Tierische Kurpark-Bewohner

Nilgans Frieda ist etwas schüchtern, aber da sie Hunger hat, traut sie sich näher heran und nimmt das grüne knackige Salatblatt aus der Hand von Laura Eßer. Ganz anders dagegen ist Gerda: Sie ist forsch, in der ersten Reihe zu finden, sehr hartnäckig und auch wählerisch an diesem Sonntagnachmittag. Sie steht vor der ehrenamtlichen Helferin des Erna-Ente-Treffs, die eine große Schüssel frischen Salat in der Hand hält, stupst sie immer wieder mit ihrem Schnabel an und knabbert an ihrem Hosenbein. Laura Eßer muss die stattliche Pommerngans-Dame wiederholt ermahnen und auf später vertrösten.

Gerda, deren Spitzname aufgrund ihrer Körperfülle und ihres Appetits nicht umsonst „Mopsi“ ist, möchte heute kaum Salat, sondern hat es vor allem auf die in Wasser eingeweichten Weizenkörner abgesehen, die auf dem Servierwagen vor dem Holzhaus des Erna-Ente-Treffs stehen. Gerda schnattert laut und geht zielstrebig zu den Körnern hin, aber es hilft nichts: Sie muss warten, auch wenn es ihr sichtlich schwerfällt. Später aber bekommt sie ihre Leckerlis natürlich.

Ein bisschen wie im Kindergarten

Heute sind Frieda, das Pärchen Loopchen und Klaro, Gerda und ihr Partner Belu und dessen Schwester Ella und die Geschwister Rotes, Gelbes und Pinky zur Fütterung gekommen. Die anderen drei Schützlinge Djanga, Zwerg und Winnie (Laura Eßers Handaufzuchten) hatten heute anscheinend etwas Besseres vor – viel los ist am Ufer des Großen Teichs trotzdem. Beim Erna-Ente-Treff wird generell alles versorgt, was nicht fliegen kann, z.B. kupierte Tiere oder Hausgänse, die aufgrund ihrer Statur nicht fliegen können. Vier Mal pro Woche für jeweils mindestens zwei Stunden ist die 25-Jährige Laura Eßer im Kurpark. Dass sie hauptberuflich Erzieherin ist, scheint im Umgang mit den Gänsen hilfreich zu sein, denn sie benehmen sich teilweise auch wie kleine Kinder. Da wird geschubst, gedrängelt, sich gegenseitig angemeckert, aber Laura Eßer hat ihre gefiederten Kinder im Griff. Streit“gänse“ werden getrennt, Ungeduldige ermahnt, auf Schüchterne geht sie zu, und sie findet auch immer wieder liebe und lobende Worte für ihre Schützlinge. Es kommt niemand zu kurz. Die Menschenkinder, deren Eltern und Großeltern, die an diesem Tag zur Fütterung gekommen sind, beobachten das Treiben genau. Sie machen auch begeistert mit, halten Salat und Körner hin, die die Gänse vorsichtig aus der Hand fressen. Eine junge Besucherin, die mit ihrem Opa kommt, bringt für ihre gefiederten Freunde Löwenzahn aus dem eigenen Garten mit. Auch der wird rasch verputzt..

Bitte nicht unkontrolliert füttern

Manchmal kommen kaum Gänse zur Fütterung des Erna-Ente-Treffs, da sie schon illegal etwas bekommen haben. Die Schilder im Kurpark weisen auf das Fütterungsverbot hin, jedoch gibt es immer noch und immer wieder Probleme mit unkontrollierten Fütterungen durch Parkbesucher. 2003 gab es im Kurpark ein großes Entensterben. Damals waren viele Tiere an einer bakteriellen Nahrungsmittelvergiftung (Botulismus) gestorben, da sie mit Brot überfüttert worden waren. Die Ausscheidungen der Wasservögel hatten den Teich verunreinigt. Die inzwischen verstorbene Biologin Prof. Ingrid Schmidt hatte damals unter dem Synonym „Erna-Ente“ Leserbriefe an die lokale Zeitung geschrieben, um über die Gefährlichkeit des Fütterns von Wasservögeln und über den richtigen Umgang mit ihnen aufzuklären. Sie hatte den Erna-Ente-Treff gegründet, zu dem seit Jahren täglich viele kleine und große Besucher kommen, um die Tiere (legal und kontrolliert) mit Salat und Körnern zu füttern.

Viel Arbeit, Engagement und Spaß

Natur entdecken, erleben und erfahren – das machen die ehrenamtlichen Helfer des Erna-Ente-Treffs möglich. Jeden Tag. Bei jedem Wetter. Mit Freude. Sie muss auch immer wieder über ihre Gänse lachen, erzählt Laura Eßer. Beispielsweise hätten mal Küken einen riesigen Aufstand wegen einer kleinen Ratte gemacht. „Mopsi“, also die große kräftigere Pommerngans Gerda, sei vor einiger Zeit in Brennnesseln getreten und danach ganz hektisch über die Station getippelt. Und die neunjährige Ella (Pommern-/Kanadagans) mache beim Fressen am Eimer oft schrille Quietsch-Geräusche wie ein Badeentchen. Es wird nicht langweilig mit den derzeit 12 Gänsen, die betreut werden. Ein dreiköpfiger Vorstand, darunter Laura Eßer, und aktuell drei ehrenamtliche Helfer sowie eine Social-Media-Expertin engagieren sich regelmäßig beim Erna-Ente-Treff. Das Engagement ist groß, muss es auch sein, denn es fällt neben der Versorgung der Gänse viel Arbeit an, wie etwa die Pflege der Station und Büroarbeit. Die rund 15 000 Euro jährlichen Kosten werden hauptsächlich durch Spendengelder und den Verkauf von Fotokarten und Kalendern (www.erna-ente-treff.de) gedeckt. Weitere ehrenamtliche Helfer sind herzlich willkommen und werden derzeit sogar dringend gesucht – z.B. für die Morgenfütterung und Landschaftspflege.

Die Tiere im Kurpark entdecken

Beim Erna-Ente-Treff geht es nicht nur um Enten oder Gänse, auch die im Kurpark lebenden Biber (Biberdame Molly ist derzeit wieder schwanger) sind natürlich Thema, wie auch Kaulquappen oder kleine Wassertiere wie Wasserskorpione. Nicht nur bei der täglichen Fütterung können Besucher zu den im Park lebenden Tieren Fragen stellen, auch bietet das Erna-Ente-Treff-Team (nach Absprache) Führungen an. Bei den Erna-Ente-Safaris, Biber- oder auch Unterwasserwelt-Führungen erforschen Kinder und Erwachsene die unterschiedlichen Lebensräume, die der Bad Nauheimer Kurpark den Tieren und Pflanzen bietet, und sie entdecken den Kurpark als Oase der Artenvielfalt.

Bad Nauheim Blog: StadtGesichter
Autor: Katharina Wagner


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