreiche Ehrungen, darunter die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg und die Goethe-Medaille. 1932 führt ihn eine Reise in die Türkei. Bei Ausgrabungen mit dem Archäologen Theodor Wiegand faszinieren ihn besonders die Funde des „Kerameikos“, dem bedeutendsten Friedhof der antiken Stadt Athen. Von Oberlaender kamen Stiftungsgelder für einen Museumsbau der 1937 errichtet wird.

Der Deutsch-Amerikaner war auch ein technisch interessierter wagemutiger Mensch den die immer schneller und komfortabler werdenden Reisemöglichkeiten faszinierten. Er schätzte dabei besonders die deutsche Leistungsfähigkeit und Erfindungsgabe. In einem Interview bei seinem letzten Aufenthalt in Bad Nauheim und Frankfurt 1936, berichtete er von seiner Anreise mit der Queen Mary die auf ihrer Jungfernfahrt in vier Tagen und 14 Stunden ihr Fahrziel erreicht hatte. Die Rückreise trat er mit dem legendären Zeppelin „Hindenburg“ an, der in Frankfurt startete und ihn nach New York zurück brachte.
In Bad Nauheim fühlte er sich sehr wohl, nach eigenem Bekunden deshalb, weil hier der wichtigste Faktor für die Erholung eines Amerikaners gegeben sei, „dass man ihn telefonisch nicht erreichen könne!“

Der Limesturm auf dem Gaulskopf

Entlang des römischen Grenzwalls Limes, der in den nahen Taunuswäldern durch das Wintersteingebiet verläuft, findet man am Gaulskopf einen rekonstruierten steinernen Wachturm (sog. „Burgus“) dessen Wiederaufbau Gustav Oberlaender in den Jahren 1923 bis 1926 finanziert hat.
Angeregt durch einen Vortrag des damaligen Denkmalpflegers Prof. Paul Helmke, stellte Oberlaender zunächst finanziell sicher, dass die Mauerreste des alten Wachturmes archäologisch erforscht werden konnten. Das anschließende Vorhaben einen möglichst detailgetreuen Nachbau entstehen zu lassen, drohte durch die Inflation 1923 zu scheitern. Der mit einem Grundriss von 8x8m und einer Höhe von rund 16m auffällig große Steinturm, war auf halber Höhe errichtet, als der Bau infolge der Geldentwertung ins Stocken geriet Doch der Förderer der Archäologie stiftete noch einmal 8000 Reichsmark. Damit konnte der Bau zum Abschluss gebracht werden. Die Einweihung erfolgte im September 1926. Noch heute erinnert eine Gedenktafel mit lateinischem Text, die in Form eines steinernen Türsturzes den Turmeingang bekrönt, an die hochherzige Spende Oberlaenders der sich damit in unmittelbarer Nähe Bad Nauheims ein bleibendes Denkmal geschaffen hat.

© Brigitte Faatz