Geschichte der Stadt

Die Bedeutung Bad Nauheims ist in den Solquellen begründet, die am Fuße des Johannisbergs zutage treten. Ihre Nutzung lässt sich bis in das 5. vorchristliche Jahrhundert zurück verfolgen, als keltische Salzsieder an der Usa siedelten.

Fränkische Siedler gründen um 900 n. Chr. das Dörfchen Niwiheim, ein Söderdorf. Auch sie leben von der Salzgewinnung, die in der Römerzeit nicht weitergeführt worden war. Während des Mittelalters betreibt eine Söderzunft die Salzgewinnung. Nauheim wäre sicher ein kleines Städtchen mit bäuerlicher Struktur geblieben, hätte man nicht die heilende Wirkung der salzigen Quellen entdeckt.

Wappen der Stadt Bad Nauheim

Das Bad Nauheimer Stadtwappen

In dem durch einen Balken von 9 silbernen Salzkristallen geteilten Schild, oben in Blau ein wachsender, golden gekrönter und golden bewerter, fünfmal von Silber und Rot geteilter Löwe; Unten in Schwarz ein silberner Sprudel über silbernem Becken.

19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschicken die Bad Nauheimer Sole zur Behandlung Kranker nach Wilhelmsbad und Hanau. Im benachbarten Friedberg nutzen bereits zwei Ärzte die heilende Wirkung des salzigen Wassers.

Mit der Gründung der "Ersten Solbadeanstalt zu Nauheim" beginnt der Aufstieg zum Heilbad. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen neue Badehäuser und immer mehr Unterkünfte für die Kurgäste. Dank des 1846 hervorgebrochenen Großen Sprudels und des kurze Zeit später erbohrten Friedrich-Wilhelm-Sprudels hat man genug Quellwasser für die Behandlung der zahlreichen Badegäste.

1854

1854 erhält Nauheim Stadtrecht. Eine Spielbank etabliert sich, sie finanziert den Bau des Kurhauses und die Anlage des Kurparks, wird allerdings 1872 bereits wieder geschlossen.

1869

1869 erhält Nauheim die Bezeichnung "Bad". In den folgenden Jahrzehnten erlebt das Bad seine erste Blütezeit.

1900

Um 1900 setzte ein regelrechter Bauboom in Bad Nauheim ein.
Angezogen durch die medizinischen Erfolge der Bade- und Trinkkur kommen immer mehr Gäste nach Bad Nauheim, darunter auch Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi), Zarin Alexandra Feodorowna von Russland und die Deutsche Kaiserin Auguste Viktoria.

20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts reichen die bestehenden Badeanlagen für die wachsende Zahl der Kurgäste nicht mehr aus. Auf Veranlassung von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein entstehen neue Bade- und Kuranlagen im Jugendstil. Die Zahl der Kurgäste steigt auf mehr als 35.000 im Jahr, darunter viele Russen und Amerikaner.

Doch auch den weniger begüteten Menschen kann ein Kuraufenthalt ermöglicht werden. Die erste soziale Einrichtung entsteht bereits 1898 durch die Stiftung von Francis Theodora Konitzky. In der Folge wandelt sich das Kurhospital von bescheidenen Anfängen zu einer vielbeachteten Institution.

1929

1929 wird auch die neue Synagoge in der Karlstraße eingeweiht. Sie ist eine von drei Synagogen in Deutschland, die in der Reichspogromnacht 1938 weitestgehend unzerstört bleibt. Im März 1945 findet hier wieder ein erste Gottesdienst statt.

1931

Daneben etablieren sich in der Stadt medizinische Forschungseinrichtungen. Professor Dr. Franz Groedel verdankt Bad Nauheim in den Jahren 1929 - 1931 die Stiftung des William G. Kerckhoff-Instituts für Herz- und Kreislaufforschung. Groedel wird ärztlicher Direktor auf Lebenszeit. Als er 1933 zur Emigration gezwungen wird, leitet er das Institut von New York aus, bis es 1951 nach seinem Tod von der Max-Planck-Gesellschaft übernommen wird.

1949

Bad Nauheim wird schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zur Lazarettstadt. Durch die Beschlagnahmung der großen Hotels und Sanatorien kommt der Kurbetrieb nach und nach zum Erliegen. Nach Kriegsende werden zahlreiche Privathäuser und Hotelpensionen von den amerikanischen Besatzern beschlagnahmt. 1949 beginnt der Kurbetrieb wieder und 1952 kann Bad Nauheim schon 20.000 Kurgäste zählen.

1955

Seit Mitte der fünfziger Jahre etablieren sich in Bad Nauheim zunehmend Kurheime der Versicherungsanstalten des Landes und Bundes. Durch die offenen Kuren der Krankenkassen erlebt Bad Nauheim einen neuen Aufschwung als Sozialbad. Zur Sicherung des Kurbetriebs siedeln sich immer mehr Fachkliniken für Herz- Kreislauferkrankungen an und bescheren dem Herzheilbad eine zweite Blütezeit. 1975 kommen über 60.000 Kurgäste nach Bad Nauheim. Das Kurhaus entwickelt sich zu einem bedeutenden Tagungs- und Kongresszentrum.

1972

1972 werden im Zuge der hessischen Gebietsreform Nieder-Mörlen, Schwalheim, Rödgen, Wisselsheim und Steinfurth eingemeindet. Bad Nauheim ist nun die größte Stadt des Wetteraukreises.

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