Erinnerungsmale und Kunstobjekte am Wegesrand

Gedenksteine, Naturdenkmale und Hütten / Aussichtstempel im Waldpark

Der Waldpark Bad Nauheim entstand in der Zeit des Jugendstils zwischen 1896 und 1905. Er geht zurück auf eine Idee des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, der gerade dabei war, sein „Vorzeigebad“ Bad Nauheim von Wilhelm Jost im damals hochmodernen Darmstädter Jugendstil neu zu gestalten.

Heinrich Siesmayer, der berühmte Frankfurter Landschaftsarchitekt, hatte bereits 1857 den Kurpark als Landschaftspark gestaltet. Die Bad Nauheimer Ärzte, so die Ärzte Dr. Theodor und Dr. August Schott Ende des 19. Jahrhunderts und später Prof. Isidor Groedel, verordneten neben den Bädern und Trinkkuren zunehmend Bewegungstherapie in Form von „Terrainkuren“ (J. M. Oertel, seit 1882 medizinisch empfohlen).
Daher sollte nun nach den Ideen Ernst Ludwigs das flach zum großen Teich abfallende Areal nordöstlich des Johannisbergs, der Frauenwald und Eichwald ebenso wie der städtische Hochwald in einen Waldpark umgestaltet werden. Dies war einerseits im Sinne des aufkommenden Naturschutzes gedacht, und andererseits sollte die Waldanlage das Therapieangebot erweitern.
Dazu musste das bestehende Gebiet durch Landkäufe arrondiert, der dortige Niederwald, der nur einfaches Brennholz und Eichenschälrinde zur Lederverarbeitung lieferte, in einen Hochwald umgewandelt werden. Der Waldpark sollte aus einer Vielzahl von in Farbe und Form unterschiedlichen Laub- und Nadelbäumen bestehen, mit Blickachsen und fließenden Übergängen des Waldes in die freie Wiesenlandschaft. Die zahlreichen Spazierwege sollten den Besuchern in jeder Jahreszeit und auch bei jedem Wetter Freude an der Natur und Erholung für die Seele bieten.
Die Bedeutung dieses Projekts ließ sich daran erkennen, dass das Revier Bad Nauheim direkt der Ministerialforstverwaltung in Darmstadt unterstellt wurde. Schöpfer des Waldparks waren u. a. Ludwig Kirchner und Dr. Jacob Weber. Geldgeber war das großherzoglich hessen-darmstädtische Finanzministerium unter Finanzminister Feodor Gnauth.

Der Waldpark wird von einer befestigten Straße, der sogenannten Rundfahrt, mit einer Gesamtlänge von 10,2 km begrenzt. Zwischen Golfplatz und Frauenwald/Eichwald bot sich einst eine reizvolle Aussicht in die Wetterau und die Ausläufer des nordöstlichen Taunus. In ihrem südlichen Teil geht die Rundfahrt als Elisabethenring bis zu den Waldteichen und zur Hochwaldstraße. Das Wegenetz wurde für die Kurgäste mit überschaubaren Steigungsraten angelegt, und die Rundfahrt so berechnet, dass sie für Kutschen befahrbar war – und noch ist. Sie überwindet auf ihrer Strecke einen Höhenunterschied von ca. 100m. In einer Senke des Waldparks, zwischen Johannisberg und Frauenwald/Eichwald, liegt die Frauenwaldwiese, heute Skiwiese genannt nach der Nutzung ihres oberen Teils für Wintersport.

An den Blickachsen der Frauenwaldwiese und der Rundfahrt erbaute man hölzerne Aussichtstempel/Schutzhütten. Sie sollten den Besuchern neben dem Witterungsschutz die Möglichkeit bieten, in Ruhe und Muße die Natur zu genießen.
Das heute noch nahezu vollständig erhaltene Ensemble der Schutzhütten wurde im Laufe der Zeit in einem teils unterschiedlichen, doch grundlegend einheitlichen „romantischen“ Stil errichtet. Die einfachen Holzhütten sind teils oktogonal, teils rechteckig, und haben einen Durchmesser von 3-4 m und eine Höhe von ca. 5m. Sie sind in einfachem Fachwerk aus Rundhölzern erbaut, in den Gefachen sind die Rundhölzer teils senkrecht-diagonal, waagrecht oder gekreuzt angeordnet. Im Innern ist der Fußboden mit einem Zementestrich belegt. Einfache Sitzbänke mit Blick durch Fenster und Türnischen laden zum Verweilen ein. Die Hütten ziert jeweils eine offene Dachkonstruktion.

Rundgang zu den Gedenksteinen, Naturdenkmalen und Aussichtstempeln im Waldpark Bad Nauheim


Zusammengestellt von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte Bad Nauheim
mit Unterstützung der Stadtarchivarin Frau Brigitte Faatz