Die Pfauen vom Brunnenwärterhaus

Drei Tage lang war mal ein Pfau im angrenzenden Wäldchen verschwunden. Ein paar Mal hat er ihn schreien gehört. Am nächsten Tag waren sogar alle Pfauen weg. Dann klingelte das Telefon bei Wolfgang Glaum im „Brunnenwärterhaus“ in Schwalheim.

"Die Pfauen sitzen im Carport"

Eine Anwohnerin rief ihn an und bat ihn, seine Pfauen abzuholen. Sie säßen in ihrem Carport. Der 53-jährige Koch lief in Arbeitskleidung hin und trieb die ausgebüxten Vögel bis zum Restaurant vor sich her. Seine Pfauen sind generell unternehmungslustig. Sie machen ab und zu Ausflüge in die nähere Umgebung, aber in der Regel finden sie immer wieder zurück zu ihrer Voliere, die hinter dem „Brunnenwärterhaus“ steht.

Schon zwei Mal Nachwuchs bekommen

Beim Rosenkauf in Steinfurth ist er Pfauen das erste Mal nähergekommen, da der „Rosenhof Schultheis“ diese Vögel schon seit einigen Jahren hält. Wolfgang Glaum fand, dass die majestätischen Tiere wunderbar auf das parkähnliche Gelände rund um das „Brunnenwärterhaus“ passen, das er seit 2015 betreibt. Er las sich intensiv in das Thema ein und startete 2017 mit drei Pfauen. Schon im gleichen Jahr gab es das erste Mal Nachwuchs und Mitte Juni diesen Jahres, nach einem Monat geduldigem Brüten, erneut. Es waren drei Küken, eines jedoch war plötzlich verschwunden. Wolfgang Glaum vermutet, dass es gefressen wurde. Die zwei Pfauenbabys, die es geschafft haben, hängen nun der Mutter die ganze Zeit am Rockzipfel und folgen ihr auf Schritt und Tritt.

Jeder Pfau hat einen eigenen Schlafbaum

Das Zubettgehen ist eine richtige Zeremonie bei den Pfauen: Jeden Abend, wenn es langsam dunkel wird, kann man sie dabei beobachten. Dann stellen sie sich in einer Reihe auf und jeder wartet geduldig, bis er dran ist. Einer nach dem anderen lässt sich dann in einer der Linden nieder, um dort in Ruhe zu schlafen. In der Höhe sind sie sicherer vor Feinden. Dort ruhen sie, bis es hell wird und wenn sie dann wach werden, schreien sie – so laut, dass Wolfgang Glaum und seine Lebensgefährtin Nicola Hallmann somit auch sehr früh wach werden.

Pfauen und Hunde verstehen sich

Wenn das Restaurant geöffnet ist, laufen die Vögel gerne auch mal zwischen den Tischen umher. Schüchtern sind sie nicht, sondern sogar eher neugierig. Sie schauen sich die Menschen an, die sich auf ihrem Areal aufhalten. Auch vor den zwei auf dem Gelände lebenden Hunden haben sie keine Angst und die Vierbeiner lassen die Pfauen auch in Ruhe. Das Zusammenleben klappt wunderbar.

„Pfauenfleisch kommt hier nicht auf den Teller"

Wolfgang Glaum

Kuchen und Mehlwürmer als Leckerli

Zurzeit leben sieben erwachsene Pfauen und zwei Küken in Schwalheim beim Sauerbrunnen. Die Vögel können bis zu 20 Jahre alt werden. An sich sind die Pfauen recht anspruchslos. Die Voliere aber sollte trocken sein, denn Feuchtigkeit von unten vertragen sie nicht. Um ihr leibliches Wohl müssen sich die Pfauen auch nicht sorgen. Ihre Speisekarte ist abwechslungsreich: Sie sieht Salat, Körner, kleine Insekten und – als Leckerli – hausgemachten Kuchen und Mehlwürmer vor. Apropos Speisekarte: Die alten Römer haben Pfauenfleisch gerne gegessen, im „Brunnenwärterhaus“ von Wolfgang Glaum kommt es aber nicht auf den Teller. Die farbenprächtigen Pfauen sollen seinen Gästen ausschließlich als Augenschmaus dienen.

Bad Nauheim Blog: StadtGeschichten
Autor: Katharina Wagner


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