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Jugendstil erleben
Sprudelhof
Die größte geschlossene Jugendstilanlage Europas, erbaut zwischen 1905 und 1911, gehört zu den bedeutenden Zeugnissen dieser Kunstrichtung. Das Ensemble, ein Gesamtkunstwerk, zeigt in eindrucksvoller Weise die vom Jugendstil angestrebte Verbindung von Architektur, freier und angewandter Kunst sowie Garten- und Platzgestaltung. In den Grundlinien erinnert der Sprudelhof an barocke Schloss- und Klosteranlagen, in der dekorativen Ausgestaltung ist er jedoch vom Jugendstil geprägt.

SprudelhofJost schuf eine Anlage, die sowohl den Bahnhof als auch den Johannisberg mit einbezieht. Seine Grundidee war eine künstlerisch anspruchsvolle Fassung der Hauptsprudel. Eine Allee sollte die vom Bahnhof Ankommenden über die großzügige Freitreppe führen, die beidseitig durch die aufwendige Gestaltung der Verwaltungsbauten eine kunstvolle Fassung erhielt. Die ersten beiden Badehäuser, unter deren Balkonen geschickt die Arkadengänge ansetzen, sollten den Blick in den weiten Hof und Kurpark frei geben.


Badehaus 2Badehaus 2
Die Schwarzlotmalerei der Fenster mit ihren symmetrisch angeordneten Vogelpaaren zieht den Besucher magisch an. Honigfarbene Terrakottareliefs, eingelassen in blau glasierte Keramikklinker, zaubern den Charme einer Märchenwelt. Auf den längsseitigen Frieszonen im Schmuckhof tummeln sich Gestalten aus der Mythologie. Eine bekrönte Meerjungfrau auf der Brunnensäule reitet kokett auf einem Delphin.


Fürstenbad
Das Fürstenbad war aufgrund seiner kostbaren Ausstattung nur dem Hochadel vorbehalten. Zu den prominenten Gästen zählte die russische Zarin Alexandra. Der Heilung Suchende begab sich in das Marmorbad zu Füßen der Göttin Aphrodite, griechisch Anadyomene, die „aus Schaum Geborene“. Die über ihrem Haupte schwebenden Schlangen weisen auf Hygieia, die Göttin der Gesundheit, hin.


Badehaus 3Badehaus 3
Blaue und rotbraune Mosaikmuster zaubern in der Wartehalle eine feierliche und zeremonielle Stimmung. Der Schmuckhof mit seinem rechteckigen Wasserbecken erinnert an ein römisches Atriumhaus. Rosenbewachsene Säulen und Pergolen verleihen dem Hof klassizistische Züge. Aus dem Wasserbecken erhebt sich das aus Muschelkalk gefertigte Brünnchen, auf dem ein rundlicher Putto dem Besucher Trauben anbietet.


Badehaus 4/5Badehaus 4/5
Die Wände der Wartesäle beider Badehäuser sind mit violett-braunem Lahnmarmor verkleidet, den im Badehaus 5 ein umlaufendes Goldmosaik ziert. Farbige ovale Fenster aus Opaleszenzglas setzen kräftige Akzente. Die abstrakten Ornamente lassen einen Frosch und eine Libelle erahnen. In den Schmuckhöfen vereinen sich Erinnerungen an barocke Grotten und Wassergetier des Jugendstils im Schmuck der Brunnen.


Badehaus 6/7
Im Schmuckhof von Badehaus 6 richten geheimnisvolle Masken aus glasiertem Steinzeug ihre Blicke auf den Betrachter, umrahmt von kannelierten Säulen und einem schmalen Pultdach. Besonderer Blickfang im Badehaus 7 sind die Ornamentfenster mit ihrer mehrfach abgestuften rechteckigen Rahmung. Die Wartehalle, ausgekleidet mit Scharffeuerkeramik in den Farbtönen Grau, Braun, Grün und Weiß zeigt die phantasievolle Schaffenskraft des Architekten Jost. Im „Keramischen Schmuckhof“ erinnert ein umlaufender Arkadengang an klösterliche Kreuzgänge. Vielerlei Wassertiere tummeln sich auf Sockeln, Kapitellen, Pflanzkübeln und Bänken. Höhepunkt ist zweifelsohne die Brunnenanlage mit ihrer erotischen Ausstrahlung und mediterranen Leichtigkeit, erinnernd an die Zeit der Renaissance. Blumenkinder tanzen einen Frühlingsreigen, die Brüste der Nixen versprühen Wasser als Allegorie der Leben spendenden Natur.