Rufs Hühnermobil

Rund um die Rosenschule Ruf in Steinfurth ist kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Die Sonne scheint an diesem Montagvormittag. Es ist heiß, und auf der grünen Wiese sind gerade nur wenige Hühner zu sehen. Das ändert sich als Werner Ruf die Wiese betritt und sich dem Hühnermobil nähert. Jetzt wird es laut und voll. Auf einmal strömt der Großteil der Hühner, die das fahrbare Haus bewohnen, nach draußen und umzingelt ihn. Sie wissen, dass ihnen Werner Ruf fast immer ein paar Leckereien zuwirft.

So auch jetzt: Das Gegacker wird noch lauter als er sich der Getreidebox nähert. Beim Kampf um den besten Futterplatz sind die Hühner nicht zimperlich und schubsen sich gegenseitig zur Seite. Ein Hahn versucht wiederholt, mit lautem Krähen für Ordnung zu sorgen, aber vergebens. Die hungrigen Hühner sind nur schwer im Zaum zu halten. Als Werner Ruf sich wieder vom Hühnermobil entfernt, wird auch die Wiese schlagartig wieder leerer. Die Hühner ziehen sich wieder in ihr Mobil oder dahinter in den Schatten zurück. Hitze mögen sie nämlich nicht.

Gefahr aus der Luft

Auf 225 Hühner kommen in einem Mobil fünf Hähne. Außer, dass diese – so Werner Ruf – gerne „Eindruck schinden und den dicken Max markieren“, haben sie auch die Aufgabe, Ordnung (wieder) herzustellen und die Hühner vor Gefahren zu warnen – etwa vor Angriffen aus der Luft. Denn es kommt immer mal vor, dass ein paar Hühner von Habichten erwischt werden. Flatterband und Fahnen helfen als Abwehr nur drei Tage, Schafe in der Hühnerherde halten die Greifvögel etwa drei Wochen ab. Werner Ruf wechselt daher regelmäßig die Maßnahmen. Die Gefahr von oben kann der um die Weide gespannte Elektrozaun nicht abhalten, Füchse aber schreckt er gut ab.

Hühnermist düngt Rosenpflanzen

Die Nächte verbringen die Hühner in ihrem Haus auf Rädern, in dem sie auf Stangen schlafen oder – das machen sie sehr gerne – zwischendurch auch mal ein erholendes Staubbad in feinstem Gesteinsmehl nehmen. Das hilft gegen Parasiten und unterstützt die Gefieder-Pflege. Die Hühner haben hier nicht nur ständig freien Zugang zu Wasser, sondern auch zu Futter – in 100 prozentiger Bio-Qualität: Getreide, bestehend aus Weizen, Gerste, Hafer, Mais und 5 Prozent geröstetem Soja (gut für die Eiweißversorgung). In einem separaten und ruhigeren Bereich, der auch von außen gut zugänglich ist, legen die Hennen ihre Eier. Das Hühnermobil ist voll isoliert und bis minus 17 Grad frostfrei, hat eine Solaranlage auf dem Dach mit Batteriespeicher, ein computergesteuertes Lichtprogramm und eine automatisierte Türöffnung. Der Kot fällt durch das Gitter auf ein Förderband und kann so leicht abtransportiert werden. Dünger für die Rosenfelder muss Werner Ruf keinen mehr dazukaufen, nur für die Topfpflanzen wird ein anderer Dünger gebraucht.

Kunden zahlen Eierpreis gerne

Nicht nur die Tiere auch die Menschen haben das Hühnermobil sehr gut angenommen. Die Kunden in ihrem Rosenlädchen oder auch im von ihm belieferten Biomarkt Bad Nauheim zahlen 50 Cent pro Ei bei gemischten Größen. Dieser Preis wird gerne für die Qualität gezahlt, er ist aber auch nötig, um die aufwändige Haltung zu finanzieren. Natürlich wird der Bioland-Betrieb intensiv kontrolliert. Die Impfung gegen Geflügelpest ist Pflicht, und regelmäßig kommt auch der Hühnerberater vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und gegebenenfalls Ratschläge zu geben. Inzwischen ist aus Werner Ruf ein richtiger Hühnerprofi geworden. Zwar hat er früher schon immer mal ein paar Hühner gehabt, aber in den vergangenen drei Jahren hat er so viel über die Tiere gelernt wie in den Jahrzehnten zuvor nicht und konnte so die Haltung immer weiter optimieren.

Sonntags haben sie frei

Frühmorgens, wenn es jetzt noch nicht zu warm ist, sind die Hühner der Rasse Lohmann Braun auf der Wiese und „mähen“ den Rasen. Das machen sie so gewissenhaft, dass das Hühnermobil jede Woche auf einem anderen Wiesenstück geparkt wird, auf dem sie weitergrasen können. Werner Ruf und seine Frau Sabine führen die Rosenschule in dritter Generation. 1994 haben sie den Betrieb auf biologischen Anbau umgestellt. Die Rosen sind das Hauptgeschäft, 2015 sind das erste Hühnermobil und ein Jahr später das zweite als weitere Einnahmequelle hinzugekommen. Die Anschaffung der Hühnermobile wurde als besonders umweltschonendes und tiergerechtes Vorhaben im Rahmen des Entwicklungsplans für den ländlichen Raum des Landes Hessen aus EU- und Bundesmitteln gefördert. Drei Stunden täglich kümmern sich die Rufs um ihr Geflügel, das es ihnen fleißig zurückzahlt. Durchschnittlich legt jedes Huhn pro Woche sechs Eier – rein rechnerisch hat es also sonntags frei.

So bewahren Sie Eier richtig auf

Die ersten drei Wochen halten sich Eier ungekühlt wunderbar. Erst dann sollten sie in die Kühlung, damit sie noch eine Woche länger genießbar sind. Und: Die Eier bitte nicht abwaschen, falls noch etwas Dreck oder Kot dran ein sollte. Denn durch das Wasser an der Eierschale wird die natürliche Schutzschicht beschädigt, so dass Bakterien leichteres Spiel haben und die Eier schneller verderben. Wenn Sie Eier im Kühlschrank aufbewahren, achten Sie darauf, dass sie sie nicht zu lange herausholen, wenn Sie sie nicht verwenden. Denn das Tauwasser zerstört die natürliche Schutzschicht der Eier ebenso und mindert die Haltbarkeitsdauer.

Bad Nauheim Blog: StadtGeschichten
Autor: Katharina Wagner


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