Erinnerungsmale und Kunstobjekte am Wegesrand

Drehobjekt: Wasser-Raum-Objekt

Auf dem Außengelände der Ernst-Ludwig-Schule Am Solgraben 8.
Hier befinden sich zwei Kunstobjekte des bekannten Bad Nauheimer Architekten und Künstlers Johannes Peter Hölzinger aus dem Jahr 1986, der als einer der konsequentesten und eigenwilligsten Entwerfer seiner Generation gilt und in seiner Arbeit eine über den reinen architektonischen Entwurf hinausgehende interdisziplinäre Erweiterung angestrebt hat. Bedeutsam ist hierbei, dass er mit dem wichtigen Zero-Künstler Hermann Goepfert von 1965 bis zu dessen Tod 1982 eine Planungsgemeinschaft eingegangen war, die als das wohl „hervorragendste, kompetenteste, weitgehendste Beispiel integrierter Zusammenarbeit von Künstler und Architekt bei der Lösung der Umweltgestaltung in Deutschland“ (Jürgen Morschel) bezeichnet wird.

Bei den beiden Kunstobjekten handelt es sich um:
das Drehobjekt auf dem Eingangsplatz vor dem Schulgebäude und das Wasser-Raum-Objekt in der Südwand des Forums zur Kaufmännischen Schule, die „Anfang und Ende und wie diese sich bedingenden Pole Sinnbild für die lebens- und welterhaltende Dualität“ sind und die „innere Gestalt der Zeit“ visualisieren sollen, so Hölzinger.

Beide Objekte sind bezogen auf die Bedingungen des Ortes und reagieren auf seine Besonderheiten: Sie sollen dabei die thematisch übergeordneten Strukturen der Epoche sichtbar machen, was Hölzinger als Aufgabe der Kunst im öffentlichen Raum betrachtet. Neben der Bewegung sei beispielsweise der Raum ein „übergeordnetes Thema unserer Zeit, welcher heute in einem erweiterten Raumbegriff die Erfahrung der Endlosigkeit einbezieht.“ Dies könne geschehen, „indem das oder die Elemente oder die Funktionen des Ortes enthüllt werden ..., oder indem das Objekt, beziehungsweise die Installation den Ort neu definiert.“

Das Objekt vor dem Schulgebäude besteht aus zwei drehbaren Tafeln aus eloxiertem Stahlblech von jeweils 10 Zentimeter Dicke, 6 Meter Höhe und 1,50 Meter Breite, deren Objektfeld aus 4 Gruppen mit je 4 verspiegelten Edelstahlelementen besteht und die einen kinetischen Antrieb besitzen. Diese sind als durchgehbares „Tor“ zum Gymnasium und gleichzeitig als Mittelpunkt des gesamten, von den Objekten gespiegelten Umraums konzipiert. Sich drehend, spiegeln sie wechselweise den Außenbereich, die Stadt und das Gymnasium ineinander. Dadurch wird „der umgebende Raum mit seinen unterschiedlichen Erscheinungen sozusagen in einem Bild zusammengefasst und durch Brüche und Bewegungen zu einem irritierenden visuellen Material verfremdet.“ Durch Gegenspiegelung werden dabei Endlosräume erzeugt, die zum „'Lernort` für optische Erfahrungen“ werden.

In der Südwand des Forums der Ernst-Ludwig-Schule - zugleich Nordwand der Kaufmännischen Schule -, die quasi als Spiegel des ELS-Gebäudes mit roten Klinkersteinen verkleidet ist - befindet sich das Wasser-Raum-Objekt, das die gesamte Höhe dieser Fläche einnimmt. Johannes Peter Hölzinger bezeichnet dieses Objekt als „End- und Zielpunkt der Sicht- und Erlebnisachse aus der Halle über den Mehrzweckraum des Hauptgebäudes zum Forum“. Es ist wie das Drehobjekt aus eloxiertem Stahlblech und besteht aus einem Spiegelelement in Dreierkomposition: Aus der Wand klappen zwei Wandteile unter 45 Grad auf und rahmen eine Wasserbahn. Diese zwei verspiegelten Innenseiten der aufgeklappten Wandteile spiegeln sich in der verspiegelten Wasserbahn, die dazwischen liegt, und lassen „einen orthogonalen Scheinraum“ entstehen, in dem dann mit, aber auch ohne herabfließendes Wasser eine mehrfach gebrochene Illusion erzeugt wird: Es kommt dabei zu einem räumlich visuellen Dialog mit dem Gebäude der Ernst-Ludwig-Schule. 


Zusammengestellt von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte Bad Nauheim
mit Unterstützung der Stadtarchivarin Frau Brigitte Faatz

Foto: Nici Merz (Wetterauer Zeitung)