Franklin D. Roosevelt (1882-1945)

Der junge Franklin begleitete seine Eltern James und Sara Roosevelt in den Jahren 1891 bis 1896 zu mehreren Kuraufenthalten nach Bad Nauheim. Während des ersten Aufenthaltes besuchte der Neunjährige für etwa sechs Wochen die städtische Volksschule, die sich von 1869 bis 1902 im späteren Rathausgebäude, Friedrichstraße 3, befand.

Seine Eindrücke vom Leben in der Kurstadt schildert der Junge ausführlich in einem Brief an die Familie:
„ Wir sind nun in Bad Nauheim in Deutschland. Es ist hier wunderschön und auf diesem Briefbogen ist ein Bild des „Großen Teiches“ zu sehen, auf dem wir rudern und Papa hat mir ein großes Segelschiff besorgt und ich lasse es jeden Tag segeln. Ich schicke Euch eine Zeichnung von dem Boot. Sagt doch bitte Tante Kassie, dass ich ihr ein kleines Buch zeichne mit Skizzen von Bad Nauheim und anderen Orten, die wir aufsuchen. Ich habe auch einen wunderschönen Pfeil und Bogen und schieße damit im Park. Jetzt regnet es. Ich besuche die Volksschule mit vielen kleinen Kameraden und wir haben deutsches Lesen, deutsches Diktat, die Geschichte von Siegfried und Rechnen, wo ich bis 14x71 gekommen bin und ich habe alles sehr gerne. Viele Grüße an Großvater und Großmutter und sagt ihnen, ich wünschte, sie wären hier. Auf Wiedersehen, Euer Franklin D. R.“

Als Roosevelt 1933 zum U.S.-Präsidenten ernannt wird, erinnern sich einige Bad Nauheimer an ihren ehemaligen Schulkameraden, den sie einfach „Franz“ riefen. Gemeinsam mit Lehrer Christian Bommersheim lassen sie ein Gruppenfoto im Sprudelhof anfertigen, das zusammen mit Ansichten von Bad Nauheim in einem ledergebundenen Album und einem Glückwunschschreiben der Kurdirektion an Roosevelt übersandt wird. Das Bild wird einige Wochen später mit einem ausführlichen Bericht, der an die deutsche Schulzeit erinnert in der Zeitung „The New York Herald“ veröffentlicht. Mehrere Klassenkameraden erhalten eine Ausgabe.
Im Gespräch mit einem deutschen Journalisten erinnert sich der Präsident an seine Zeit in Deutschland und Europa, verblüfft den Reporter mit guten Deutschkenntnissen und erwähnt auch seinen Schulbesuch in Bad Nauheim.

Seit 1999 erinnert eine Gedenktafel am heutigen Verwaltungsgebäude Friedrichstr. 3 an den berühmten Gast.

Im Jahr 2010 erhielt eine Straße der ehemaligen amerikanischen Wohnsiedlung den Namen "Roosevelt Avenue".

© Brigitte Faatz