Ein Baum mit besonderen Früchten

Ein Baum mit besonderen Früchten

Der Schuhbaum in Nieder-Mörlen ist ein echtes Unikum.


Auf den ersten Blick kann man nicht sehen, was sich da oben in der Baumkrone befindet, die gerade voller Blätter ist. Auf den zweiten Blick aber sieht man sie in luftiger Höhe hängen: Viele Schuhe, genauer gesagt Sneakers, baumeln an den Ästen der Kastanie, die auf dem Freizeitgelände Erbwiese gegenüber der Skaterampe steht.

Die Sportschuhe haben ihre besten Zeiten allerdings schon lange hinter sich: Sie haben Löcher, teilweise abgelöste Sohlen, sind ausgelatscht und abgenutzt. Wie kamen die Schuhe auf den Baum? Ein Skater hat uns verraten, dass vor rund fünf Jahren alles anfing. Eines Tages hätte jemand seine abgetragenen Sneakers einfach hochgeschmissen und die zusammengebundenen Schürsenkel verfingen sich in den Ästen. Dann brachte irgendwer einen ganzen Sack alter Skateschuhe mit, womit der Baum geschmückt wurde. Ob die hängenden Schuhe eine tiefergehende Bedeutung haben, wusste der Skater nicht.

So einen Schuhbaum gibt es allerdings nicht nur auf dem Freizeitgelände Erbwiese in Nieder-Mörlen. Weitere Exemplare dieser Art stehen beispielsweise im benachbarten Friedberg an der Skate-Anlage am Burgfeld sowie in Düren und Euskirchen. Auch in Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg findet man sie.

„Shoefiti“ – eine Kunstform?

Recherchiert man im Internet, stößt man auf den Begriff „Shoefiti“. Auf Wikipedia steht dazu: „Der Begriff Shoefiti (von engl. shoe – Schuh und graffiti – Graffiti) benennt innerhalb der Straßenkunst ein weltweit zu beobachtendes Phänomen, dass Paare von Schuhen zusammengebunden über Äste, Leinen, Kabel oder dergleichen geworfen werden.“ Etwa seit den 1990er-Jahren gibt es dieses Phänomen in den Vereinigten Staaten von Amerika oder (da scheiden sich die Geister) sogar noch länger in Schottland. Es gibt verschiedene Theorien, was die baumelnden Schuhe zu bedeuten haben, zum Beispiel

  • Durch das Wegwerfen der Schuhe – manches Mal werden sie vorher mit Wünschen beschriftet – wirft man auch alle Sorgen von sich.
  • Es stellt einen Übergang zu einem neuen Lebensabschnitt dar.
  • Es bringt dem/der Werfenden Glück.
  • Es hat keine besondere Bedeutung, sondern soll nur cool aussehen.

Nun, ob hinter dem Schuhbaum in Nieder-Mörlen eine größere Geschichte steckt oder nicht: Im baumreichen Bad Nauheim ist diese Kastanie auf jeden Fall ein Unikum und ihre besonderen „Früchte“ regen zum Schmunzeln an.

Beliebter Ausflugsort zum Spielen und Sporttreiben

Das Freizeitgelände Erbwiese, auf dem der Schuhbaum steht, ist ein toller Ausflugsort: Gerade liegt der Duft von Gegrilltem in der Luft. Eine Gruppe Erwachsener sitzt auf Bierbänken, isst Würstchen, Brot und Salat, lacht, redet und schaut ihren Kindern beim Toben zu. Kinder fahren mit Skateboards und BMX-Rädern über die Rampen, ein Mann wirft ein paar Körbe auf dem Basketballfeld und einige Jungs spielen Fußball.

Das Gelände liegt direkt hinter der Frauenwaldschule in Nieder-Mörlen und ist eingerahmt von Wald, Schrebergärten und Golfplatz. Es bietet viel Platz, um Sport zu treiben, zu spielen und zu entspannen. Und unter den Bäumen, die im Sommer Schatten spenden, gibt es sogar einen Grillplatz, den die Stadt Bad Nauheim gegen eine Nutzungsgebühr inkl. WC-Kosten und Abfallbeutel zur Verfügung stellt.

Autor / Autorin
Katharina Wagner
Katharina Wagner
Die Bad Nauheimerin lernt durch das Schreiben für den Blog ihre Heimatstadt noch einmal neu kennen: „Ich treffe interessante Menschen, die Interessantes machen oder zu erzählen haben, und ich bekomme spannende Einblicke in Unternehmen und Einrichtungen, die ich vorher so nicht hatte. Das macht Spaß.“ Katharina Wagner ist freiberufliche Redakteurin (Online, Print, Social Media und TV), seit ihrer Kindheit großer Elvis-Fan und sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und den zwei gemeinsamen Kindern in Nieder-Mörlen.