Der „Sprudelgeist“

Ulli Schwabe sitzt an einem braunen massiven Holztisch in seiner Straußwirtschaft „Rote Pumpe“ in Nieder-Mörlen, die er 2004 zusammen mit Ehefrau Heike eröffnet hat. „Wir haben Äpfel zum Pressen gern“, sagt Ulli Schwabe und beim Blick auf die „Essen und Trinken“-Karte wird das schnell klar.

Schwabe und seine Familie sind kreativ, nicht nur was die Herstellung von Produkten aus Äpfeln angeht: Der Handkäs heißt hier z.B. „Tarzan“ (Handkäs mit Spargel, Sauce Hollandaise und Zwiebeln) oder „Adonis“ (Handkäs mit Tzaziki, Oliven, Peperoni und Zwiebeln), und „6 Richtige“ sind verschiedene Apfelweine von Wetterauer Streuobstwiesen. In der Roten Pumpe wird viel gekeltert, abgefüllt, etikettiert: 25 000 Liter Apfelwein jährlich. Ein enormer Arbeitsaufwand, aber Ulli Schwabe liebt seine Straußwirtschaft. Dass sie sich so entwickelt, hätte er nicht gedacht, als er seine Festanstellung aufgab und zu seinem damaligen Chef sagte: „Ich mach jetzt Apfelwein.“

Ein prickelnder Likör für Bad Nauheim

Vor ihm stehen eine Thermoskanne mit Kaffee, zwei große Tassen, Bio-Milch und auch zwei kleine Likör-Gläschen und drei „Sprudelgeist“-Flaschen in unterschiedlichen Größen. Und diese neue Kreation, die es seit Ende Juli 2017 gibt, wird nun gekostet. „Man sollte ihn nicht schnell herunterkippen, sondern langsam genießen“, erklärt der 62-Jährige als er ihn einschenkt. „Nehmen Sie einen Schluck, und lassen Sie den Geschmack auf der Zunge entfalten.“ Es bitzelt erst etwas auf der Zunge, dann schmeckt man den süßlicheren Apfel und im Abgang die leicht säuerliche Quitte. Der Alkoholgeschmack ist nicht zu stark. Der „Sprudelgeist“ ist süffig – er ist angenehm schmeckend und gut trinkbar.

Die Tüftler der Apfelweinmanufaktur

Wenn Ulli Schwabe über den „Sprudelgeist“ spricht, ist ihm anzumerken, dass er schon ein wenig stolz darauf ist, wie beliebt der Likör (20% vol.) ist. Das Feedback der Gäste ist sehr gut. Einen solchen Erfolg habe er so nicht erwartet, als ihn vor einiger Zeit die Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH (BNST) kontaktierte, mit der durch zahlreiche Rad- und Wandertouren seit Jahren schon eine gute Zusammenarbeit besteht. Arno Sternitze, Gästeführer der BNST, hatte bei der Ausarbeitung der Führung „Mythologie im Sprudelhof“ die Idee, ein Sprudelgeist könne Bad Nauheim und im Speziellen den Sprudelhof noch bekannter machen. Ulli Schwabe hat daraufhin zusammen mit seinem Sohn Philipp, der ein Master of Science Getränketechnologie ist, den Likör entwickelt. „Es wäre ein Leichtes gewesen, einen Himbeergeist abzufüllen und Sprudelgeist drauf zu schreiben, aber wir wollten etwas Eigenes schaffen. Wir wollten ein Getränk für viele Geschmäcker, etwas Einmaliges, das aromatisch ist, nicht zu viel Alkoholgehalt hat und nicht zu süß ist. Philipp und ich haben zuerst nach einer markanten Bad Nauheimer Flüssigkeit gesucht. Das Wasser vom Sprudelhof fanden wir optimal. Es prickelt, und das sollte unser Likör auch können“, erinnert sich Schwabe, der passionierter E-Bike-Fahrer ist und jährlich über 8000 Kilometer zurücklegt. „Wir saßen hier in der Straußwirtschaft und haben mit Messbechern gearbeitet.“ Drei Korrekturen waren nötig bis die richtige Mischung gefunden war.

Ein Gesicht für den Sprudelgeist

Die Zutaten für den „Sprudelgeist“: selbst hergestellter Apfel- und Quittensaft, Wasser, Obstbrand und noch Aronia – so ergab sich die Farbe, die an das für den Bad Nauheimer Sprudel charakteristische Rostrot erinnert. Das Grafikbüro U38 aus Bad Nauheim gab dem Getränk das passende Gesicht: Als Vorbild für das Etikett diente „Glubby“, das Wasserwesen aus Badehaus 4, das 1911 der Künstler Ludwig Habich entworfen hatte. „Glubby“ ist Teil eines Brunnens, aus dem Thermalwasser in ein Becken fließt. Jedes Mal, wenn Wasser aus dem Brunnen entnommen wird, scheint „Glubby“ seinen Gesichtsausdruck zu ändern. Beim Sprudelgeist auf dem Etikett ist es ähnlich, wenn aus der Likör-Flasche ausgeschenkt wird. Achten Sie darauf.

Sprudelgeist On Tour

Inzwischen sind die Kreationen aus Schwabes Apfelweinmanufaktur auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Neben diversen Messe-Besuchen ist Ulli Schwabe dieses Jahr auf dem Weingut „Schlösschen am Mäuseturm“ in Bingen zu Gast und stellt „Die guten Stöffche“ vor. „Eine Ehre“, sagt Ulli Schwabe. „Auf dem Weingut finden sonst nur Proben von Traubenweinen von Weingütern in Südafrika, Spanien oder Franken oder Sachsen statt. Der Sprudelgeist wird natürlich auch mit eingepackt und den Gästen zur Verköstigung gereicht.“ Vorher ist aber erst einmal am 31. März in der „Roten Pumpe“ Apfelwein-Anstich, und dann können seine Gäste bestimmt auch schon seine neuen Kreationen probieren, die er im Kopf hat: Cocktails mit „Sprudelgeist“.

Pur und in verschiedenen Flaschengrößen ist der „Sprudelgeist“ – auch im Geschenkeset mit den passenden Gläschen in kupferfarbenem Karton –bei der Stadtmarketing und Tourismus GmbH (In den Kolonnaden 1) und der Roten Pumpe erhältlich.

Bad Nauheim Blog: StadtGeschmäcker
Autor: Katharina Wagner


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