Jugendstilforum

Jugendstilforum

Der Sprudelhof ist um ein Schmuckstück reicher: Im einmaligen Ambiente des Badehauses 3 hat das „Jugendstilforum“ eröffnet.


Teile der bedeutenden privaten Jugendstilsammlung des Kölners Manfred Geisler werden im Jugendstilforum ausgestellt.

— Auf einem Flohmarkt fing es an

Erst studierte er Ingenieurwesen, dann widmete sich Manfred Geisler seiner Leidenschaft Kunst in einem Studium. Gearbeitet hat er schließlich 40 Jahre lang in einer führenden Position in einer Weinhandlung. Beruflich hatte er also mit Kunst nichts zu tun, privat umso mehr.

Dabei entdeckte er die Liebe zum Jugendstil eher zufällig – auf einem Flohmarkt in Bonn im Jahr 1977. Dort sah er einen Spiegel mit Seerosenfries, der ihn faszinierte. Manfred Geisler kaufte ihn für 80 D-Mark. Der Anfang war gemacht.

Inzwischen zählen rund 2500 Objekte zu seiner Jugendstil-Sammlung, die er „1900 modern times“ nennt. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Glas, Keramik, Metall und auch Papierarbeiten sowie Grafik und umfassen die Stil-Epochen Jugendstil, Art Déco und Bauhaus.

Manfred Geisler ist auch heute noch fast jedes Wochenende auf Antikmärkten unterwegs, um seine Sammlung mit neuen Stücken zu ergänzen. Ebenso sind das Internet und der Auktionshandel weitere Einkaufsquellen.

Manfred Geisler hat bis heute rund 2.500 Objekte in seiner Jugendstilsammlung.

— Facettenreiche Arbeiten

Geometrische Formen, Frauenabbildungen, florale Komponenten, Wasser, Seerosen oder der geheimnisvolle Mohn – mal verschnörkelter, mal klarer dargestellt. Die Keramik spiegelt die Vielfältigkeit der Künstler wider. Einen passenderen Ort für diese Ausstellung als im Badehaus 3 des Sprudelhofs gibt es wohl nicht, um die Fliesen, Vasen, Kannen und das Geschirr aus der Jugendstilzeit zu platzieren, auch wenn es in manchen Badezellen für die Exponate recht eng ist. Hier wurde der Sammler jedoch erfinderisch: Um Platz zu schaffen, hat Manfred Geisler die in den Ecken befindlichen Waschbecken mit einer „Red Box“ verkleidet, so dass daraus weitere Vitrinen entstanden sind.

Aktuell beeindrucken in den Badezellen verschiedene Tonwerke des Keramikmalers Max Laeuger oder die geometrischen und mit Ornamenten versehenen Keramikarbeiten von Christian Neureuther, einem Künstler, der auch für die weltbekannte Fabrik Wächtersbacher Keramik arbeitete. Schönes für den Alltag, wie etwa ein weißblaues Tafel-Service von der Darmstädter Künstler Kolonie, skandinavisches Porzellan, Jugendstil-Fliesen und Dekoratives von Sigmund Luber, zeigen die Kreativität der Jahre um 1900 bis 1910.

Manfred Geisler über seine Liebe zum Jugendstil
„Ich finde die explosive Kreativität dieser Zeit faszinierend. Tatsächlich sehen die Exponate – obwohl im gleichen Zeitraum entstanden – sehr unterschiedlich aus. Das ist spannend!“

— Eine Idee wird Wirklichkeit

Hiltrud Hölzinger und Manfred Geisler haben gemeinsam an der Ausstellung im Badehaus 3 gearbeitet.

Bis das Ziel, im Sprudelhof ein Zentrum für den Jugendstil einzurichten, im Sommer 2021 erreicht wurde, vergingen 10 Jahre. Im Badehaus 3 sind nun Wechselausstellungen und themenbezogene Veranstaltungen geplant. Die Basis bildet die Sammlung von Manfred Geisler, der durch Freunde mit Bad Nauheim in Berührung kam. Sie waren in der Kurstadt zu Besuch und erzählten damals den Hotelbesitzern von Manfred Geislers großer Jugendstilsammlung. Ihm wiederum empfahlen die Freunde einen Besuch in Bad Nauheim und schwärmten ihm vom Sprudelhof vor – Europas größtem geschlossenen Jugendstilensemble. Das wollte er sich ansehen und stoppte im Jahr 2019 auf dem Rückweg von Berlin nach Köln in Bad Nauheim. Er stellte sein Auto in der Parkstraße ab, lief durch den Park Richtung Sprudelhof, und sogleich packten ihn Aussicht und Atmosphäre.

Der Kontakt zu Hiltrud Hölzinger, Kuratorin und stellvertretende Vorsitzende des Jugendstilvereins Bad Nauheim, kam zustande und schnell reifte die Idee, eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis ist die Objekt-Ausstellung „Jugendstilkeramik – Tendenzen einer neuen Zeit“, für die der Jugendstilverein mit der Stiftung Sprudelhof und der Stadt Bad Nauheim zusammengearbeitet hat.

— Ausstellungshaus mit Zukunft

Eine Ausstellung dieses Umfangs zu organisieren und zu veranstalten, ist mit sehr viel Aufwand verbunden. Es hat einige Monate gedauert und Hiltrud Hölzinger und Manfred Geisler haben intensiv geplant und organisiert. Hiltrud Hölzinger hat u. a. für den Ausstellungskatalog die Grafiken erstellt und die „Feinjustierung“ bei der Platzierung der Exponate übernommen. Die Rückmeldung gibt ihnen Recht: Die Resonanz der Besucherinnen und Besucher ist positiv, die Ausstellung kommt sehr gut an.

Manfred Geisler hat schon die nächste Ausstellung im Kopf. Diese wird „Stilwende 1900 … Schönheiten einer Epoche“ heißen und Facetten des Jugendstils, der Secession, der Art Nouveau und dem Liberty Style zeigen. Eröffnet werden soll sie nach jetzigem Stand im April 2022. Manfred Geisler und der Jugendstilverein freuen sich über Spenden – denn es werden dringend mehr Vitrinen für die Exponate benötigt. Wer welche entbehren kann oder eine sponsern möchte, kann sich gerne beim Jugendstilverein Bad Nauheim melden.

Blick in die Sammlung

Wer nicht auf die neue Ausstellung warten möchte, kann schon mal in verschiedenen Videos auf Manfred Geislers YouTube-Kanal 1900 > modern times weitere Teile seiner großen Sammlung sehen, ehe sie ins Jugendstilforum einziehen.

Mehr Infos

Infos zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und aktuellen Ausstellungen und Veranstaltungen erhalten Sie auf der Webseite www.jugendstilforum.de.

Autor / Autorin
Katharina Wagner
Katharina Wagner
Die Bad Nauheimerin lernt durch das Schreiben für den Blog ihre Heimatstadt noch einmal neu kennen: „Ich treffe interessante Menschen, die Interessantes machen oder zu erzählen haben, und ich bekomme spannende Einblicke in Unternehmen und Einrichtungen, die ich vorher so nicht hatte. Das macht Spaß.“ Katharina Wagner ist freiberufliche Redakteurin (Online, Print, Social Media und TV), seit ihrer Kindheit großer Elvis-Fan und sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und den zwei gemeinsamen Kindern in Nieder-Mörlen.