Handkäs-Bratwurst und „en geile Äppler“

„Wer hier verkehrt, verkehrt nicht verkehrt. Wer hier nicht verkehrt, verkehrt verkehrt“ - überall im Gastraum, der von vielen Holzbalken durchzogen ist, sind Fotos und Schilder mit Sprüchen zu sehen.

In einer Ecke sind eine Schiffsglocke, alte Fotos von Marinebooten und verschiedene Seefahrt-Utensilien angebracht. Seit 35 Jahren schon treffen sich hier alte Marine-Kameraden zum Stammtisch. Die Seefahrt verbindet auch Dieter und Andreas Jäckel. Beide waren bei der Marine. Zusammen mit Ehefrau und Mutter Ruth betreiben sie eine der ältesten Gaststätten Bad Nauheims, das „Deutschen Haus“. Dieter Jäckel, heute 73 Jahre alt, hat Mitte der 1960er die Welt bereist, war u.a. in Argentinien, Chile, Brasilien und Venezuela.

Urige Atmosphäre

„Wir betreiben ein original hessisches Gasthaus und möchten die deutschlandweite Äppelwoi-Tradition fortsetzen“, sagt Dieter Jäckel. „Darum bieten wir neben unserem selbst gekeltertem Appelwoi  (im Keller lagern derzeit 8000 Liter) und den typischen hessischen Gerichten wie Handkäs, Schäufelchen, Rippchen und Sauerkraut auch Spezialitäten, zum Beispiel Handkäs-Bratwürste und gebackenen Handkäs an.“ Und genau das schätzen die Gäste: Leckeres Essen, schöne und urige Atmosphäre, sehr freundliche Bedienung und - wie ein Gast es auf der facebook-Seite schreibt - „en geile Äppler“.

Das „Deutsche Haus“ hat viele treue Gäste. Ob Studenten, Turner, Altstadtgilde – sie halten ihre Stammtische hier ab. Bereits verstorbene Stammgäste werden durch eine Foto-Wand in Erinnerung behalten, direkt neben der „Apostel-Uhr“- zur vollen Stunde drehen die Namensgeber der großen hölzernen Uhr oben ihre Runde - und dem massiven „Inflations-Stammtisch“ – hier sind unter einer Glasplatte viele Milliarden Mark platziert. Den Tisch und die Uhr hatten 1923 treue Stammtisch-Brüder, allesamt Handwerker, gebaut und dem „Deutschen Haus“ gespendet.

Seit 136 Jahren Apfelweintradition

Die heutige Gaststätte „Deutsches Haus” an der Ecke Hauptstraße/Mittelstraße wurde von Christian Salzmann erbaut und 1650 als Bauernhof erstmals urkundlich erwähnt. Das in fränkischem Stil gehaltene Eingangstor kam knapp 150 Jahre später dazu. Damals war hier schon ein Wirtschaftsbetrieb, der „Zum Lämmchen” hieß. Den Namen „Deutsches Haus” gibt es seit Februar 1882, und erstmals wurde nun auch Apfelwein gekeltert. Seit 1981 führt Dieter Jäckel mit seiner Familie das „Deutsche Haus“. Jäckel selbst, Ehefrau Ruth und Andreas, der ältere von zwei Söhnen, der das „Deutsche Haus“ mal übernehmen wird, sind ein eingespieltes Team. „Nach über 35 Jahren ist uns die Gaststätte wirklich ans Herz gewachsen und nicht nur des Wirtes ‚Ein und Alles‘. Wir sind untrennbar mit ihr verbunden. Die ‚Krönung‘ war sicherlich die umfangreiche Sanierung des Hauses im letzten Jahr“, sagt Andreas Jäckel.

Großartige Unterstützung erfahren

Das Haus: sanierungsbedürftig. Feuchtigkeit. Morsche Balken. Der Arbeitsaufwand: enorm. „Es war eine schwere Zeit. Tagsüber hatten wir Lärm und Staub durch Bauarbeiten, abends musste der normale Gaststättenbetrieb natürlich weitergehen. Es ging im wahrsten Sinne des Wortes an die Substanz“, blicken Dieter und Andreas Jäckel zurück. Zunächst wurde das Fachwerk freigelegt, und ein Großteil der Fachwerkbalken (Eiche) musste ersetzt werden, da sie völlig verfault waren. Auch die angrenzenden Gefache (durch Balken begrenztes Feld beim Fachwerkbau) mussten erneuert werden, so wie die Elektrik im ganzen Haus und die (private) Sanitäranlage. Die Kosten lagen bei rund 200 000 Euro. „Dank des Engagements unserer treuesten Gäste z.B. des KVM-Stammtisches mit der Idee der Spendentafel ‚Ideelle Balkenanteile‘ oder die Aktion ‚Fachwerkbaustein Deutsches Haus‘, initiiert von Barbara und Norbert Fisch und Henry C. Alt, kam eine Summe zusammen, die in etwa der Unterstützung von Stadt und Kreis gleichkommt“, erklären Dieter und Andreas Jäckel dankbar.

Bad Nauheim Blog: StadtGeschichten
Autor: Katharina Wagner


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