In Bad Nauheim "dehaam"

Der 81-Jährige Hans Stachelroth ist gut in Form, und beim Spaziergang durch Bad Nauheim hat er alle paar Meter etwas zu erzählen. Beispielsweise in der Altstadt: Hinter dem Haus Borngasse 14 – an der Rückseite des Gasthauses „Zur Krone“ – stand die „Bolletz“, was so viel wie „Gewahrsam“ bedeutet. Ein Gefängnis also. Zu ihm gelangte man über den „Wächtersgang“, auch bekannt als „Fritze Gängelche“.

In diesem Gefängnis wurden ein gewisser Jacob Mars und dessen Ehefrau im Jahre 1568 wochenlang dafür eingesperrt, weil die Gattin vier Körbe Äpfel aus dem Garten ihrer eigenen Eltern mitgenommen hatte. Diese selbst hatten nichts dagegen, der übereifrige Schultheiß (Ortvorsteher) aber zeigte es als Diebstahl an. Aller Einspruch seitens der Familie brachte nichts. Harte Bestrafung für nichts Strafbares. Justiz anno dazumal.

„Ich habe keinen Lieblingsplatz.
Bad Nauheim ist überall schön."

Hans Stachelroth

In Bad Nauheim ist er „dehaam“, sagt Stachelroth, der in der Altstadt aufgewachsen, seit fast 60 Jahren verheiratet ist und zwei Töchter hat. Über seine Geburtsstadt hat er ein Buch verfasst: „(Bad) Nauheim, Was ich davon noch nicht wusste“. Für den gelernten Handwerker, der jahrzehntelang im Feuerwehrdienst tätig war, wurde sein Hobby als Verfasser zur Herzensangelegenheit. Nach zwei Jahren Arbeit und Recherchen in diversen Archiven wurde es in Eigenregie auf den Markt gebracht. Es ist eine Zusammenfassung dessen, was er über die Geschichte Bad Nauheims in bekannten und weniger bekannten Büchern gefunden hat - über die Saline, das Kurhaus, den Johannisberg oder den großen Sprudel und noch mehr.

Enkelin motivierte zum Schreiben

Zwei Bücher hat Hans Stachelroth bisher veröffentlicht. Das erste Buch („Mir schwätze Platt!“, 2015, erhältlich über Amazon), eine Sammlung aus Wetterauer Mundartgedichten, entstand, weil er die hiesige Mundart bewahren möchte und auch aus Liebe zu seiner Enkelin. Sie hatte Probleme beim Lesen der altdeutschen Schrift, als ihr der Großvater ein Gedicht in oberhessischer Mundart nahebringen wollte. Auch Mundartgedichte über Bad Nauheim kennt er einige.

Besucht die Altstadt

Wer in Bad Nauheim is zur Kur
un kennt de Park, des Kurhaus nur,
is in de Altstadt nie verkehrt,
der waß ned, was zur Kur gehört.

Wer dorch die Altstadt is spaziert,
hat dort kaan Äbbelwoi brobiert,
kaan Handkees mit Musik gegesse,
war nie ganz richtig hier gewese.

Wer krank an Kreislauf, Herz un Niern
un hat aach nix um abzufihrn,
der trink nur Äbbelwoi natur,
als Hilfe bei der Badekur.

Wer mäßig trinkt den Äbbelwoi,
fier den is des Getränk Arznei.
Nur wer davon zuviel verzehrt,
dem bleibt sein Kreislauf schwer gestört.


(H. Jockel)

Schiffszwieback für die Kinder

Im Gebiet der heutigen Dankeskirche stand 1866 das „Hotel Kursaal“, das auch als erstes Badehaus gedient hat. Die höchsten Offiziere wohnten hier und in anderen angesehenen Gasthäusern in der Kurstraße, aber nicht nur das: Vor dem Hotel wurden Kochgräben ausgehoben und mit dem dort gekochten und gebratenem Essen die Soldaten versorgt. Darunter war auch Schiffszwieback, der zwar steinhart war, aber den Bad Nauheimer Kindern dennoch sehr geschmeckt hat. Diese Geschichte steht auf Seite 237 der insgesamt 264 eng bedruckten Seiten des Buches. Zugegeben: Teilweise ist es etwas schwieriger zu lesen, weil das Buch Original-Ausschnitte in damaliger Rechtschreibung und Kommasetzung enthält, jedoch lohnt sich das Dranbleiben, weil man viel Neues erfährt oder sich an Vergessenes wieder erinnert. Das Buch „(Bad) Nauheim, Was ich davon noch nicht wusste“ kann nur im Bad Nauheimer Buchhandel und unter der Telefonnummer (06032) 64 28 erworben werden.

Bad Nauheim Blog: StadtGesichter
Autor: Katharina Wagner


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