Über das Programm "Papilio"

Ein Programm zur Vorbeugung gegen die Entwicklung von Sucht- und Gewaltverhalten für Kindergärten.

Die sogenannte Baby-Pisa-Studie hat vor kurzem auch für Kritik an Kindergärten in Deutschland gesorgt. Das Programm Papilio wirkt wie eine Reaktion darauf. Was ist Papilio?

Papilio ist ein Programm zur Vorbeugung gegen die Entwicklung von Sucht- und Gewaltverhalten und wurde speziell für Kindergärten entwickelt. Kinder lernen spielerisch den Umgang mit ihren Gefühlen und den Gefühlen anderer, sie lernen soziale Regeln und das gewaltfreie Lösen von Konflikten. Insgesamt fördert das die sozial-emotionale Kompetenz und gibt den Kindern ein Rüstzeug mit auf den Lebensweg, das sie später stabiler gegen die Entwicklung von Sucht- und Gewaltverhalten macht.

Im Rahmen von Papilio werden im Kindergarten drei Maßnahmen für die Kinder eingeführt:

Drei kindorientierte Maßnahmen

Mit „Paula und die Kistenkobolde“ lernen die Kinder die grundlegenden Gefühle Trauer, Zorn, Angst und Freude kennen – personifiziert in Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold. Sie lernen, über ihre eigenen Gefühle zu sprechen und auf die Gefühlslage anderer Kinder einzugehen. Die Geschichte wurde auch von der Augsburger Puppenkiste inszeniert und steht als Hörspiel zur Verfügung.

Zweite kindorientierte Maßnahme ist der Spielzeug-macht-Ferien-Tag. Die Kinder lernen dabei, sich mit sich selbst und den anderen Kindern zu beschäftigen und ohne vorgegebene Mittel kreativ zu spielen.

In der dritten Maßnahme, dem Meins-deinsdeins-unser-Spiel, lernen Kinder in der Gruppe spielerisch den Umgang mit sozialen Regeln. Im Vordergrund steht dabei die gegenseitige Unterstützung beim Einhalten der mit den Kindern gemeinsam vereinbarten Regeln. Die erfolgreichste Gruppe darf sich am Ende etwas wünschen, was aber allen Kindern zugutekommt, zum Beispiel: eine bestimmte Geschichte vorlesen oder gemeinsam Obstsalat zubereiten.

Im Alltag integriert

Im Gegensatz zu vielen anderen Programmen ist Papilio nicht zeitlich befristet, sondern die Maßnahmen werden nach und nach eingeführt und sind dann alltäglicher Bestandteil der Kindergartenarbeit. Dass das funktioniert, hat ein Modellprojekt mit begleitender wissenschaftlicher Forschung im Raum Augsburg bewiesen.

Erzieherin und Erzieher als Multiplikatoren

Eine weitere Besonderheit ist, dass Papilio nicht mit externen Spezialisten arbeitet, die im Kindergarten eine Aktion durchführen, sondern die Erzieherinnen und Erzieher als zentrale Vermittlungsperson nutzt. Erzieherinnen und Erzieher sind für die Kinder wichtige Bezugspersonen. Sie kennen die Situation vor Ort, die individuellen Besonderheiten, und sie haben den Kontakt zu den Eltern.

Papilio startet deshalb immer mit einer Fortbildung für Erzieherinnen und Erzieher. Dabei werden zunächst die neuesten Erkenntnisse zu Sucht, Gewalt und Vorbeugung vermittelt. Dann lernen die Erzieherinnen und Erzieher, wie sie die Papilio-Maßnahmen im Kindergarten einführen und die Eltern einbeziehen. Weiterer wichtiger Bestandteil der Fortbildung ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Erziehungsverhalten in der direkten Interaktion mit dem Kind und der Gruppe.

Drei Ebenen: Erzieherinnen und Erzieher – Kind – Eltern

Das zeigt eine weitere Besonderheit von Papilio: Es ist ein Drei-Ebenen-Modell, das heißt, es setzt bei Kindern, Eltern und Erzieherinnen und Erziehern gleichzeitig an. Auf der Ebene der Erzieherinnen und Erzieher geht es darum, dass sie ihr entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten reflektieren, bei Bedarf einer Korrektur unterwerfen und im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen weiterentwickeln. Über die Fortbildung hinaus können sich Erzieherinnen und Erzieher bei Fragen jederzeit fachlichen Rat (Supervision) bei Papilio-Experten holen. Den Eltern werden die Inhalte und Ziele der Papilio-Maßnahmen vermittelt, damit sie auf Rückmeldungen der Kinder eingehen können. Papilio bietet zudem die Möglichkeit, dass sich Eltern im entwicklungsfördernden Erziehungsverhalten weiterbilden oder die Geschichte „Paula und die Kistenkobolde“ zuhause hören, vorlesen und pädagogisch nutzen.

Weitere Informationen im Internet: