Bernd Hallmann – Biker mit Passion | © @DanielBanner

Bernd Hallmann – Biker mit Passion

Der kreative, studierte Autodidakt aus Bad Nauheim ist immer in Bewegung, vor allem auf einem seiner sechs Fahrräder. Kürzlich ist er für einen guten Zweck 650 Kilometer bis nach Berlin gefahren.


Bernd Hallmann hat zwar ein Auto, allerdings wird es meist nur dann genutzt, wenn er mit seiner Frau und seinem Sohn in den Urlaub fährt. Seit 1995 ist mit dem „Mountainbike-Virus infiziert“. Ob zur Arbeit in seinem Büro im Sprudelhof Bad Nauheim, zu Freunden oder zum Einkaufen – der 51-Jährige fährt mit dem Fahrrad fast überall hin. Pro Jahr kommen schon einmal bis 20.000 Kilometer zusammen – und viele unvergessliche Erlebnisse.

* Titelfoto: @DanielBanner

 

2017 ist er mit dem Rennrad von München nach Jesolo in Italien gefahren, dabei auch durch das Venas di Cadore. Das Tal ist bekannt als „Tal der Eismacher“. Hier wurde Bernd Hallmanns Urgroßvater Serafino Toscani geboren, der Anfang des 20. Jahrhunderts ins hessische Friedberg kam, um Eis herzustellen und zu verkaufen. Das Dorf aus eigener Kraft mit dem Rad zu besuchen, war für ihn besonders im Hinblick auf die Familiengeschichte sehr emotional.

Bernd Hallmann
„Jede Tour kann etwas Besonderes sein, wenn man mit offenen Augen und Herzen reist“.
Bernd Hallmann im Venas di Cadore. | © Bernd Hallmann

Bernd Hallmann im Venas di Cadore. Foto: Bernd Hallmann

— Kreativer Kopf


Als Autodidakt gestartet, studierte er nach einem Praktikum Kommunikationsdesign und gründete 2003 das „U38 – Büro für Grafik“. Von der Broschüre über die Website erstellt er alles, zudem ist die digitale Bildbearbeitung und Illustration sein Spezialgebiet.

Für und gemeinsam mit der Stadt Bad Nauheim realisiert er seit 2009 diverse Projekte, zum Beispiel für das Jugendstilfestival oder das Rosenfest. Auch hat er, zusammen mit seinem Sohn, bei der Video-Kampagne #entdeckedeinbadnauheim mitgewirkt.

— Radblog „Jacominas Enkel“

Zu Hause stehen ein Lastenrad, Rennrad, Mountainbike, Reiserad und noch zwei weitere, die er für lange Tagestouren nutzt. Seine Erlebnisse hält er auf seinem Blog „Jacominas Enkel“ fest. Schon seit seiner Kindheit schreibt er gerne Geschichten, und so kann er Freunde und Familie an seinen Touren teilhaben zu lassen. Dabei geht es nicht um das bloße Aufzählen, wo er war und wie viele Kilometer er gefahren ist, sondern um Emotionen und Erinnerungen. Auch über seine letzte Tour hat der Bad Nauheimer gebloggt.
 

— Candy B. Graveller Tour

Im April ging es für Bernd Hallmann auf eine 650 Kilometer lange Bikepacking-Abenteuerfahrt im Selbstversorger-Modus vom Luftbrückendenkmal in Frankfurt/Main über Darmstadt, Aschaffenburg und Fulda zum Luftbrückendenkmal in Berlin. Die Idee dieser Tour mit dem Namen „Candy B. Graveller Tour” ist, das Andenken an Gail Halvorsen und andere Piloten zu bewahren, die ab 1948 die Luftbrücke aufrechterhielten, um die Menschen in Berlin mit dem Nötigsten und auch mit Süßigkeiten zu versorgen. Daher kommt auch der Spitzname „Candybomber“ oder eben Candy B. Der Zusatz Graveller bezieht sich auf den Untergrund, auf dem gefahren wird – hauptsächlich nicht auf Radwegen, sondern dem Flugkorridor der Candybomber folgend auf oft wenig befestigten Wald- und Feldwegen.

Impressionen von der Candy B. Graveller Tour

— Erinnerungen und Pläne

Für Bernd Hallmann lief der „Candy“ vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs dieses Jahr unter dem Motto „Ride for peace! Dropbars not bombs”. Dropbar nennt man den klassischen Rennradlenker, den man oft auch an Gravelbikes findet. In Berlin angekommen überreichten er und die anderen Pilotinnen und Piloten die Spendenpäckchen, das sogenannte Carepaket, an Kinder der Arche. Im Vorfeld hatten zudem alle Fahrerinnen und Fahrer eine Spende an eine gemeinnützige Organisation geleistet. Am Ende legte der Hauptsponsor der Tour noch mal 10.000 Euro drauf.

„Der Candy ist nicht nur eine Reise in die deutsch-deutsche Geschichte, sondern auch eine Reise der Kontraste. Dieses Jahr hat das Wetter die Reise zu einer Herausforderung werden lassen. Es war sehr nass, sehr kalt und teilweise hatten wir große Probleme, die Räder fahrtüchtig zu halten, wenn wir zum Beispiel wie bei Frömmstedt über schlammige Feldwege fuhren und die Pampe so klebrig war, dass die Räder blockierten. So mussten vier Piloten und Pilotinnen ihre Bikes über Nacht im Feld liegen lassen, weil sie im Schlamm so viel Zeit verloren hatten“, erinnert sich der Bad Nauheimer.

Die nächste Tour steht auch bald wieder an: Im Juni fährt Bernd Hallmann rund 1.000 Kilometer durch den Taunus. Mit im Gepäck: Hängematte, Schlafsack, Essen, Wasser und Werkzeug/Ersatzteile. Danach wird es dann „keinen Winkel des Taunus geben“, den er nicht mit dem Rad befahren und gesehen hätte.

Bernds Radblog

In seinem Blog www.jacominasenkel.de berichtet Bernd Hallmann von seinen spannenden Biketouren und Erlebnissen.

Autor / Autorin
Katharina Wagner
Katharina Wagner
Die Bad Nauheimerin lernt durch das Schreiben für den Blog ihre Heimatstadt noch einmal neu kennen: „Ich treffe interessante Menschen, die Interessantes machen oder zu erzählen haben, und ich bekomme spannende Einblicke in Unternehmen und Einrichtungen, die ich vorher so nicht hatte. Das macht Spaß.“ Katharina Wagner ist freiberufliche Redakteurin (Online, Print, Social Media und TV), seit ihrer Kindheit großer Elvis-Fan und sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und den zwei gemeinsamen Kindern in Nieder-Mörlen.