Jugendstil-Bauwerke in Bad Nauheim

Kurtheater

Den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete das Kurhaus, erbaut zwischen 1864 und 1866, im Stil der italienischen Neorenaissance. Ständig steigende Gästezahlen machten eine Erweiterung des Kurhausgeländes erforderlich. Der Konzertsaal mit Konzertgarten und eine großzügige Terrassenanlage mit Musiktempel wurden Treffpunkt der vornehmen Welt in einer Zeit, da die Kur noch als gesellschaftliches Ereignis galt. Das heutige Theater, nach alten Vorbildern wieder aufgebaut nach dem Brand 1980, erinnert in seiner Ausstattung an die Stilrichtung des späten Jugendstils.

Stadtbücherei

Das ehemalige Inhalatorium, die heutige Stadtbücherei, war das erste von Jost 1901/02 errichtete Gebäude in Bad Nauheim. Hessische Fachwerkarchitektur mit ornamentalen Details weist auf Historismus und den beginnenden Jugendstil hin. Die Halle im Eingangsbereich stellt eine Synthese aus mittelalterlicher Handwerkskunst und Moderne dar. Stilelemente des frühen Jugendstils finden sich in den ornamentalen Details der Farbverglasungen und Türbeschlägen. Die satte Farbgebung der Blütenmotive in den leuchtenden Fenstern verleiht dem Raum eine märchenhafte Wirkung.

Die Stadtbücherei steht heute auch Kurgästen als Haus des Gastes zur Verfügung.  

Wohnhäuser

Hotelbauten, Kurpensionen und Wohnhäuser im „Darmstädter Stil“ machten um 1900 den späten Jugendstil in Bad Nauheim heimisch. Die eigenständige Stilrichtung sollte eine regionale Identität vermitteln, sich der Umgebung anpassen und den Gästen gefallen. Schmückende und gestalterische Elemente wie farbige Glasfenster, Türen mit geschwungenen Türgriffen, filigrane und geometrische Balkon- und Treppengeländer, kleine Mosaiken, männliche Masken und elegisch blickende Mädchengesichter vermitteln das Formgefühl des Jugendstils und den Charme dieser Epoche.

Heizwerk

In den Jahren 1906 und 1907 entstand am Rande des Kurparks eine Gärtnerei in „heimatlicher Bauweise“, eine Gebäudegruppe von behaglicher, schlichter Schönheit. In entgegengesetzter Richtung, „Am Goldstein“, errichtete Jost zwischen 1905 und 1911 die Maschinenzentrale mit Fernheizwerk, Elektrizitätswerk und Eisfabrik, eine Dampfwaschanstalt und die Neubauten der Salinenbetriebe. Der Schornstein des Fernheizwerks wurde als Zeichen einer bahnbrechenden, modernen Technik bewusst in die Sichtachse Sprudelhof - Bahnhof integriert.

Bahnhof

Der 1912 erbaute Bahnhof gehört noch zur Epoche des Jugendstils. Gliederung und Bauschmuck entsprechen jedoch barocken Formen. Niedliche Putten, der Hermeskopf und die rahmenden Ornamente der Uhr im Giebelfeld deuten die Stilrichtung an. Die Büste der Hygieia, Göttin der Gesundheit, dargestellt mit Heil bringenden Schlangen, weist auf den Jugendstil. Keramische Wandverkleidungen und farbige Fenster bestimmen das Bild der Schalterhalle.

Benekebrunnen

Das Denkmal ehrt einen Mediziner, der von 1857 bis 1882 als erster Brunnenarzt in Bad Nauheim tätig war, Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Beneke. Seine Forschungen legten den Grundstein für den späteren Weltruf des Herzheilbades. Die knieende Frauengestalt kann als Hygieia, Göttin der Gesundheit, oder Quellnymphe interpretiert werden. Meeresgetier symbolisiert das Wasser als Heil bringenden Quell, tanzende Putten idealisieren Jugend und Gesundheit.