Bad Nauheims "Whisky-Guide"

Viele Fotos aus früheren Zeiten, ein großer Wildschweinkopf, seine alten Schlittschuhe an der Wand, Pokale, Tontöpfe, Gewichte von der Waage der Metzgerei seines Großvaters im Regal, massive Nähmaschinentische, die von der Decke herunterhängen oder original Karussell-Schaukelpferde, die zwischen den Sitzbänken stehen - es ist viel los in „Willy's Pub“ am Burgplatz, auch wenn noch keine Gäste da sind.

Decken-Deko steigerte Whisky-Verkauf

Die Decke ist voll mit leeren Whisky-Hüllen. Noch ist eine Ecke oben an der Decke frei, die Lücke soll aber auch noch geschlossen werden. Das sieht nicht nur originell aus, sondern ist auch gut fürs Geschäft: Seit die Decke vor sechs Jahren bestückt wurde, ist der Whisky-Verkauf um das Dreifache angestiegen, und es vergeht kein Tag, an dem nicht ein Gast ein Foto von dieser besonderen Deko macht.

„Piano“ und mild anfangen

Langsam, pur und ohne Eis – so trinkt man Whisky. Eigentlich. Wenn ein Gast aber Eis haben möchte, bekommt er das auch. Das sieht Willy van Basshuisen nicht so eng. Sein alkoholisches Lieblingsgetränk selbst ist zwar Bier, aber er kennt sich so gut mit Whisky aus, dass sein Pub bereits neun Mal im „Whisky Guide“ stand – eine Ehre, denn in diesen Wegweiser für Whisky-Fans kommen nur die besten Bars Deutschlands oder eben auch ein Bad Nauheimer Irish Pub rein. „Whisky-Anfängern“ empfiehlt Willy van Basshuisen, „piano“ anzufangen und erst einmal einen milden Whisky zu probieren. Sonst könne der rauchige, torfige Geschmack abschrecken.

Ein Ort für alle Generationen

Oft kommen die Kindeskinder seiner ersten Gäste herein, bestellen ihm Grüße und nehmen Platz, um einen schönen Abend hier zu verbringen. In den Bewertungen des Pubs auf der Facebook-Seite, die seine Tochter pflegt, ist immer wieder „tolle Atmosphäre“ zu lesen. Er selbst ist übrigens weder auf Facebook, noch hat er eine eigene E-Mail-Adresse oder ein Handy. Braucht er nicht, sagt er. Geradeheraus, mit ganz eigenem Charme. Gradlinig, dennoch mit Liebe zum Detail. „Willy´s Pub“ ist Willy. In der einen Ecke des Pubs sitzen (seine Worte) „uralte“ Leute, in der anderen junge Studenten. Das „Gemisch“ stimmt. Und Willy van Basshuisen achtet seit jeher darauf, dass sich seine Gäste „ordentlich benehmen“. Dann lässt er sie auch machen, was sie wollen. Manchmal muss er seine Gäste allerdings ein wenig „führen“. Dabei meint er es aber nicht bös.

In der Gastwirtschaft aufgewachsen

Kellner, Page, Barmixer – Willy van Basshuisen hat im damaligen Hilberts Parkhotel mit 14 Jahren verschiedene Stationen durchlaufen und eine Ausbildung zum – heute würde man sagen – Hotelfachmann gemacht. Nach Auslandsaufenthalten in Hotels und auf einem Schiff kam er zurück. Er war unter anderem im „Postwagen“ und in der „Krone“ in Bad Nauheim, mit 21 Jahren schon machte er sich selbstständig, ehe ihn im Alter von 26 Jahren die Bundeswehr einzog. Er diente glücklicherweise in der Nähe. So konnte er in dieser Zeit in seinem Elternhaus, das seit 1904 seiner Familie gehört und in deren „Gastwirtschaft zur Burg“ im Erdgeschoss er aufgewachsen ist, an seiner Zukunft arbeiten. Er baute die Gastwirtschaft um und eröffnete am 11. März 1976 „Willy´s Pub“, ein irisches Pub. Eine absolute Neuheit in der damaligen Zeit. In den Räumen, in denen damals die angeschlossene Metzgerei seines Großvaters war, serviert Willy van Basshuisen seinen Gästen heute neben alkoholfreien Getränken unter anderem Bier (darunter natürlich Guinness und fünf weitere Biersorten vom Fass), diverse Cocktails und – dafür ist das Pub bekannt: Whisky. 90 Sorten – bis zu 25 Jahre gereiften – Whisky, darunter irischen, schottischen und japanischen.

Keine Konkurrenz, nur Mitbewerber

Bis 12 Uhr mittags schläft er meist, dann trinkt er Kaffee, geht einkaufen, und um 17 Uhr steht er wieder hinter dem Tresen in seinem Pub. Ein Leben, das so nicht jeder führen könnte, aber ihm macht es Spaß, und es funktioniert. Konkurrenz habe er in seinen Augen nicht, nur „Mitbewerber“. Man kennt sich. Versteht sich. Am 20. Juli wird Willy van Basshuisen 70 Jahre alt. 42 Jahre hat er das Pub. Ohnehin eine lange Zeit, in der Gastronomie eine Ewigkeit. Gedanken ans Aufhören? Etwa zwei, drei Jahre möchte er es noch machen, aber so ganz fix klingt das irgendwie nicht. Vielleicht werden es doch noch ein paar Jährchen mehr. „Willy´s Pub“ ohne Willy ist auch irgendwie nicht vorstellbar.

Willys Tipp:

"Schauen Sie den Whisky an und lassen Sie die Farbe auf sich wirken. Dann riechen Sie daran, um die Aromen möglichst genau wahrzunehmen – am besten nur mit einem Nasenloch. Jeder Mensch hat nämlich ein „Lieblings-Nasenloch“, mit dem er besser riecht. Dann setzen Sie das Glas an, nehmen einen Schluck und lassen den Geschmack auf der Zunge entfalten bis der Whisky langsam die Speiseröhre hinunterläuft und sie wärmt."

Bad Nauheim Blog: StadtGeschichten
Autor: Katharina Wagner


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