Les Papillons

Les Papillons

Leichtfüßig und mit synchronen Schwüngen bewegen sich Svenja Werner und Lara Fleißner über die Bühne. Manchmal haben „die Schmetterlinge“ vom Tanzen ziemlich Muskelkater, denn ihre farbenfrohen, glänzenden und ausladenden Kostüme sind alles andere als leicht.


Sie bestehen aus 15 Meter Stoff und 25 Meter Saum. Beim Tanzen sind Svenja Werner und Lara Fleißner sozusagen umringt von einem langen, teils schweren Stoff, der fliegen soll. Damit das gelingt, halten sie unter dem Stoff Stöcke aus Bambus, die in das Kostüm integriert sind. Da sie sich beim Tanzen oft drehen, gilt es auch, die Orientierung zu behalten. Und wenn sie im Freien auftreten, pustet der Wind teils stark in ihre Stoff-Flügel.

— Der Serpentinentanz

Die amerikanische Tänzerin Loïe Fuller (geb. Marie Louise Fuller) entwickelte den Serpentinentanz und damit eine völlig neue Form des Tanzes. 1892 gelang ihr in Paris der Durchbruch. Sie verwandelte den Stoff der Kostüme in Flügel, Wellen oder Blütenblätter, und sie setzte als Erste bei Auftritten farbige Lichtprojektoren ein, sodass sie von schillernden Farben beleuchtet wurde. Der dem Jugendstilverein angehörige Arno Sternitzke war auf der Suche nach Tänzerinnen, die diesen Tanz, der seinen Ursprung in der Zeit des Jugendstils hat, zum Leben erwecken. Svenja Werner und Lara Fleißner verliebten sich sofort in den Serpentinentanz und blieben dabei. Sie treten regelmäßig auf dem Jugendstilfestival in Bad Nauheim auf, auch für Auftritte auf Geburtstagen, Events und Hochzeiten kann das Duo gebucht werden.

— Seit Jahren ein eingespieltes Team

Svenja Werner (23) und Lara Fleißner (26) sind beide in Bad Nauheim groß geworden, zur Schule gegangen und haben mit fünf bzw. sechs Jahren angefangen zu tanzen – erst Kinder-, dann Showtanz. Das gemeinsame Tanzen hat für sie im Alternativen Tanzclub Bad Nauheim e.V. (ATC) mit der Gruppe „Butterfly“ begonnen. Damals stieß die 10-jährige Svenja dazu, seit 2013 bilden sie und Lara Fleißner das Duo „Les Papillons“ (die Schmetterlinge) und tanzen den Serpentinentanz in vielen Varianten und Kostümen. „Serpent” heißt auf Französisch Schlange. Der Serpentinentanz wird so genannt, weil sich das Kostüm beim Drehen „hochschlängelt“.

Ihre Choreographien entstehen meistens auf Laras Terrasse, weil da viel Platz ist. Zuerst gibt es ein Thema, wozu Kostüme entworfen werden, und dann suchen sie passende klassische Lieder aus. In der Tanz-Entwicklung probieren sie Bewegungen aus und entwerfen ggf. auch eine Art Story: Im „Schmetterlingstanz“ beispielsweise weckt ein Schmetterling (Svenja) den anderen (Lara) auf. Sie verbringen eine tolle Zeit miteinander, tanzen miteinander, und am Ende legt sich ein Schmetterling zur Ruh und wird vom anderen zugedeckt.

Etwa vier Wochen dauert es, bis ein Tanz einstudiert ist. Elf verschiedene, darunter Tänze nach Jugendstilart und auch moderne, haben sie bisher im Repertoire. Sie heißen u.a. Schmetterlingstanz, Sonne und Mond, Epica oder Wassertanz.

Lara Fleißner und Svenja Werner
„Durch den Stoff eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, sich zu bewegen. Ist man in ihn gehüllt, taucht man in eine andere Welt ein und wird eins mit dem Stoff und bewegt sich vollkommen frei. Man spürt die Energie durch die Bewegung und es ist fast so, als würde man fliegen. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, das uns verzaubert hat.“

— Schnittmuster aus Servietten

Als sie zum ersten Mal Kostüme anfertigen wollten, mussten sie erst einmal herausfinden, wie die Kostüme von Loïe Fuller geschneidert wurden. Damit er so fallen und fliegen kann, muss der Stoff schon auf eine bestimmte Weise geschnitten werden. Ein Schnittmuster gab es nicht. Lara Fleißner und Mutter Brigitte versuchten anhand von Videos und Fotos herauszufinden, welche Schnittmuster es braucht, um die Kostüme zu nähen. Schließlich wurden erst einmal Servietten zerschnitten und zurechtgelegt, dann wurde der erste Prototyp aus echtem Stoff genäht. Seide eignet sich z. B. als Stoff, da er schön fließend ist. Mittlerweile haben beide Mütter ihren Töchtern elf Kostüme angefertigt und unterstützen das Duo damit natürlich enorm.

— Weitere außergewöhnliche Hobbys

Nicht nur ihre Art zu tanzen ist besonders, auch ihre anderen Freizeitbeschäftigungen sind es: Germanistik- und Geschichts-Studentin Svenja Werner hat als Autorin (Pseudonym Liara Frye) bereits einen Fantasyroman geschrieben, den ein Verlag veröffentlicht hat. Das zweite Buch (die Fortsetzung) ist gerade in Planung.

Als ausgebildete Goldschmiedegesellin begleitet Lara Fleißner die Liebe zum Jugendstil auch bei ihrer Arbeit: So kreiert sie beispielsweise „Sprudelschmuck“. Außerdem ist sie auf TikTok (@terraa.laraa) aktiv und zeigt dort ihren über 11 000 Followern ihre außergewöhnlichen Mitbewohner: Insekten und wandelnde Blätter, australische Gespenstschrecken oder Dschungel-Nymphen. Sie möchte Menschen dazu bewegen, sich mehr mit der Natur- und Insektenwelt auseinander zu setzen.

Mehr Infos

Mehr über das sympathische Tanzduo erfahren Sie auf der Webseite des Alternativen Tanzclubs www.alternativer-tanzclub.de und in den Sozialen Netzwerken auf www.facebook.com/Alternativer-Tanzclub-Bad-Nauheim und www.instagram.com/lespapillons_tanzduo.

Autor / Autorin
Katharina Wagner
Katharina Wagner
Die Bad Nauheimerin lernt durch das Schreiben für den Blog ihre Heimatstadt noch einmal neu kennen: „Ich treffe interessante Menschen, die Interessantes machen oder zu erzählen haben, und ich bekomme spannende Einblicke in Unternehmen und Einrichtungen, die ich vorher so nicht hatte. Das macht Spaß.“ Katharina Wagner ist freiberufliche Redakteurin (Online, Print, Social Media und TV), seit ihrer Kindheit großer Elvis-Fan und sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und den zwei gemeinsamen Kindern in Nieder-Mörlen.