Wafflemann Philipp Hahn

Es dampft erst nur leicht als Philipp Hahn den Teig in die sechs Waffeleisen füllt. Die Masse verteilt sich langsam, der Deckel schließt sich. Kurz darauf ist der „Wafflemann“ – so steht es auf seiner blauen Schürze – von dichtem Dampf umgeben.

Auch an diesem Dienstagmittag ist schon von weitem eine lange Schlange an dem grün-gelben Star-Waffles-Marktstand zu erkennen. Darin warten geduldig Mütter mit Buggy, Väter mit Kind auf dem Arm, Großeltern mit Enkeln an der Hand, Jugendliche und auch Erwachsene. Erwartungsfrohe Augen verfolgen jede Handbewegung des 23-Jährigen. Die Vorfreude auf die knusprig-fluffigen, wohlgebräunten und lecker duftenden Waffeln steigt. Nach etwa zwei Minuten sind sie fertig und werden mit Puderzucker („immer noch der Klassiker“), Zucker und Zimt, Ahornsirup und natürlich Nuss-Nougat-Creme verfeinert. Auch die herzhafte Variante mit getrockneten Tomaten, gerösteten Zwiebeln und Cheddar-Käse reicht Philipp Hahn häufig über den Tresen. Es schmeckt seinen Kunden.

Teig-Tüftelei in Mutters Küche

Ein Lächeln. Ein Plausch. Zwischendurch füllt Philipp Hahn immer wieder den unter anderem aus Dinkelmehl und „viel Ei und viel Butter“ bestehenden Teig in die Waffeleisen – denn die Schlange wird nicht kürzer – und bereitet Kaffee zu. Den bezieht er aus dem Weinkostladen und brüht ihn wie zu „Omas Zeiten“ per Hand auf. Aus seiner Kindheit stammt auch die Leidenschaft für Waffeln („den Duft mag wohl jeder“), und durch seinen Aushilfsjob in der Williams Brasserie & Creperie in Bad Nauheim kam ihm als Jugendlicher seine Geschäftsidee. Mit 18 Jahren hat er sich kurz vor dem Abitur selbständig gemacht: „Ich habe die Küche meiner Mutter in Beschlag genommen und am Teig getüftelt, die Formalitäten erledigt, und es ging raus auf den Markt“, erzählt der Star Wars-Fan. Der Unternehmensname lag da natürlich nah.

„Letztes Wochenende habe ich alleine
fast eine halbe Tonne Teig produziert"

Philipp Hahn

Ein Lied, eine Liebe und ein Liebesaus

Er rührt den Teig stets eigenhändig an. Das ist mitunter ganz schön anstrengend: „Letztes Wochenende habe ich alleine fast eine halbe Tonne Teig produziert. Das war schon eine Menge Muskelarbeit“, schmunzelt er. Arbeit, für die er Wertschätzung zurückbekommt. Eine Stammkundin hat dem Wafflemann sogar ein Lied gewidmet, und auch in der Schule waren seine Waffeln schon Thema eines Aufsatzes. Seit der Gründung vor fünf Jahren hat Philipp Hahn am Star-Waffles-Stand einige schöne und kuriose Geschichten erlebt: „Ein Pärchen in meinem Alter hat mir nach mehreren Jahren Beziehung erzählt, dass sie ihr erstes Date bei mir am Stand hatten. Ein Mann hat sich, 20 Minuten bevor er die Waffel bei mir gekauft hat, von seiner Ehefrau getrennt. Ein junger angetrunkener Mann hat sich am Stand Nutella von der Waffel ins Gesicht geschmiert, damit seine Freundin sie ihm aus dem Gesicht küsst“, lacht Philipp Hahn.

Waffelbackkurse für Kinder und Selbstverteidigungsunterricht

„Bad Nauheim war schon immer der beste meiner Wochenmärkte. Und er ist der beste in der Wetterau, das höre ich auch immer von den Kollegen“, sagt er und nimmt einen Schluck aus der Apfelschorle. Die vegane, ungefilterte Apfelschorle seines Freundes Kjetil Dahlhaus von BORN IN THE WETTERAU verkauft er auch an seinem Stand. Philipp Hahn ist Netzwerker und Unternehmer mit Plänen, die manchmal auch schon gescheitert sind. Der Versuch, auf dem Frankfurter Wochenmarkt Fuß zu fassen, hat nicht geklappt, aber er habe daraus gelernt. Die Arbeit am Waffelstand und die Selbständigkeit hätten ihm mehr über sich selbst und das Leben gezeigt als jede Ausbildung und jedes Studium, sagt Philipp Hahn, der als Ökotrophologie-Student (Haushalts- und Ernährungswissenschaft) in Gießen eingeschrieben, aber derzeit „nicht aktiv“ ist. Die unregelmäßigen Wochenendevents beanspruchen ihn auch mal bis zu vier Tage am Stück mit Schichten von bis zu 22 Stunden. Durch sein Hobby Krav Maga (israelisches Selbstverteidigungssystem) ist er außerdem dazu gekommen, Selbstverteidigungskurse für Frauen (www.antirape.de) anzubieten. Und er hat weitere Pläne: Ab 2018 wird er monatlich Waffelbackkurse für Kinder geben. Viele Ideen und viel zu tun also.

Vom Waffelstand auf den Jakobsweg und in den Wohnwagen

Was ist mit Pausen? Philipp Hahn nimmt sie sich. Er reist gerne. Im Sommer war er mit dem Fahrrad 900 Kilometer an der spanischen Nordküste auf dem Jakobsweg unterwegs. Eine prägende Erfahrung: „In den Herbergen habe ich mit bis zu 18 Menschen in einem Raum geschlafen und bin mit wenig ausgekommen. Auf dem Weg habe ich die Entscheidung getroffen, aus meiner Wohnung auszuziehen. Mir ist klar geworden, dass ich auch mit viel weniger zurechtkomme. Seit zwei Monaten lebe ich in einem Wohnwagen in Wisselsheim und interessiere mich derzeit für minimalistische Lebenswege“, erzählt er beim Waffelzubereiten und Kaffeeaufbrühen. „Sie haben die leckersten Waffeln“ ruft eine Stammkundin dazwischen. Sie verabschiedet sich mit „bis nächste Woche“ und winkt ihm lächelnd zu

Bad Nauheim Blog: StadtGesichter
Autor: Katharina Wagner


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