Produkte von der Stange gibt es hier nicht

Schokolade mit kandierten Veilchen, Zitronenpfeffer, karamellisierten Walnüssen, gerösteten Kakaobohnen oder Rosenblüten aus Steinfurth – wer gerne nascht, dem läuft beim Betreten der Confiserie Odenkirchen das Wasser im Mund zusammen. Alleine 60 verschiedene Sorten Schokolade hat Edgar Odenkirchen kreiert. Da fällt die Entscheidung schwer – von den vielen unterschiedlichen Sorten Pralinen mal ganz abgesehen. Schampustrüffel und Pralinen mit Cappuccino mag der 69-jährige Konditormeister persönlich am liebsten, Mokka hingegen gar nicht. Und was er nie isst: Schokolade oder Pralinen aus dem Supermarkt. Die kriege er nicht runter.

Erinnerungen an Gerüche aus vergangenen Tagen

Als Kind war er oft zu Besuch in einer Backstube, die sich im Mietshaus der Oma befand. Der Geruch nach frisch Gebackenem und süßen Leckereien hat nachhaltig gewirkt. Mit 14 Jahren stellte er sich zunächst in der Dampfkesselindustrie für eine Ausbildung als Elektriker vor, jedoch merkte er schnell, dass das nichts für ihn ist. Stattdessen verwirklichte er seinen lang gehegten Wunsch, Konditor zu werden und absolvierte in Gummersbach eine Lehre. Seit 1975 ist er Konditormeister und auch nach Jahrzehnten ist ihm die Lust auf etwas Süßes nicht vergangen. Das wäre auch schlecht, denn seine Produkte bedürfen schließlich einer ständigen „Qualitätskontrolle“. Er „muss“ sie also täglich probieren.

Rosentrüffel mit Gebrauchsanweisung

In Edgar Odenkirchens Schoko-Werken spiegeln sich die Wahrzeichen der Stadt wider. Seine schöpferischen Kreationen sind gut durchdacht. So stellt etwa die Füllung aus Krokantnougat in den Salinentropfen aus heller Schokolade das irdische Salzwasser dar und die Zwetschgentrüffelfüllung in den dunklen Salinentropfen das gradierte Salz. Auch finden sich der Sprudelhof oder die Trinkkuranlage als Motive in oder auf seinen Arbeiten wieder und Schokolade mit dem Konterfei Elvis Presleys gibt es bei ihm natürlich auch. Je nach Anlass kreiert Edgar Odenkirchen passende Produkte. Eine Spezialität verkauft er sogar mit einer Gebrauchsanweisung, nämlich die Rosentrüffel mit Bio-Rosenblüten aus Steinfurth: Die Schokolade muss man erst auf der Zunge zergehen lassen und dann durch die Nase „ausschnaufen“. Nur so kommt das Aroma der Rose besonders zur Geltung.

„Manchmal kommen mir die Ideen für neue Produkte im Bett kurz vor dem Aufwachen. Wenn ich Glück habe weiß ich noch, von welcher Kreation ich geträumt habe.“ – Edgar Odenkirchen

„Alles, was ich mache, ist Hobby“

Seit 1991 ist die Confiserie Odenkirchen in Bad Nauheim ansässig. Zunächst befand sich das Geschäft in der Bad Nauheimer Kurstraße. Im Februar 1997 zog es in die Parkstraße 2 um. Edgar Odenkirchen liebt sein Handwerk und sieht seine Arbeit daher als Hobby an. In seinem „Schokoladen-Hoch- und Tiefbau-Labor“ in der Steinfurther Straße lässt er seine süßen Ideen Wirklichkeit werden. Dabei verwendet er keine chemischen Zusätze oder Konservierungsstoffe und auch keine anderen Hilfsmittel, die ihm die Arbeit vermutlich erleichtern oder Kosten senken würden. Und frisch muss natürlich alles sein. Deshalb produziert er stets nur kleine Chargen, aktuell natürlich sehr viele von seinen Zimt- und Spekulatiustrüffeln.

Personalisierte Produkte sind besonders beliebt

Vor ein paar Jahren fragte ihn ein Kunde: „Kann ich mal eine Tafel Schokolade mit einem Namen drauf haben?“ Ja, das konnte er. Seitdem gibt es nicht nur Schokoladentafeln mit Namen darauf, auch Titel wie „Stresskiller“, „Gute Besserung“, „Herzlichen Glückwunsch“ oder „Danke“ zieren die Tafeln aus handgeschöpfter Vollmilch- und Zartbitterschokolade. Auf Kundenwunsch fertigt der Konditormeister auch ausgefallene Auftragsarbeiten an, wie etwa einen großen Doktorhut aus Schokolade, eine 14-stöckige Hochzeitstorte oder Pralinen mit Firmenlogo. Persönliche Schoko-Arbeiten zu verschenken ist eben etwas anderes, als Konfekt im Supermarkt zu kaufen. Sein Kundenstamm schätzt die Schokoladenmanufaktur von Edgar Odenkirchen und ist ihm seit Jahrzehnten treu – in heutigen Zeiten nicht selbstverständlich.

Bad Nauheim Blog: StadtGeschmäcker
Autorin: Katharina Wagner


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