Von der Salzgewinnung zum Solebad

Seine Bedeutung verdankt Bad Nauheim seinen unermüdlich sprudelnden Solquellen. Das warme, salz- und kohlensäurehaltige Wasser prägt die gesamte Historie der Stadt von ihren Ursprüngen bis heute.

Zwischen 500 und 100 v. Chr. errichten die Kelten entlang der Usa eine der größten späteisenzeitlichen Siedlungen, die der Salzgewinnung dient. Zwei große Salzsiedeanlagen, im Bereich der heutigen Neuen Kolonnaden sowie zwischen Dankeskirche und Trinkkuranlage entstehen. Die Sole wurde zunächst in großen Becken vorgradiert, in Tontöpfe gefüllt und anschließend in Öfen gekocht, bis man einen festen Salzkuchen erhielt. Im ersten Jahrhundert v. Chr. werden die Siedeanlagen aufgegeben.

700 n. Chr.

Erst um 700 n. Chr. nehmen fränkische Siedler die Salzgewinnung wieder auf. Aus dieser fränkischen Siedlung entsteht ein mittelalterliches Söderdorf, dass 900 in einem Zinsregister des Klosters Seligenstadt unter dem Namen "Niwiheim" erstmals urkundlich erwähnt wird.

Mittelalter

Während des Mittelalters werden die Salzsiedereien von Södern betrieben, die sich in einer Zunft zusammengeschlossen haben. 1489 besitzt das Dörfchen Nauheim 13 Soden. Im 16. Jahrhundert bringen steigende Brennholzpreise die Söderfamilien in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Hanauer Landesherr bringt die Siedeanlagen 1585 in seinen Besitz und lässt die Salzgewinnung modernisieren.

1700

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts führt der Leiter des Salzwerkes Joseph Todesco die Schwarzdorngradierung ein, vorher hatte man Strohgeflechte benutzt. Bad Nauheim gehört zu den ersten mitteleuropäischen Salinen, die über diese Gradiermethode verfügen. Die Gewinne aus der Salzproduktion steigen beträchtlich.

1733

1733 fällt Nauheim an die Landgrafen von Hessen-Kassel. Der General-Salinendirektor Jakob Sigismund Waitz von Eschen baut die Nauheimer Saline mit einem Kostenaufwand von 800.000 Gulden zu einer der größten Salinen Deutschlands aus. Er verbessert die Wasserkraftanlagen und errichtet zwei Windmühlen, deren Türme heute noch erhalten sind. Einer der beiden, heute "Waitzscher Turm" genannt, befindet sich im Kurpark nahe der Usa.

1823

1823 erlaubt man den Södern die Einrichtung eines Knappschaftsbades. Schnell entdeckt man die heilende Wirkung der Sole und 1835 wird das erste Badehaus mit 9 Wannen auf dem Gelände der heutigen Dankeskirche errichtet. Der Aufstieg Nauheims zum Kurbad beginnt. 1837 wird Dr. Friedrich Bode erster Nauheimer Badearzt.

1846

Quellenbohrungen scheinen keine Ergebnisse zu bringen. Bis in der stürmischen Nacht vom 21. auf 22. Dezember 1846 aus einem aufgegeben Bohrloch ein mächtiger Solestrom die Erde durchbricht und schäumend und dampfend zutage tritt. Dies ist die Geburt des Großen Sprudels ("Nauheimer Weihnachtswunder").
1855 wird die erste Quellendankfeier abgehalten, nachdem der Große Sprudel für sechs Wochen versiegt war. Im Mai desselben Jahres enspringt die neu erbohrte Friedrich-Wilhelm-Quelle ebenfalls im Sprudelhof. Auf der heutigen Sprudelfassungen ist zu lesen:

"AUF GOTTES GEHEISS AUS DER TIEFE GEBOREN / DER LEBENDEN LEIDEN ZU LINDERN ERKOREN"

1857

Ab 1857 wird Dr. Friedrich Wilhelm Beneke zum ersten Brunnenarzt Bad Nauheims. Er veröffentlicht die erste Schrift über die Behandlung Herzkranker mit kohlensäurehaltigen Solbädern. Dank seiner Heilerfolge steigt Bad Nauheim zum Weltbad für Herz- und Kreislauferkrankungen auf. Die Salzproduktion geht in den kommenden Jahren aufgrund des billigeren Steinsalzes immer mehr zurück. 1959 wird die Saline endgültig geschlossen. Die heute zum Teil noch erhaltenen Gradierbauten dienen der Freiluftinhalation.

Die Blütezeit Bad Nauheim als Herzheilbad beginnt. 1854 werden Nauheim die Stadtrechte verliehen und seit 1869 trägt es den Beinamen Bad. Bis heute wird die Sole zu Heilzwecken genutzt.