Erinnerungsmale und Kunstobjekte am Wegesrand

„Friedenseiche“

An der Südseite der Auguste-Viktoria-Straße neben der Johanneskirche.
Die Eiche wurde am 13. Oktober 1913 beim Ziel eines Festzuges anlässlich der 100. Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig gepflanzt. - Die Völkerschlacht vom 16 bis 19. Oktober 1813 war die entscheidende Schlacht der Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-15) und eine der größten Schlachten der Weltgeschichte überhaupt, mit etwa 600.000 beteiligten Soldaten. Napoleons Niederlage im Kampf gegen die verbündeten Heere der Preußen, Österreicher, Russen und Schweden beendete dessen mehrjährige Herrschaft über Deutschland. Vornehmlich bis zum Ersten Weltkrieg wurde der 18. Oktober in Deutschland weithin als ein Datum nationalen Gedenkens gefeiert.
Den bemerkenswerten Abschluss des Gedenktages in Bad Nauheim bildete das Feuer auf dem Johannisberg mit der Rede des Reformpädagogen, Politikers und späteren Philosophieprofessors Dr. Reinhard Strecker (1876-1951), von 1905 bis 1917 Oberlehrer an der Ernst-Ludwig-Schule. In seiner Rede hob er die Ereignisse von 1813 als Erwachen eines neuen freiheitlichen Geistes im Volk mit der Landwehr und dem Bauernsohn Scharnhorst hervor. In diesen Bad Nauheimer Jahren war Strecker sowohl kommunalpolitisch (Freisinnige Volkspartei) als auch in besonderem Maße kulturell und vorrangig in der Volks- und Erwachsenenbildung tätig ( u.a. Gründung des Volksbildungsvereins und des Geschichts- und Heimatvereins).
Nach dem 1. Weltkrieg war er u.a. Mitglied des Reichsrates (Ausarbeitung der Weimarer Verfassung) und des Landtages, von 1919 bis 1921 erster Kultusminister des Volksstaates Hessen (Titel: „Präsident des Hessischen Landesamtes für das Bildungswesen“), nach 1933 aus Ämtern und Ehrenämtern entlassen und im Widerstand gegen Hitler aktiv, nach dem 2. Weltkrieg Honorarprofessor an der Universität und Leiter der Volkshochschule Gießen sowie Angehöriger der Leitenden Gruppe des „Nauheimer Kreises“ um Paul Noack, was wegen seines Eintretens für ein neutrales Gesamtdeutschland zu seinem Ausschluss aus der SPD führte, der er 1921 beigetreten war.


Zusammengestellt von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte Bad Nauheim
mit Unterstützung der Stadtarchivarin Frau Brigitte Faatz

Foto: Nici Merz (Wetterauer Zeitung)