Erinnerungsmale und Kunstobjekte am Wegesrand

„Zum Eisernen Kanzler“

An der Nordseite des Hauses Parkstraße Nr. 4 wurde eine Gedenktafel zu Ehren des Reichskanzlers Otto von Bismarck mit folgender Inschrift angebracht:
„Fürst Bismarck wohnte hier 1859 als Kurgast. An seinem 80. Geburtstag - 1. April 1895 - gestiftet von seinen Verehrern in Bad Nauheim“
Schon während seiner Zeit als preußischer Gesandter am Deutschen Bundestag in Frankfurt am Main soll Freiherr Otto von Bismarck-Schönhausen die hiesige Gegend besucht haben. Nach seiner Versetzung in die russische Hauptstadt St. Petersburg im Juni 1859 litt er nach einem Jagdunfall, den er sich zwei Jahre vorher zugezogen hatte, stark unter Rheumatismus. Als aber die Schmerzen schlimmer wurden, wollte ihm ein Chirurg durch Amputation seines linken Beins Erleichterung verschaffen. Zurück nach Frankfurt bzw. Wiesbaden, wo ihm nicht geholfen werden konnte, schickte ihn, wie seine Frau schrieb, sein Frankfurter Hausarzt „sogleich nach Nauheim, wo es schon nach drei Tagen besser ging.“ Dies war der Behandlung durch Professor Dr. Beneke zuzuschreiben. So wurde eine Amputation vermieden.

Vom 22. - 25. August logierte Bismarck mit Frau und Diener im Hotel de l’Europe an der Ecke Kurstraße / Stresemannstraße (früher Fürstenstraße), danach bis 7. September 1859 im Haus Parkstraße Nr. 4 bei Uhrmacher Martin Hartmann. Dort bewohnte er im 1. Stock ein Zimmer über dem Laden, das Hofzimmer und den ebenfalls der Straße zugewandten Salon.

Am 7. September reiste er zurück nach Berlin und nahm im Oktober seine Arbeit wieder auf, wie er selbst in „Gedanken und Erinnerungen“ berichtete. Allerdings schonte er sich anschließend nicht genügend wegen seiner Reisen nach Baden-Baden, Warschau und Breslau, so dass es zu mehreren Rückfällen kam. Erst Anfang Juni 1860 konnte er von Berlin auf seinen Posten nach Petersburg zurückkehren.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erinnerte sich Bismarck an die heilsame Wirkung der Nauheimer Bäder. Sein Sohn Herbert war nämlich in den Schlachten bei Metz schwer verwundet worden. Vater Bismarck sorgte dafür, dass der verletzte Sohn vom 26. August bis 11. Oktober 1870 im Haus Schuckhardt am Aliceplatz von seiner Mutter gepflegt wurde, die ohnehin in Bad Nauheim hatte kuren wollen.

Otto von Bismarck kam noch einmal nach seiner Demission mit Bad Nauheim in Berührung: Am 6. September 1890 hielt sein Zug nur wenige Minuten im Bahnhof der Badestadt. Dazu berichtete der Oberhessische Anzeiger am 9.9.1890: „Als der Zug einfuhr, wollte das Hochrufen kein Ende nehmen; man drängte sich an den Wagen, an dessen Fenster Bismarck mit der langen Pfeife stand; beide Hände reichte er heraus, um sie den ihn so stürmisch begrüßenden Verehrern zu reichen. Alles war von der Liebenswürdigkeit des Fürsten entzückt.“

Nach der Aufstockung des Hauses in der Parkstraße 4 wurde die neugestaltete Fassade reichlich mit Elementen des Jugendstils verziert und auf Anregung von Uhrmacher Hartmann am 1. April 1895 die schwarze Gedenktafel angebracht. Am durchgehenden Balkon des 1. Obergeschosses steht die Inschrift „ZUM EISERNEN KANZLER“, dahinter an der Wand befindet sich die Tafel mit vergoldeter Schrift, am mittleren Balkon im 2.Obergeschoss ist ein Bismarck-Kopf angedeutet; in dem aufgesetzten Dreieck vor dem Dachgeschoss ist über dem Fenster die Inschrift AD 01 (Anno Domini 1901) zu lesen; auf der Spitze des Dreiecks ist ein vergoldeter Adler platziert, dessen Kopf in Richtung der Reichshauptstadt Berlin gewendet sein soll.


Zusammengestellt von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte Bad Nauheim
mit Unterstützung der Stadtarchivarin Frau Brigitte Faatz

Foto: Nici Merz (Wetterauer Zeitung)