Stabwechsel im Stadtarchiv Bad Nauheim | © Magistrat
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Stabwechsel im Stadtarchiv Bad Nauheim

Stadtarchivarin Brigitte Faatz übergibt nach beinahe einem Vierteljahrhundert die Position an Alexander Jung
5. Mai 2022

Im Stadtarchiv steht ein Stabwechsel an: Zum 31. Mai wird Stadtarchivarin Brigitte Faatz in den Ruhestand gehen, nach beinahe einem Vierteljahrhundert. Ihre Nachfolge tritt Alexander Jung an. Bürgermeister Klaus Kreß dankt Brigitte Faatz für ihr großes Engagement: „Das Stadtarchiv sind nicht nur alte Akten, sondern das Gedächtnis der Stadt. Mit einem hohen Maß an Geschichtsaffinität, Verantwortungsbewusstsein und Liebe für historische Details stand Brigitte Faatz für die Geschichte Bad Nauheims.“ Matthias Wieliki, Fachbereichsleiter für Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit, ergänzt: „Frau Faatz hat mit ihrer Tätigkeit das Archiv der Stadt stetig ausgebaut und fortgeführt. Wir freuen uns Herrn Jung als fachkundigen Nachfolger begrüßen zu dürfen.“

Brigitte Faatz war 24 Jahre für das Stadtarchiv tätig, davon 21 Jahre hauptamtlich. Die gebürtige Bad Nauheimerin fing im Jahr 1998 als ehrenamtliche Archivpflegerin an und übernahm im Jahr 2001 die Verwaltung des Stadtarchivs hauptamtlich. Zuvor war sie als Verwaltungsangestellte einer Krankenkasse tätig. Über sich selbst sagt sie, dass ihr das Interesse an Heimatgeschichte bereits in die Wiege gelegt wurde. In ihrer Amtszeit erschienen zahlreiche themenbezogene Beiträge zur Geschichte Bad Nauheims in verschiedenen Publikationsformen. „Ein Schwerpunkt waren die Amerikanischen Spuren in Bad Nauheim“, berichtet Faatz. So entstand eine vierteilige Broschürenreihe, die die Nachkriegszeit unter amerikanischer Besatzung beleuchten. „Zusammen mit dem Bilderschatz des Stadtkommandanten Colonel Paul R. Knight stellt diese Reihe einen bis dahin kaum bearbeiteten Zeitabschnitt der Stadtgeschichte dar.“

Bleibende Erinnerungen
„Im Rahmen meiner Tätigkeit für die Stadt Bad Nauheim habe ich verschiedene Persönlichkeiten getroffen, die Bad Nauheim besucht haben. Besondere Freude machten mir dabei Begegnungen mit Weggefährten von Elvis Presley, wie dem Sologitarristen der Elvis-Begleitband TCB, James Burton im Jahr 2013. Gerne denke ich an die gemeinsame Begrüßung mit Bürgermeister Klaus Kreß von Jason L. Shelton, dem Bürgermeister von Elvis‘ Geburtsort Tupelo im Jahr 2018 oder auch an die Begegnung mit Helen Ayer Patton, der Enkelin von General George S. Patton jr., anlässlich meiner Buchvorstellung zurück“, erzählt Brigitte Faatz. In Ihrer Amtszeit setzte sie eine Vielzahl an Projekten um, worunter beispielsweise die erstmalige Einführung der Archivsatzung samt Nutzungs- und Gebührenverordnung 2006, die Mitarbeit im Beirat der Landesgartenschau, die Jubiläumsbroschüre zum 100-jährigen Bestehen des Stadtarchivs 2009, der Neuaufbau des Gemeindearchivs Nieder-Mörlen sowie der Wiederaufbau des Stadtarchivs nach dem Brand im Januar 2020 fallen. Zu ihren Tätigkeitsfeldern zählten auch die Familienforschung und die Aufarbeitung der Holocaustvergangenheit. „Von hohem emotionalen Wert waren stets Besuche der Nachfahren von ehemals hier ansässigen jüdischen Familien wie Rosenthal und Schoenewald“, ergänzt Faatz. Außerdem ist sie seit 1980 freie Mitarbeiterin der Wetterauer Zeitung und hat seither 75 Beiträge zu eigenen stadtgeschichtlichen Forschungen veröffentlicht.

Sammeln, Sichern und Erschließen
Das Stadtarchiv sammelt, sichert und erschließt Material zu allen Aspekten der Stadtgeschichte Bad Nauheims. „Es war mein Traumjob“, sagt Brigitte Faatz und erinnert sich an die Anfänge: „Bis 2004 befand sich das Stadtarchiv im Keller des Verwaltungsgebäudes Friedrichstraße 3. Im Zuge der Sanierung des Hauses mussten neue Räumlichkeiten gefunden werden. Die Grundvoraussetzung waren größere Räume und eine ausreichende Statik. Deshalb ist das Stadtarchiv seit nunmehr 18 Jahren in der Hauptstraße 54 untergebracht. Die Sammlungen umfassen den Stadt- und heimatgeschichtlichen Bestand, ein Medien- und Zeitungsarchiv sowie zwei historische Verwaltungsaktenbestände und die Bau- und Kanalakten. Die insgesamt 750 Meter Akten werden im ersten und zweiten Stock sowie im Keller des Gebäudes gelagert.

Alexander Jung tritt in die Fußstapfen von Faatz
„Mit Alexander Jung haben wir einen hervorragenden Nachfolger gefunden, der das Stadtarchiv ebenso mit Herz und Leidenschaft leiten wird“, sagt Bürgermeister Klaus Kreß. Jung freut sich auf seine neue Aufgabe: „Es ist mein persönlicher Glücksfall. Ich trete in große Fußstapfen werde die Arbeit von Frau Faatz weiterführen, das „Gedächtnis“ unserer Stadt pflegen und eigene Akzente setzen.“ Alexander Jung, Jahrgang 1972, in Bad Nauheim geboren und in Schwalheim aufgewachsen, wo er noch heute mit seiner Familie lebt, hat das Interesse für Geschichte und besonders für Heimatgeschichte bereits in seiner Jugendzeit entdeckt. Stand anfangs noch hauptsächlich Schwalheim selbst im Mittelpunkt, erweiterten sich seine Recherchen und Publikationen aber bald auf Bad Nauheim und Umgebung. Beruflich war er viele Jahre als Buchhändler tätig und zuletzt bei den Bad Nauheimer Stadtwerken im Bereich Kommunikation und Marketing angestellt. Nach vielen Jahren des Quellenstudiums kam es 2011, bereits im Hinblick auf die 1200-Jahr-Feier 2017, zur Gründung des Schwalheimer Arbeitskreis Geschichte, den Jung gemeinsam mit dem damaligen Ortsvorsteher Klaus Englert leitete. In diese Zeit fallen die ersten Veröffentlichungen zur Historie des Stadtteils im „Schwälemer Sandhoas“ und der Wetterauer Zeitung. Zum Ortsjubiläum erschien das Heimatbuch 1200 Jahre Suabileheim – Schwalheim, für das er als Schriftleiter fungierte und einen nicht unerheblichen Teil der Texte beisteuerte. Das Buch markiert einen besonderen Punkt in der Geschichtsschreibung für den Bad Nauheimer Ortsteil, da erstmals dessen Vergangenheit ausführlich in einem Werk behandelt wird.

Zuletzt veröffentlichte Jung im Auftrag der Bad Nauheimer Stadtwerke ein über das Bad Nauheimer Wasserwerk am Großen Teich, mit dem er auch einen Teil seiner Familiengeschichte behandeln konnte.

Die Sprechzeiten im Stadtarchiv sind dienstags von 9 bis 12 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.