Wenn die Grundsteuer mit dem Milchgeld bezahlt wird | © Magistrat
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Wenn die Grundsteuer mit dem Milchgeld bezahlt wird

Kassenleiterin Christina Wießner wacht über die Konten der Stadt Bad Nauheim
30. September 2019

Strafzettelgebühren, Hundesteuer, Erschließungskosten, der Kaufpreis für ein Grundstück, Müllgebühren, Mieten für städtische Räumlichkeiten, Kindergarten- oder Abwasserkosten: Täglich gehen unzählige Zahlungen auf den Konten der Stadt Bad Nauheim ein. Mindestens genauso viele gehen davon ab, wenn Strom- oder Wartungskosten für Straßenlampen und Ampeln überwiesen, Mitarbeiterlöhne bezahlt, Honorare für Musiker beglichen, Verkehrszeichen und Mülleimer beschafft oder die Möbel für die neue Kita erworben werden. Nur wenige Beispiele für mehrere hundert Posten pro Tag auf den städtischen Kontoauszügen, die in der Stadtkasse von sechs Mitarbeiter*innen verbucht und bearbeitet werden.

Nichts entgeht ihr
Kopf des Teams ist die städtische Kassenleiterin Christina Wießner, die sämtliche Kostenbewegungen im Blick hat. „Die Stadt Bad Nauheim verfügt über vier große Konten bei verschiedenen Banken auf die alle Einzahlungen erfolgen und Auszahlungen geleistet werden“, erklärt die 31-Jährige und führt weiter aus, „viele Posten sind regelmäßig wiederkehrende Beträge, beispielsweise die Zahlung der Grundsteuer. Die großen Positionen und nicht routinemäßigen Zahlungen fallen in meinen Zuständigkeitsbereich. Hier hängt oft ein Rattenschwanz an Folgeaufgaben dran. So muss zum Beispiel beim Bezahlen eines Grundstücks - durch das neue Wohngebiet Bad Nauheim Süd ganz aktuell - die Info über den Eingang des Kaufpreises an den Notar und entsprechende Behörden weitergegeben werden.“

Die Leidenschaft für Zahlen
Christina Wießner mag Zahlen. „Das fing schon früh an. Als kleines Mädchen wollte ich meine Mutter regelmäßig zur Arbeit begleiten - sie ist in der Buchhaltung tätig. Hier habe ich immer die Additionsrollen der Rechenmaschine leer gedruckt. Später fand ich großen Gefallen an Mathe, das war einfach mein Schulfach“, schmunzelt sie.

Bei diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass Liquiditätsplanung und Gelddisposition, die Hauptaufgaben einer Kassenleitung, genau ihr „Ding“ sind. „Neben der Kontrolle der Kostenbewegungen sorge ich dafür, dass die erwarteten Einnahmen und Ausgaben innerhalb eines festgelegten Zeitraums verbucht werden können, dass unsere finanziellen Mittel also so angelegt sind, dass jederzeit eine ausreichende Zahlungsbereitschaft gegeben ist. Dazu gehört die Prognose künftiger Geldbewegungen und Ausgleichstransaktionen. Heruntergebrochen könnte man fragen »Reicht das Geld?«“, erläutert sie.

Alter Hase im Stadtkassengeschäft
Die Laubacherin kennt die Materie „Stadtkasse“ gut. Vor ihrem Wechsel nach Bad Nauheim war sie schon einmal in einer Stadtkasse tätig - in der 10.000 Einwohner-Stadt Laubach im Landkreis Gießen. Hier hat sie auch ihre berufliche Laufbahn mit der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten begonnen und mit dem Lehrgang zur Verwaltungsfachwirtin sowie der Fortbildung zur Finanzbuchhalterin spezialisiert. Warum Bad Nauheim? „Ich war einfach neugierig auf eine größere Stadt mit mehr Bürger*innen und mehr Infrastruktur, im Finanzsektor wollte ich aber dennoch bleiben. Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Zusage bekam. Die Einstellung am 1. April 2015 war kein Aprilscherz“, lacht sie.

Seit Frühjahr dieses Jahres hat sie die Kassenleitung inne. „Vorher wurde mir bereits die Stellvertretung anvertraut, nun kamen noch Personalverantwortung und umfassende Entscheidungsbefugnisse hinzu. Das fühlt sich schon toll an. Am Anfang war es zwar etwas ungewohnt, dass langjährige Kollegen zu einem kommen und um eine Entscheidung bitten oder du Aufgaben an diese delegierst. Da wir aber ein klasse Team sind und einen kollegialen Umgang pflegen, hat sich das schnell eingependelt“, ist die 31-Jährige zufrieden, die sogar auf ein Einzelbüro verzichtet hat, um mehr vom Tagesgeschäft mitzubekommen und um einen separaten Besprechungsraum zu haben.

Und was passiert, wenn nicht gezahlt wird?
Christina Wießner ist auch für das Mahnwesen verantwortlich. Wenn jemand nicht zahlt, wird er freundlich dazu aufgefordert. Ist das dann immer noch nicht der Fall, wird die Sache an die Vollstreckungsstelle des Wetteraukreises abgegeben. Ebenso kümmert sie sich in Insolvenzangelegenheiten von Privatpersonen oder Unternehmen darum, dass die Stadt ihre noch ausstehenden Gebühren oder Steuern erhält. „Auch der städtische Jahresabschluss, den ich über die Monate schon vorbereite, nimmt viel Zeit und Gehirnzellen in Anspruch. Die Fertigstellung meines ersten alleine zu verantwortenden Jahresabschlusses 2018, den wir mit insgesamt 6 Millionen Euro abgeschlossen haben, war ziemlich aufregend“, resümiert sie.

Wenn die Grundsteuer mit dem Milchgeld bezahlt wird
Die städtische Mitarbeiterin erzählt, dass die meisten Einzahlungen über das Abbuchungsverfahren auf elektronischem Weg erfolgen. Es seien 85-90 Prozent. Es gebe aber immer noch genug Menschen, quer durch alle Altersgruppen, die den Gang zur Stadtkasse antreten. „Einmal besuchte uns eine Bäuerin, die einen großen Beutel mit 10 Cent-Stücken dabei hatte. Sie wollte die Grundsteuer des Hofs von ihrem eingenommenen Milchgeld bezahlen“, erzählt die Kassenleiterin und ergänzt, „vor allem vor Weihnachten besuchen uns viele Menschen, die um Zahlungsaufschub bitten, da der Geschenkekauf ansteht und weniger Geld übrigbleibt. So leid mir diese Fälle tun, dürfen wir hier leider keine Ausnahme machen.“

Bei so viel Zahlentheorie ist ein Ausgleich wichtig. Die Laubacherin findet ihn abends und am Wochenende im Garten. Hier pflanzt sie alles, was grünt und blüht. Außerdem ist sie eine heimliche Handwerkerin. Sie baut Regale, arbeitet alte Möbel auf und verlegt sogar selbst Pflaster. Nach mehr als acht Stunden Gehirnjogging wird dann noch die Muskelkraft trainiert!

Wir arbeiten für deine Stadt

450 Menschen arbeiten für die Gesundheitsstadt Bad Nauheim. Einige sehen wir täglich im Stadtgebiet, etwa beim Reinigen der Straßen oder Pflegen der Grünflächen. Viele städtische Beschäftigte arbeiten jedoch im Hintergrund und sind nicht jeden Tag „präsent“. Jeder für sich ist ein bedeutendes Zahnrad im Uhrwerk „Stadtverwaltung“ und leistet einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben. Mit unserer Serie „Wir arbeiten für deine Stadt“ stellen wir euch einige dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor.