Sternwarte

Sternwarte

Hoch oben über der Kurstadt, umgeben von dichtem Wald, thront die Sternwarte – ein uralter Ort, an dem jeder den leuchtenden Nachthimmel entdecken und manchmal auch außergewöhnliche astronomische Ereignisse bewundern kann.


Die Erscheinung des Kometen Hale-Bopp war „das Ereignis schlechthin“ – es lockte im April 1997 an einem Abend mehr als 700 Menschen in die Sternwarte auf dem Johannisberg. Daran erinnert sich der 1. Vorsitzende des Vereins Volkssternwarte Wetterau, Walter Gröning, gerne.

Auch im nicht einfachen Corona-Sommer 2020 gab es mit Neowise ein Highlight zu beobachten (leider ohne Besucher). Neowise war nämlich der hellste Komet seit Hale-Bopp, der am Himmel zu sehen war.

Schon seit seiner Jugend ist der 56-jährige gebürtige Bad Nauheimer von der Astronomie begeistert. Seit rund 25 Jahren ist Walter Gröning beim Verein Volkssternwarte Wetterau 1. Vorsitzender und wie er sagt „Mädchen für alles“, u. a. organisiert und managt er die Öffentlichkeitsarbeit.

Täglich widmet sich der Gymnasiallehrer, der Astrophysik und Philosophie studiert hat, seinem Hobby – nicht nur in Bad Nauheim. Er ist auch 1. Vorsitzender der Sternenwelt Vogelsberg e.V., und er ist regelmäßig in Namibia am IAS-Observatory, wo er sich als Mitglied des internationalen Vereins vor allem der Astrofotografie widmet.

Sternengucker: Walter Gröning.

Früher Bergkirche, heute Sternwarte

Der Johannisberg war von jeher ein bedeutender und schon lange ein „mit dem Himmel verbundener“ Platz. Der Berg diente den Menschen in Kriegszeiten als Zufluchtsort, Ausgrabungen von Gefäßscherben und alten Werkzeugen aus der Stein- und Bronzezeit belegen dies. In heidnischer, keltischer und germanischer Zeit wurde der Berg als Kultstätte von den Menschen aufgesucht. Die Römer errichteten auf ihm einen Signalturm, dessen Mauerreste heute noch stehen. Urkunden zeigen, dass auf dem Gipfel eine Tauf- und Missionskirche errichtet wurde. Es wird vermutet, dass damals die Grundsteine des heutigen Turmes gelegt wurden.

Um ca. 1200 n. Chr. befand sich neben der Bergkirche noch eine Totenkapelle mit Beinhaus und Friedhof, Pfarrhaus, Glöcknerhaus und eine Scheune, was wiederum durch etliche Knochenfunde rund um den Turm als bestätigt angesehen wird. Die gotische Kirche wurde 1596 zerstört, nur das Gemäuer des Glockenturms überlebte. Nach einer Erneuerung der Turmspitze im Jahre 1822, wurde der Turm vier Jahrzehnte später aufgrund der wachsenden Bäume aufgestockt, um eine bessere Sicht zu haben.

Seit 1965 wird der Turm – auf Initiative des Friedberger Amateur-Astronoms Erich Krauskopf hin – als Sternwarte genutzt. Seit 1988 betreut sie der Verein Volkssternwarte Wetterau, der sich vorrangig durch Spenden und Sponsoren finanziert. Vor ein paar Jahren musste der Turm saniert werden – Risse wurden abgedichtet, die Elektrik erneuert und die rund 150 Jahre alte Treppe repariert.

— Wanderung durch das Sonnensystem

Jährlich kommen rund 2.000 Besucher in die Sternwarte – Erwachsene, Schul- und Kita-Kinder. Normalerweise finden im Jahr rund 100 Führungen statt, die fast immer ausgebucht sind. Aufgrund von Corona ist es im Moment anders, es gibt jedoch immer etwas zu tun und das Engagement des Vereins geht auch außerhalb der Sternwarte weiter: 2010 realisierte er für die Stadt Bad Nauheim den rund zwei Kilometer langen Planetenwanderweg (ein Modell unseres Sonnensystems), der vom Goldsteinturm, durch die Stadt bis zur Sternwarte auf dem Johannisberg führt und die Dimension unserer kosmischen Heimat erfahrbar macht. Er ist im Maßstab von 1:2,8 Milliarden angelegt, das heißt, dass jeder Schritt eines Fußgängers in der Realität einer Strecke von 2,8 Millionen Kilometern entspricht. Der Fuldaer Bildhauer Rainer Landgraf hat die tonnenschweren Skulpturen kreiert, die mit Hilfe von verschiedenen Materialien und Formen die mythologischen Hintergründe der Planeten hervorheben. Der Verein lieferte die wissenschaftlichen Fakten für die Info-Tafeln.

— Ferne Planeten und Galaxien im Blick

In der Sternwarte sind drei Hauptteleskope montiert. Eines davon ist ein reines Sonnenteleskop, d.h. mit diesem kann die beeindruckende Aktivität der Sonne verfolgt werden. Die anderen beiden Teleskope können neben den solaren Objekten wie Mond und Planeten auch ferne Galaxien zeigen, die viele Millionen Lichtjahre entfernt sind. Unvorstellbar irgendwie, und gerade deshalb fasziniert es viele, auch Walter Gröning. Er versteht die Astronomie als Naturerlebnis und Naturverbundenheit. In der Regel seien die Objekte der Astronomie unerreichbar, und dennoch könnten wir Menschen viel über sie erfahren und erkennen.

Was die berechenbaren Ereignisse am Himmel angeht, wird das Jahr 2021 ein „eher langweiliges“ werden. Natürlich seien die hellen Planeten Venus, Jupiter und Saturn zu sehen, aber Finsternisse nur sehr wenig. Es könne aber immer auch etwas Unvorhergesehenes passieren – so tauchte im Sommer 2020 bekanntermaßen auch Komet Neowise plötzlich am Himmel auf. Ein aufmerksamer Blick nach oben lohnt sich also immer.

Mehr Infos

Über Neuigkeiten – ob am Himmel, im Turm oder am Boden – informiert der Verein Volksternwarte Wetterau auf seiner Website www.sternwartewetterau.de.

Autor / Autorin
Katharina Wagner
Katharina Wagner
Die Bad Nauheimerin lernt durch das Schreiben für den Blog ihre Heimatstadt noch einmal neu kennen: „Ich treffe interessante Menschen, die Interessantes machen oder zu erzählen haben, und ich bekomme spannende Einblicke in Unternehmen und Einrichtungen, die ich vorher so nicht hatte. Das macht Spaß.“ Katharina Wagner ist freiberufliche Redakteurin (Online, Print, Social Media und TV), seit ihrer Kindheit großer Elvis-Fan und sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und den zwei gemeinsamen Kindern in Nieder-Mörlen.