Hans-Ulrich Halwe – Gästeführer und Elvis-Kenner

Hans-Ulrich Halwe – Gästeführer und Elvis-Kenner

Seit mehr als zwei Jahrzehnten führt Hans-Ulrich Halwe Menschen an verschiedene Orte in Bad Nauheim, an denen Elvis Presley Spuren hinterlassen hat, als er von Oktober 1958 bis März 1960 in der Kurstadt lebte.


Aus Frankfurt, Göttingen und Essen kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung „Elvis– der King in Bad Nauheim“ dieses Mal. Das Wetter wechselhaft, die Stimmung gut. Gespannt lauschen sie den Anekdoten von Hans-Ulrich Halwe, die die Gäste immer wieder zum Schmunzeln bringen, wie etwa diese, dass Elvis in einem Café einfach mal ein Autogramm auf eine weiße Tischdecke schrieb – und zwar so richtig groß. Der Café-Besitzer fand diese „Verunstaltung“ gar nicht lustig und komplimentierte den Sänger daraufhin freundlich hinaus.

— Von Hamburg nach Bad Nauheim

Im Jahr 1956 hört Hans-Ulrich Halwe, damals 12 Jahre alt, das erste Mal einen Song von Elvis Presley. Seitdem lässt ihn die Musik nicht mehr los. Wegen ihm möchte er auch nach Bad Nauheim. Gerade einmal 15 Jahre alt, fährt er im Mai 1959 allein mit dem Zug von Hamburg in die Kurstadt, um Elvis zu sehen und die Atmosphäre in der Stadt zu erleben. Seit 1958 war er schon bei der Eisenbahn beschäftigt und so war es ihm möglich, kostenlos mit dem Zug nach Bad Nauheim zu fahren. Er mietet sich in einer Jugendherberge ein, trifft dort und vor Elvis´ Haus in der Goethestraße 14 andere Heranwachsende. Elvis aber sieht er erst, als er im Juli ein zweites Mal in die Kurstadt kommt. Auch, wenn er nicht persönlich mit ihm spricht, hinterlassen die Reisen nach Bad Nauheim Eindruck. Hans-Ulrich Halwe kommt wieder. So nimmt er gerne eine Stelle bei der Bahn in Frankfurt an, als das Angebot kommt, lernt seine zukünftige Frau Heide kennen, die ebenso Elvis-Musik mag, und zieht schließlich 1972 nach Bad Nauheim

— Unvergessliche Begegnungen

Bei der Feuerwehr ist er seit den 1960er-Jahren engagiert – Generell war und ist es für ihn wichtig, ehrenamtlich aktiv zu sein, etwa in der Gesellschaft zu Rettung Schiffbrüchiger (aus Verbundenheit zu seiner Heimat Hamburg), er unterstützt die Eisenbahnfreunde Wetterau und ist aktiv im Seniorenbeirat der Stadt Bad Nauheim.

1998 gründet sich in Bad Nauheim der Elvis-Presley-Verein Bad Nauheim/Friedberg, dessen Vorsitzender Hans-Ulrich Halwe sechs Jahre lang ist. Er kann auf einige unvergessliche Erlebnisse zurückblicken: Elvis´ Trauzeugen Joe Esposito lernt er kennen, Elvis´ Cousine Donna Presley-Early und Bodyguard Red West, Sängerin Wanda Jackson, die mit Elvis auf Tour war, und Scotty Moore – Als der Rhythmus-Gitarrist von Elvis´Band und Ehrenmitglied des Elvis-Presley-Vereins Bad Nauheim/Friedberg nach einem Konzert im Hotel Dolce nachts Hunger bekommt, ruft Hans-Ulrich Halwe einen befreundeten Pizza-Bäcker an, und dieser wirft tatsächlich extra noch einmal den Ofen an, um den Gast aus Amerika zu verwöhnen. So essen sie alle zusammen um 3 Uhr Pizza.

Mit Scotty Moore, Elvis Presleys erster Gitarrist, verbindet Hans-Ulrich Halwe schöne Erinnerungen. Hier überreicht (li.) Hans-Ulrich Halwe Scotty Moore die Urkunde als Ehrenmitglied des Elvis-Presley-Vereins Bad Nauheim/Friedberg.

— Elvis verbindet die Menschen

Rund zwei Stunden dauert die Führung durch Bad Nauheim. An der Tourist Information in den Kolonnaden geht es los, vorbei an der bronzenen Elvis-Platte in der Nähe des Rosengartens, entlang der Dankeskirche über die Usa-Brücke Richtung Goethestraße. Gegenüber von Nummer 14 stoppt Hans-Ulrich Halwe und erzählt davon, dass Elvis Presley hier u. a. mit Vater Vernon und Oma Minnie Mae lebte, einige Hits wie „It´s now or never“ in Bad Nauheim entstanden sind und er hier auch seine spätere Frau Priscilla kennenlernte.

Weiter geht es durch die Stadt, u. a. vorbei am Café Bienenkorb, durch die Fußgängerzone zur Burgpforte, an der das berühmte Plattencover zu „A Big Hunk O' Love“ entstand bis zur letzten Station der Tour, dem Hotel Grunewald. Hier wohnte Elvis Presley mit seiner Entourage, bis sie gebeten wurden, sich eine neue Bleibe zu suchen – andere Hotelgäste hatten sich über den Lärmpegel beschwert.

Die Gäste an diesem Samstag lauschen den Ausführungen von Hans-Ulrich Halwe aufmerksam bis zum Schluss und unterhalten sich auch gerne noch nach Ende des offiziellen Teils mit dem 77-Jährigen. Auch wenn ihn die Führungen mittlerweile schon etwas anstrengen, möchte er, „solange es geht, weitermachen“. Es sei zwar anstrengend, aber die netten Menschen, die er bereits kennengelernt habe, hätte er ohne Elvis wohl nicht kennengelernt, lächelt er.

Er freut sich jedes Jahr auf das European Elvis Festival in seiner Wahlheimat. Dann ist die Stadt, wie er sagt, voller „Elvis-Gefühl“. Die Frauen im Petticoat und die Männer mit Haartolle zu sehen, die viele Musik und die Atmosphäre in der Stadt – Elvis verbinde Menschen. Das sieht Hans-Ulrich Halwe auch heute noch so, 62 Jahre nach seinem ersten Besuch in Bad Nauheim.

Elvis-Führung

Die Führung „Elvis – der King in Bad Nauheim“ findet in der Regel ein bis zweimal im Monat am Wochenende statt. Alle Termine und Infos zur Ticketbuchung gibt es im Online-Buchungsportel der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH.

Autor / Autorin
Katharina Wagner
Katharina Wagner
Die Bad Nauheimerin lernt durch das Schreiben für den Blog ihre Heimatstadt noch einmal neu kennen: „Ich treffe interessante Menschen, die Interessantes machen oder zu erzählen haben, und ich bekomme spannende Einblicke in Unternehmen und Einrichtungen, die ich vorher so nicht hatte. Das macht Spaß.“ Katharina Wagner ist freiberufliche Redakteurin (Online, Print, Social Media und TV), seit ihrer Kindheit großer Elvis-Fan und sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und den zwei gemeinsamen Kindern in Nieder-Mörlen.